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Populationsökologie und Sozialverhalten bei freilebenden Siebenschläfern (Glis glis)
Katrin Weissensteiner
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Betreuer*in
Thomas Ruf
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30062.58014.594966-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Siebenschläfer sind in Ihrer Fortpflanzung an die Nahrungsverfügbarkeit gebunden. In Jahren mit guter Mast der Futterbäume werden viele Jungtiere geboren, in Ausfallsjahren gar keine. In Ihrem Gruppenverhalten, also ihr gemeinsames Aufhalten in einem Nistkasten, scheinen sie variabel zu sein. So zeigten in einer untersuchten Population alle Mütter territoriales Verhalten während der Jungenaufzucht, während in einer anderen Population das Teilen von Nistkästen miteinander verwandter Mütter beobachtet wurde. Bei den männlichen Tieren wurde von einem von der Hodenentwicklung abhängigen Gruppenverhalten während der Paarungszeit berichtet. Je besser die Hoden der Tiere entwickelt waren, desto größer waren die Tiergruppen, die in den Nistkästen gefunden wurden. In einer Fang-Wiederfangstudie untersuchte ich das Gruppenverhalten der einjährigen und adulten Tiere während der Paarung- und Aufzuchtzeit. Weiters analysierte ich auch noch von welchen Variablen die Zusammensetzung (Alter – einjährig und adult - und Geschlecht) und saisonale Entwicklung der Fangzahlen abhing. Die Auswertung erfolgt mittels des Statistik-Programmes R 2.10.0. Das Verhältnis von einjährigen zu adulten Bilchen schwankte von Jahr zu Jahr. In den Untersuchungsjahren war entweder die eine oder die andere Gruppe in Überzahl. Die starke Schwankung der Fänge von Jährlingen hing mit der Mastsituation und der Juvenilen-Anzahl im Vorjahr zusammen. Je stärker die Mast im Vorjahr war desto mehr Jungtiere wurden geboren und desto mehr Jährlinge wurden im Folgejahr gefunden. Die Betrachtung der Fänge nach Fangwoche und Jahr ohne Gruppenunterteilung war sehr verschieden. 2006 und 2007 wurden die meisten Tiere während der Paarungszeit gefangen, was auch erwartet wurde. 2008 und 2009 erst danach und 2010 gab es kein so eindeutiges Maximum, aber auch keine Jungtiere, also keine Paarungen. Ein besonders auffälliges Ergebnis meiner Untersuchung war, dass bei den Fängen und Individuen signifikant mehr männliche als weibliche Tiere gefunden wurden obwohl das Geschlechterverhältnis innerhalb der gefundenen Würfe bis zu einem Alter von ca. 3 Wochen ausgeglichen war. Das könnte dadurch begründet werden, dass die männlichen Bilche die Nistkästen stärker nutzten als die weiblichen. Sie zeigten deutlich mehr Gruppenverhalten als die weiblichen adulten Tiere. Da sie also eher als die Weibchen bereit waren, sich Nistkästen zu teilen, konnten also in den vorhandenen Nistkästen mehr männliche als weibliche Tiere gefunden werden. Die geringere Bereitschaft zu Gemeinschaftsverhalten der adulten Weibchen, die hauptsächlich die Jungtiere zur Welt bringen, deutet auf Territorialverhalten von Muttertieren hin. Das in andern Studien beschriebene Etablieren von „breeding ranges“ scheint also auch hier aufzutreten. Während der Aufzuchtzeit der Jungtiere wurden umso weniger Tiere gemeinsam in den Nistkästen gefunden je besser die Mast war, die sich unmittelbar auf die Zahl der Jungtiere auswirkt. Das kann damit erklärt werden, dass die Mütter, die meist adulte Tiere sind, mit ihren Jungtieren die Nistkästen besetzten und nicht teilen. Die Männchen meiner Population zeigten ein von der Maststärke abhängiges Gruppenverhalten: Je stärker die Mast war, desto weniger waren die Tiere bereit sind gemeinsam in den Nistkästen aufzuhalten. Je besser das Mastjahr war desto besser waren die Hoden entwickelt. Da die Hodenentwicklung direkt vom Testosteron-Spiegel beeinflusst ist, könnte es sein, dass dieses Hormon sich negativ auf das Sozialverhalten der Tiere auswirkt. Dieses Ergebnis kann jedoch nicht direkt mit der oben beschriebenen Studie (je besser die Hoden entwickelt, desto größere Gruppen bildeten die Männchen) verglichen werden, da es in Durchführung und Auswertung Unterschiede gab.
Abstract
(Englisch)
The reproduction of fat dormice is dependent on the availability of food. Mast fruiting of the relevant trees, determines if and how many juveniles are born. The more fruits are available the more juveniles are born and in years without fruiting no reproduction takes place. Studies suggest that nest boxes are either used collectively by two or more animals (huddling) or just by one animal. While in one study all mothers with pups showed territorial behaviour, in another study related mothers partly shared nest boxes with each other. Regarding male animals a study showed a relationship between nest box sharing and the stage of testes development at the mating season. The better the testes were developed the bigger was the group size found in the nest boxes. Based on a capture-recapture study during the period of five (2006 – 2010) years, I investigated the huddling behaviour of yearlings and adults during the mating and breeding season. Furthermore it was analysed which variables had an influence on the structure (age – yearling and adult – and gender) and the seasonal development of the number of caught animals. The analysis was done with the statistic programme R 2.10.0. The adult to yearling ratio varied from year to year. While in one year yearlings were in majority in the other investigated years the majority was formed by adults. Especially the number of yearlings showed a high fluctuation, which can be explained by mast fruiting and the number of juveniles born in the year before. The more food was available the more juveniles were born. These were found as yearlings in the following year. The seasonal development of the number of caught animals without grouping by age or gender varied between the different years. In the years 2006 and 2007 the peak of the catches was reached during the mating season. In the two following years the maximum of catches was made after the mating season and in 2010 there was even no explicit maximum observed. In this year no juveniles were found, so there also no mating took place in the observed population. An especially noticeable result of my analysis was that the number of catches as well as the total number of individuals in the population showed a significant majority of male fat dormice although the gender ratio was balanced in the first three weeks after birth. An explanation for this interesting observation might be that male dormice used the investigated nest boxes more than females. In this respect male animals also showed a stronger huddling behaviour in the nest boxes than female adults. Thus, males showed more willingness than females to share a nest box with others, which might explain why more males were found. The limited huddling behaviour of adult females could be due to the fact that they gave birth to the majority of the litters. The mothers seem to show a distinctive territorial behaviour by establishing breeding ranges. This behaviour is confirmed by several other studies. During the breeding season the number of animals showing huddling behaviour was influenced by the availability of mast fruiting. The more food the animals had, the less distinctive group behaviour was observed. This can be explained by the direct link between food availability and the number of juveniles. Mothers, which were very often adults, occupied the nest boxes and did not share them with others, except their pups. Also male animals showed a huddling behaviour, which was influenced by mast fruiting: The more food was available the fewer male animals were found together. There was a direct relationship between mast fruiting and testes development, which in turn is directly influenced by the testosterone level. This hormone could have a negative effect on the social behaviour of the male dormice. However, this result cannot be compared to the results of the above mentioned study (the bigger the testes the bigger groups of males were found) as the studies differ in their design and methods of analysis.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
fat dormouse edible dormouse Glis glis social behaviour population ecology nest box huddling reproduction juveniles yearlings
Schlagwörter
(Deutsch)
Siebenschläfer Bilch Glis glis Sozialverhalten Populationsökologie Nistkasten Gemeinschaftsverhalten Fortpflanzung Jungtiere Jährlinge
Autor*innen
Katrin Weissensteiner
Haupttitel (Deutsch)
Populationsökologie und Sozialverhalten bei freilebenden Siebenschläfern (Glis glis)
Paralleltitel (Englisch)
Population ecology an social behaviour of free living fat dormice (Glis glis)
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
49 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Thomas Ruf
Klassifikationen
42 Biologie > 42.60 Zoologie: Allgemeines ,
42 Biologie > 42.65 Tiergeographie, Tierökologie ,
42 Biologie > 42.66 Ethologie
AC Nummer
AC10499933
Utheses ID
19555
Studienkennzahl
UA | 439 | | |
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