Detailansicht

Wenn man es entdeckte - der oder die Obdachlose in Stanley Kubricks "Eyes wide shut" und Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" im Vergleich
Lydia Kerschbaum
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Lehramtsstudium UF Deutsch UF Englisch
Betreuer*in
Michael Rohrwasser
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29666.11265.515454-4
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit nimmt einen Vergleich der obdachlosen Figur in der „Traumnovelle“ und in Stanley Kubricks Verfilmung derselben mit dem Titel „Eyes Wide Shut“ vor. Eine historische Kontextualisierung der Schauplätze beider Werke ergibt, dass diese in „Eyes Wide Shut“ scheinbar fehlende Gestalt nicht der Aktualisierung und räumlichen Verlagerung des Schnitzler’schen Stoffs vom Wien um 1900 in das New York City der Jahrtausendwende zum Opfer gefallen sein kann. Hier wird der oder die Tramp der Literaturverfilmung im Establishing Shot des Harford’schen Apartmenthauses links im Frame auf einer Parkbank sitzend verortet. Da sich dieser Establishing Shot nach ungefähr zwei Drittel der Handlung einen Wimpernschlag später beziehungsweise unter Auslassung eines Schritts einer auf der gegenüberliegenden Seite die Straße überquerenden Figur unvermutet fortsetzt, werden die zwei Shots zur separaten Obdachlosensequenz erklärt. Die Unauffälligkeit des oder der Wohnsitzlosen erlaubt eine Revision der Bedeutung des Titels „Eyes Wide Shut“ zu „absichtliches Wegschauen“. Da die Wohnungslosensequenz an einen Anschlussfehler erinnert, wird die Sinnhaftigkeit dieses und anderer Fehler unter Anwendung von Theorien nach Barthes, Wittgenstein und Foucault legitimiert. Außerdem werden zusätzliche Beispiele an Filmen und literarischen Werken mit bedeutungsvollen Fehlern aufgelistet, wobei in zwei der Lapsus an die Bedeutungskomponente des willentlichen Wegsehens gekoppelt ist, und zwar in Rachel Zadoks „Gem Squash Tokoloshe“ mit der Figur Billary und in Chimamanda Ngozi Adichies „Purple Hibiscus“ mit einer die chronologische Reihenfolge der Ereignisse betreffenden Unstimmigkeit. Die Wohnsitzlosensequenz weist die Besonderheit auf, dass sie wegen ihrer Kontinuität zum Anschlussfehler wird, während die übrigen Ungereimtheiten in „Eyes Wide Shut“ diskontinuierlich sind und somit eine Form der Traummerkmale neben unzähligen anderen darstellen. Der Stadtstreicher oder die Stadtstreicherin wird in der Novelle aus Fridolins Perspektive sichtbar und nimmt dadurch keinen gesonderten Einfluss auf das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit sowie auf jenes von Erzählzeit und erzählter Zeit, wohingegen die beinahe unsichtbar gestaltete obdachlose Figur der eigenständigen Sequenz im Film durchaus die Person sein könnte, welche die filmische Haupthandlung unter Anwendung einer grotesken Zeitdehnung träumt, wodurch sich die Story Time auf etwa zehn Sekunden verringern würde. Dem oder der Unterstandslosen wird im Text mehr Raum und mehr Zeit zuteil als seinem oder ihrem Pendant im Movie, was der insgesamten Verhärtung der sozialen Hierarchie in „Eyes Wide Shut“ gegenüber der literarischen Partitur entspricht.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Eyes Wide Shut Traumnovelle obdachlose Figur Armut The Saint of Fort Washington Augenblick Traum und Wirklichkeit wegsehen Fehler Gem Squash Tokoloshe Billary Purple Hibiscus Chronologie der Ereignisse
Autor*innen
Lydia Kerschbaum
Haupttitel (Deutsch)
Wenn man es entdeckte - der oder die Obdachlose in Stanley Kubricks "Eyes wide shut" und Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" im Vergleich
Publikationsjahr
2015
Umfangsangabe
257 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Michael Rohrwasser
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen allgemein > 18.09 Deutsche Sprache ,
24 Theater, Film, Musik > 24.30 Film: Allgemeines
AC Nummer
AC12714603
Utheses ID
35288
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 344 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1