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Der erfüllte Raum
Taktilität und Sichtbarkeit in den Magdalenendarstellungen von Georges de La Tour
Daphne Cornelia Jung
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Julia Gelshorn
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29161.41065.425762-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Georges de La Tours Werkserie der Maria Magdalena eröffnet auf den ersten Blick Widersprüche: ihre minutiöse Malweise, die den mimetischen Realismus als ein Fest der Sichtbarkeit inszeniert, wird durch die Darstellung einer Heiligen konterkariert, die sich von dieser gemalten Bildwelt abwendet, indem sie ihre Augen blendet, diese verdeckt hat oder ihren Blick in die Dunkelheit kehrt. Darüber hinaus offenbaren die Gemälde zwar eine Vielzahl minutiös gemalter Details, zugleich aber hat der Maler jeweils große Partien der Bildfläche in Schatten getaucht und dafür bereits Gemaltes oft bis zur Unkenntlichkeit mit schwarzer Farbe überpinselt. Selbst wenn es einem gelingt, die verborgenen Figuren in diesen Schattenzonen zu erkennen, bleibt man irritiert, denn was man dort mit Mühe entdeckt hat, erscheint für den Gesamtzusammenhang der Darstellung bedeutungslos und kontingent. Die 'Ästhetik der Ambiguität' frühneuzeitlicher Malerei, die in letzter Zeit verstärkt untersucht worden ist , erhält bei La Tour eine verschärfte Ausformung: sie betrifft nicht nur die Verunklärung narrativer Bildinhalte, sondern lässt Sichtbarkeit selbst zwiespältig erscheinen. Tatsächlich ist Blindheit selbst ein Leitmotiv in La Tours Malerei, und das nicht nur durch den wiederholten Eindruck der Betrachter_in, etwas auf seinen Bildern nicht zu sehen. Vielmehr sind die dargestellten Personen auf fast all seinen Gemälden blind, geblendet, wenden ihren Blick ab oder haben ihre Augen geschlossen. Häufig sind sie auch in einem passiven, entrückten Zustand dargestellt: bewusstlos, schlafend, ekstatisch oder in Meditation. Was ist es, was sich der Betrachter_in durch diese Leerstellen entzieht? Obwohl La Tours Gemälde die Grenzen des Darstellbaren repräsentationskritisch aufzeigen, machen sie zugleich den Anspruch realistischer Malerei geltend, der Betrachter_in die sichtbare Bildwelt als evidente Wirklichkeit vor Augen zu stellen. In diesem Sinne wird auch konsequent die Fiktionalität des Dargestellten betont und als eigentlicher Ort des innerbildlichen Geschehens der Atelierraum des Malers ausgewiesen, in dem die gemalte Szene anhand von Modellen und Requisiten arrangiert worden ist. Die vorliegende Arbeit beleuchtet also unterschiedliche Räume oder Topoi, auf die La Tours Magdalenendarstellungen verweisen: den inneren Wahrnehmungsraum des Subjekts, den Raum der Transzendenz, den Atelierraum des Malers und darüber hinaus den Bildraum selbst. Dabei soll untersucht werden, inwiefern deren widersprüchliche Zusammenführung auf seinen Gemälden von einer Krise der Verbindung von Räumen erzählt, die in der frühen Neuzeit zugleich bestehen und dabei weder ganz in Deckung geraten, noch voneinander getrennt werden können. Die entscheidende Instanz ihrer Überlagerung ist dabei das frühneuzeitliche Subjekt, das zwischen den Kategorien „Welt“ und Transzendenz zu vermitteln sucht, wobei es sich paradoxerweise zugleich dadurch konstituiert, sich diesen Kategorien zu entziehen. Damit geht in der frühen Neuzeit auch die Aufwertung des psychischen Vermögens der Imagination einher, das sich einer Deckungsgleichheit von 'Welt' und (Betrachter_innen)subjekt, wie sie der Repräsentationsgedanke der frühen Neuzeit impliziert, widersetzt. La Tours Gemälde sollen dabei anhand ebendieses Diskurses über die Beziehung von Vorstellung und Darstellung, 'inneren' und 'äußeren' Bildern untersucht werden.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Realismus Caravaggismus Metapikturalität Sichtbarkeit Taktilität Rezeptionsästhetik Detail Mystik Melancholie
Autor*innen
Daphne Cornelia Jung
Haupttitel (Deutsch)
Der erfüllte Raum
Hauptuntertitel (Deutsch)
Taktilität und Sichtbarkeit in den Magdalenendarstellungen von Georges de La Tour
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
139 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Julia Gelshorn
Klassifikation
20 Kunstwissenschaften > 20.00 Kunstwissenschaften: Allgemeines
AC Nummer
AC08392963
Utheses ID
11497
Studienkennzahl
UA | 315 | | |
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