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Erlebnisse des Sehens
Bildhaftigkeit und visuelle Grenzerfahrungen bei Tieck, Hofmannsthal und Rilke
Robin Hauenstein
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Irmgard Egger
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30334.94519.258454-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit untersucht in Rückbezug auf die von der jüngsten Forschung postulierte ikonische Wende in der deutschen Literatur an den modernen Epochenschwellen um 1800 und 1900 die konzentrierte Bildhaftigkeit und ihre diskursiven, bildtheoretischen, philosophischen und wissenschaftlichen Grundlagen in repräsentativen Texten der Frühromantik und des Fin de siècle: Ludwig Tiecks Franz Sternbalds Wanderungen, Hugo von Hofmannsthals Brief des Lord Chandos, Sommerreise, Das Glück am Weg, Die Briefe des Zurückgekehrten und Rainer Maria Rilkes Briefe über Cézanne. Von zentralem Interesse sind dabei auch die in den Texten ausgedrückten Beziehungen zur und Konzeptionen und Evidenzfunktionen der bildenden Kunst sowie die Rückwirkung der Bilder im sprachlichen Medium. Die Untersuchung von Franz Sternbalds Wanderungen, mit dem Tieck auf das Bildbedürfnis um 1800 mit der Exponierung einer textuellen Bilderflut und einer die romantische Malerei und Kunsttheorie präfigurierenden Auseinandersetzung mit bildender Kunst antwortet, zielt nicht primär auf die expliziten kunstgeschichtlichen Bildzitate ab, sondern geht bezüglich der konzentrierten narrativen Bildhaftigkeit des Romans und der Thematisierung von inneren und äußeren Bildern auf inhaltlicher Ebene vor allem von einer Synthese verschiedener philosophischer und bildgeschichtlicher Diskurse aus und versucht diese Zusammenführung in den bildhaften Markierungen des Textes herauszuarbeiten. Besonders zentral sind dabei die subjektphilosophischen Grundlagen Fichtes, der hagiographische und ikonologische Diskurs, die kunsttheoretischen Auffassungen Wackenroders, Tiecks und Schellings und Fichtes Lehre vom Bild, die dieser seit der ersten Fassung der Wissenschaftslehre (1794) kontinuierlich ausgearbeitet hatte, deren Einfluss auf Tiecks Werk jedoch trotz evidenter Parallelen von der Forschung noch nicht thematisiert worden ist. In der Auseinandersetzung mit der Wiederkehr der Bilder in den kürzeren Texten Hofmannsthals und Rilkes im zweiten Teil der Arbeit geht es 119 auf der Grundlage der neuesten intermedialen Lesart dieser Texte darum zu zeigen, wie die oft konstatierte Sprachkrise der Moderne vielmehr zur Chance der Auseinandersetzung, Einbeziehung und Transformierung des visuellen Mediums wurde und damit auch produktiv auf die literarischen Verfahren zurückwirkte. Die ikonischen Markierungen und die Thematisierung von visueller Erfahrung werden in den Texten aufgesucht, in ihrem intratextuellen Zusammenhang analysiert und auf ihre jeweiligen wissenschafts- und kunsthistorischen Bezüge zurückzuführen versucht. Von besonderer Bedeutung sind diesbezüglich die bildende Kunst von der Renaissance bis zur Avantgarde bei Cézanne und van Gogh, die endogenen Bilder im sinnesphysiologischen Diskurs des 19. Jahrhunderts, der damit korrelierende Topos des assoziativ-halluzinativen Sehens von da Vinci bis Ernst Mach und Paul Valéry und die Ausformulierung eines radikalen Konstruktivismus in den Theorien der Visualität und Wahrnehmung um 1900.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Bildhaftigkeit visuelle Grenzerfahrung endogene Bilder Evidenzerlebnis bildhaftes Sehen neues Sehen Bildsystem innere Bilder Kunst Malerei
Autor*innen
Robin Hauenstein
Haupttitel (Deutsch)
Erlebnisse des Sehens
Hauptuntertitel (Deutsch)
Bildhaftigkeit und visuelle Grenzerfahrungen bei Tieck, Hofmannsthal und Rilke
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
123 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Irmgard Egger
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.70 Literaturwissenschaft: Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur
AC Nummer
AC08504411
Utheses ID
12543
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 344 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1