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Herrschaft und Alltag im albanischen Spätsozialismus (1976-1985)
Idrit Idrizi
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Geschichte)
Betreuer*in
Oliver Schmitt
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-24223.31705.826560-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Arbeit untersucht das albanische Herrschaftssystem im Spätsozialismus zwischen 1976 und 1985. Sie verfolgt einen multiperspektivischen Ansatz, der Herrschaft von ihrem Interaktionscharakter her zu erfassen versucht und dem Alltag als der „komplementären Rückseite der Herrschaft“ (Martin Sabrow) breiten Raum gewährt. Als Quelle dienen archivalische Hinterlassenschaften des kommunistischen Partei-Staates und leitfadengestützte Interviews mit 35 Zeitzeugen, die im Sozialismus weder zur Elite noch zu politischen Häftlingen gehörten. Ziel ist es, die wesentlichen Charakteristika des Herrschaftssystems in der Spätphase anhand der Untersuchung der Herrschaftspraktiken parteistaatlicher Akteure und Lebenswirklichkeiten ehemaliger sozialistischer Bürgerinnen und Bürger herauszuarbeiten. Obwohl die Arbeit eine Fallstudie ist, stellt sie zugleich einen Versuch dar, den albanischen Fall unter die kommunistischen Herrschaftssysteme Osteuropas einzuordnen. Die Arbeit zeigt, dass das albanische Herrschaftssystem vom konsequenten Streben der kommunistischen Führung nach totalitärer Kontrolle geprägt wurde, welches wiederum zu Unübersichtlichkeit, Ineffizienz und Selbstüberforderung führte. Die kommunistische Führung antwortete darauf mit totalitären Mitteln: Mobilisierung des gesamten Partei-Staates und der gesamten Bevölkerung sowie Repression. Staat und Gesellschaft befanden sich deshalb in einem Dauerausnahmezustand, der das Streben nach totalitärer Macht sowohl unterstützte als auch unterminierte. Parallel zu Mobilisierung und Repression betrieb das Regime einen erheblichen Aufwand zur Einbindung der Bevölkerung durch eine integrative Einheitsvision und herrschaftslegitimierende Strategien, wozu allem voran der Herrscherkult, die Selbstinszenierung der Regimeführung als eine zum Führen des Volkes berechtigte Avantgarde und die Propagierung von Patriotismus gehörten. Charakteristisch für die Aneignungspraktiken, Erfahrungsdimensionen und Lebenswirklichkeiten der Bürgerinnen und Bürger des sozialistischen Albaniens war ihre große Heterogenität. Das Gefühl, dem Staat vollständig ausgeliefert zu sein, und die Mentalität, dass der/die Bürger/in sich dem Staat vollkommen unterzuordnen hat waren jedoch die wichtigsten habitusstrukturierenden und erfahrungsbestimmenden Kategorien.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Albania Communism Everyday Life History
Schlagwörter
(Deutsch)
Albanien Kommunismus Herrschaftsgeschichte Alltagsgeschichte
Autor*innen
Idrit Idrizi
Haupttitel (Deutsch)
Herrschaft und Alltag im albanischen Spätsozialismus (1976-1985)
Paralleltitel (Englisch)
Rule and Everyday Life in the Albanian Late Socialism (1976-1985)
Publikationsjahr
2016
Umfangsangabe
319 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Hannes Grandits ,
Michael Schmidt-Neke
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.38 Europäische Geschichte nach 1945 ,
15 Geschichte > 15.70 Balkanstaaten ,
15 Geschichte > 15.71 Osteuropa
AC Nummer
AC13233936
Utheses ID
37193
Studienkennzahl
UA | 792 | 312 | |
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