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Bildungswege und Zugehörigkeitskonstruktionen in der Migrationsgesellschaft
eine re-konstruktive Analyse autobiographischer Erzählungen von Lehramts- und Pädagogikstudierenden mit Migrationsgeschichte
Dorothee Schwendowius
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Bettina Dausien
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29847.81655.118466-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Bildungswege und Zugehörigkeitskonstruktionen in der Migrationsgesellschaft. Eine re-konstruktive Analyse autobiographischer Erzählungen von Lehramts- und Pädagogikstudierenden ‚mit Migrationsgeschichte‘ (Abstract) Der Diskurs über angehende AkademikerInnen mit Migrationsgeschichte ist durch divergierende Sichtweisen und typisierende Zuschreibungen bestimmt: In der Hochschulforschung werden ‚Studierende mit Migrationshintergrund‘ als Problemgruppe konstruiert. In der öffentlichen und bildungspolitischen Debatte gelten Studierende aus Migrantenfamilien dagegen als RepräsentantInnen einer neuen Bildungselite und als Beispiele für den gelungenen Aufstieg durch Bildung. Dies trifft für angehende LehrerInnen und PädagogInnen in besonderem Maße zu. Vor dem Hintergrund dieser Debatten befasst sich die vorliegende Arbeit aus biographietheoretischer Sicht mit den Bildungsgeschichten von jungen Erwachsenen ‚mit Migrationsgeschichte’, die ein Lehramts- oder Pädagogikstudium absolvieren. Sie geht der Frage nach, wie sich Bildungswege, Selbst- und Zugehörigkeitskonstruktionen von Studierenden im Kontext (migrations-)gesellschaft-licher Macht- und Differenzverhältnisse gestalten. Untersucht wird, wie die Subjekte ihre Bildungsbiographien konstruieren, welche Teilhabe- und Ausgrenzungserfahrungen sie machen und wie sich Selbst- und Zugehörigkeitskonstruktionen lebensgeschichtlich verändern. Ein besonderer Schwerpunkt der Analyse liegt dabei auf den Studienerfahrungen und der Bedeutung des Studiums in der Biographie. Anhand von vier Einzelfallanalysen wird herausgearbeitet, wie junge Erwachsene ‚mit Migrationsgeschichte‘ in universitäre Bildungsgänge einmünden, welche Zugehörigkeits- und Differenzerfahrungen sie im Feld pädagogischer Studiengänge machen und wie sie das Studium mit ihren Lebensgeschichten verknüpfen. Dabei werden sowohl die Bedeutung von sozialen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen für die Bildungswege und Selbstkonstruktionen der Subjekte als auch biographische Ressourcen und Handlungspotenziale herausgearbeitet, die Teilhabe an Bildung und soziale Zugehörigkeitserfahrungen ermöglichen. Die Arbeit folgt dabei einem biographisch-rekonstruktiven Forschungsansatz. Die empirische Basis der Untersuchung bilden fünfzehn lebensgeschichtliche Interviews mit Lehramts- und Pädagogikstudierenden mit eigener oder familialer Migrationsgeschichte (unterschiedlicher sozialer und natio-ethno-kultureller Herkunftsgeschichten), die an zwei deutschen Universitäten geführt wurden. Die Interviews wurden in einem sequenzanalytischen Verfahren zunächst einzelfallbezogen und später vergleichend ausgewertet. Herausgearbeitet werden kontrastierende bildungsbiographische Prozessverläufe und ihre jeweiligen Bedingungen sowie fallübergreifend relevante Dimensionen der Bildungsgeschichten. Die Ergebnisse machen deutlich, dass vereinheitlichende Annahmen über die Bildungswege von ‚Studierenden mit Migrationshintergrund‘ den heterogenen Biographien und Studienerfahrungen der Einzelnen nicht gerecht werden. Die Analyse unterstreicht vielmehr die Vielgestaltigkeit und Komplexität individueller Bildungsgeschichten und Zugehörigkeitskonstruktionen. Die Bildungsgeschichten verweisen auf verschiedene Positionierungen der Subjekte im sozialen Raum und auf je spezifische Prozesse der Erfahrungsaufschichtung und -bearbeitung. Das (pädagogische) Studium ist dabei in unterschiedlicher Weise in die jeweilige biographische Prozessstruktur eingebunden: Es kann einen Raum für Ermächtigungserfahrungen darstellen oder handlungsschematische Orientierungen stabilisieren, aber auch mit Erfahrungen prekärer Zugehörigkeit einhergehen und krisenhafte biographische Prozessverläufe verschärfen. Die rekonstruierten Studienbiographien sind dabei nicht Ausdruck einer spezifischen ‚Migrationslagerung‘. Sie repräsentieren vielmehr exemplarische Verarbeitungsweisen von Bedingungs- und Ereigniskonstellationen, Dynamiken und institutionellen Anforderungen, die potenziell auch in anderen Studienbiographien bedeutsam sind. Gleichwohl sind die familialen Migrationsgeschichten ebenso wie ‚Besonderungs‘- und Ausgrenzungserfahrungen als biographische Hintergrundstrukturen bedeutsam für die Bildungsgeschichten und dafür, wie die jungen Erwachsenen ihr Studium lebensgeschichtlich aneignen und sich im universitären Kontext positionieren. Zudem werden die Studierenden als angehende pädagogische Professionelle (in unterschiedlichem Ausmaß) mit Differenzzuschreibungen konfrontiert, zu denen sie sich ins Verhältnis setzen müssen. Das pädagogische Studium kann dadurch Differenzerfahrungen verstärken, beinhaltet aber auch ein Potenzial für veränderte Zugehörigkeitskonstruktionen und strategische Selbstpositionierungen.
Abstract
(Englisch)
Learning pathways and constructions of belonging within the migration society. A re-constructive analysis of autobiographical narratives by students with a 'history of migration' in degree courses for education professionals (abstract) The discourse concerning soon-to-be academics with a history of migration is determined by divergent views and standardized ascriptions: Within the ranks of higher education research, students from a migrant background are constructed as 'problem group'. In the public and educational debate, however, students coming from immigrant families are represented as a newly emerging educational elite and exemplify the ‘advancement through education’. This is especially true for future teachers and other education professionals. With this debate in mind, the study at hand takes a biographical approach, focusing on the learning pathways and experiences of young adults with a so-called 'migration-history' studying to become teachers or professionals in other educational fields. It is concerned with the question how learning pathways are created and how the students construct themselves within the context of social power relations in migration societies. The study examines how the students construct their histories of learning, how they experience situations of participation and exclusion in the education system and how their constructions of self and belonging are shaped and transformed within their life history. One main concern of the analysis is the experience in and the relevance of higher education within the students’ biographical narratives. Four individual case studies show how young adults with a 'migration history' get access to higher education, how they experience difference and belonging and how they intertwine their studies with their biographical narratives. The influences of power-relations on learning pathways and self-constructions are highlighted as well as biographical resources and individual acting potentials, which enable the subjects to experience social participation and inclusion within the educational system. The empirical study uses a biographical-reconstructive approach. It is based on fifteen biographical interviews with students of different social, national, ethnic and cultural backgrounds partaking in teacher trainings and degree courses in education science at two German universities. The interpretation was achieved by sequential analysis of individual cases in the first place and contrastive comparisons between different cases in a later stage of the analysis. As a result, contrasting biographical processes and their preconditions are highlighted as well as common aspects and similarities between different cases within the sample. The findings suggest that homogenizing concepts and assumptions regarding learning pathways of students with a so-called 'migration-history’ do not adequately reflect the students’ heterogeneous biographies and learning experiences. The analysis does in fact emphasize the plurality and complexity of individual learning biographies, self-constructions as well as constructions of belonging. The students’ learning biographies rather point to the subjects’ various locations and positions within social space and to specific processes of linking and (re-)structuring biographical experiences. Moreover, the results show that the students’ higher education careers and their experiences in the course of their studies are embedded in their biographical narratives in various and contrasting ways: participating in university education may give room for empowerment and enhance or stabilize biographical action schemes. On the other hand, it may coincide with experiences of marginalization or even increase critical biographical trajectories. The results make clear that the students’ learning biographies and their experiences in higher education are not predetermined by their own or their families’ migration histories. Their narrations rather point to different ways of how specific social conditions, individual constellations of events, and institutional requirements are processed biographically. These events and conditions are not solely interconnected with the experience of migration and might occur in other learning biographies as well. Nevertheless, the experiences of migration shared within the family as well as experiences of exclusion and othering are vital biographical background structures. They contribute to the way the students make sense of their studies and how they position themselves within the context of university. Moreover, the students are confronted with ascriptions of difference they experience especially as future education professionals, which they have to relate to. Therefore, participating in degree courses for education and teaching professions may increase notions of difference and otherness. However, it also comprises the potential for altering individual self-constructions and fostering strategic self-positioning.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
migration difference higher education university degree course biography qualitative research learning education science teacher training belonging participation
Schlagwörter
(Deutsch)
Migration Differenz Hochschule Universität Studium Biographie Biographieforschung qualitative Forschung Bildung Erziehungswissenschaft Lehramtsstudium Zugehörigkei Teilhabe
Autor*innen
Dorothee Schwendowius
Haupttitel (Deutsch)
Bildungswege und Zugehörigkeitskonstruktionen in der Migrationsgesellschaft
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine re-konstruktive Analyse autobiographischer Erzählungen von Lehramts- und Pädagogikstudierenden mit Migrationsgeschichte
Paralleltitel (Englisch)
Learning pathways and constructions of belonging within the migration society
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
523 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Christine Riegel ,
Gerhard Riemann
Klassifikationen
80 Pädagogik > 80.00 Pädagogik: Allgemeines ,
80 Pädagogik > 80.36 Erziehung und Gesellschaft ,
80 Pädagogik > 80.57 Interkulturelle Erziehung
AC Nummer
AC12112065
Utheses ID
30819
Studienkennzahl
UA | 792 | 297 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1