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Tierethik im christlichen Religionsunterricht
eine religionspädagogische Grundlegung und Analyse
Janine Eichler
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Evangelisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Doktoratsstudium der Evangelischen Theologie (Dissertationsgebiet: Evangelische Theologie)
Betreuer*innen
Martin Rothgangel ,
Thomas Weiß
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.50972
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13168.75819.812161-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Tiere sind feste Bestandteile der Lebenswelt von Menschen und insbesondere von Heran-wachsenden. Sie begegnen als Haustiere im direkten persönlichen Kontakt, in den Medien oder in Form von Nahrungsmitteln. Tierethik ist dementsprechend ein allgegenwärtiges Thema. Sie zeichnet sich besonders in Europa durch eine starke Brisanz und Zweischnei-digkeit aus, die sich am stärksten in der unterschiedlichen Behandlung und rechtlichen Be-rücksichtigung sogenannter „Haustiere“ und „Nutztieren“ ausdrückt. Zudem nehmen Tiere für Kinder eine wichtige Funktion in der Welterfahrung bezogen auf Themen wie Freundschaft, Tod und Trauer ein, was Tiere auch von religiöser Seite aus zu interessanten Bezugspunkten für Heranwachsende macht. Trotz ihrer gesellschaftlichen Relevanz sowie auch Wichtigkeit für die kindliche Entwicklung ist Tierethik ein Thema, welchem sich in der Theologie erst zaghaft angenähert wird. In der Religionspädagogik wurde sich zudem mit den Möglichkeiten und Herausforderungen tier-ethischer Inhalte für den Religionsunterricht noch nicht methodengeleitet auseinandergesetzt. Allenfalls knappe Problemaufrisse sind zu verzeichnen. Diese Arbeit versucht diese Lücke zu füllen, indem sie eine Rundschau tierethischer Ansätze zusammenstellt und diese gemeinsam mit psychologischen Aspekten für einen Einsatz im Religionsunterricht aufarbeitet. In einem zweiten Schritt wird diese Aufarbeitung als Grundlage für eine Qualitative Inhaltsanalyse an exemplarisch ausgewählten Lehrplänen und Schulbücher von Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt. Mit dieser Untersuchung können beispielhafte Aussagen über den Stand der Tierethik in Lehrplänen und Schulbüchern getroffen werden. Diese Grundlegung ergab eine Dreiteilung tierethischer Ansätze in: Verantwortung des Men-schen, Eigenwert von Tieren und Empfindungsfähigkeit von Tieren. Dem ist eine soziale Ka-tegorie der Freundschaft von Menschen und Tieren hinzuzufügen, da diese über eine kognitiv basierte Schätzung des Eigenwerts von Tieren hinausgeht. Diese ethischen Ansätze sind als Grundlage eines integrativen Ethikansatzes zu verstehen, der für eine mehrperspektivische Auseinandersetzung mit Tierethik leitend ist. Aufgrund psychologischer Befunde sind bestimmte Methoden des ethischen Lernens bezogen auf Tiere herausgearbeitet worden, wie etwa der Perspektivenwechsel und Anthropomorphisierungen. Neben diesen grundlegenden Ansätzen, die besonders einen empathiebasierten Zugang zu einem tierethischen Verständnis ermöglichen, sind altersspezifische Besonderheiten zu beachten, wie etwa die Auseinandersetzung mit problematischen Mensch-Tier-Beziehungen, die erst für die Sekun-darstufe zu empfehlen ist. Als Ergebnis der qualitativen Inhaltsanalyse kann zusammenfassend festgehalten werden, dass das gänzliche Fehlen von Tierethik in den untersuchten Lehrplänen sich nicht auf Schulbücher niederschlägt. Von den 51 untersuchten Schulbüchern und Lehrerhandbüchern sind in 37 tierethische Inhalte gefunden worden. Die Analyse ergab entsprechend der theo-riebezogenen Fundierung zum Teil ausgewogene tierethische Darstellungen aus verschie-denen ethischen Perspektiven in den einzelnen Schulbüchern. Bezogen auf die Tiersorten Haustier, Nutztier, Wildtier und Versuchstier und deren Behandlung kann zudem das Fazit gezogen werden, dass die Auseinandersetzung mit kritischen Aspekten des Mensch-Tier-Verhältnisses – wie etwa Nutz- oder Versuchstiere – eher gering, nicht ausreichend intensiv und nur selten mit parktischen Anknüpfungsmöglichkeiten ausfällt. In diesem Rahmen kann auch die Auseinandersetzung mit bestimmten Tiersorten als zum Teil nicht ausreichend für einen Empathieaufbau vermerkt werden. Dies wäre besonders bei denen wichtig, die einer wirtschaftlichen Nutzung unterliegen oder Angst und Ekel auslösen. Abbildungen in den Schulbüchern entsprechen stattdessen in der Regel dem kulturellen Konsens, Haustiere einzeln und zusammen mit Menschen, Nutztiere stattdessen anonymisierend in Gruppen darzustellen. Dieser Befund entspricht nicht dem Anspruch von Ethik, losgelöst von gesell-schaftlichen Setzungen einen Zugang zu Problemstellungen zu erarbeiten und ist entspre-chend kritisch zu bewerten.
Abstract
(Englisch)
Animals are an integral part of people’s lives, especially for adolescents. One encounters them in a very direct form as pets, in the media or via food products. Animal Ethics, therefore, is an omnipresent topic. In Europe, Animal Ethics is a particularly contentious subject which shows in the difference in treatment and legal status between “pets” and “livestock”. Additionally, animals play an important role for children when it comes to subjects like friendship, death and grief which, from a religious perspective, turns animals into interesting reference points for adolescents. Despite animals’ omnipresence and significance for childhood development, Animal Ethics within the setting of contemporary societal problems is a largely neglected field of research in theology. The discipline of Religious Education has not yet investigated the methodological possibilities and challenges of Animal Ethics related content in Religious Education. At best, one can find short accounts of the problems surrounding this. The present thesis tries to fill that gap. It offers a comprehensive overview of Animal Ethics approaches and combines them with psychological aspects for their inclusion in Religious Education. As a second step, the preceding results represent the basis for a qualitative content analysis of exemplary curricula and textbooks used in Germany, Austria and Switzerland. This inquiry allows for some conclusions about the current state of Animal Ethics in the studied curricula and textbooks. The above described research resulted in a tripartition of Animal Ethics approaches: human responsibility, the intrinsic value of animals and their ability for sentiency. In addition to that, one has to keep in mind the category of friendship between human and animal which sur-passes the merely cognition-based estimation of the intrinsic value of animals. These aspects form the basis of an integrative ethical approach which has to lead every examination of Animal Ethics that wants to remain open to multiple perspectives. Psychological research findings have found specific methods of ethical learning in respect to animals, for example the change of perspectives and anthropomorphizations. Next to these fundamental approaches which enable an empathy-based understanding of Animal Ethics, it is necessary to consider peculiarities depending on age, like problematic human-animal-relationships which should not be discussed before secondary education. The results of the qualitative content analysis can be summed up as follows: the complete absence of Animal Ethics in the examined curricula is not reflected in textbooks. From the 51 studied textbooks and teacher handbooks, 37 contained content related to Animal Ethics. The analysis uncovered very balanced depictions of Animal Ethics from different perspective in some textbooks. Such discussions were few, lacking in depth and almost without connections to practical implications when it comes to critical aspects of the human-animal-relationship like specific sorts and their treatment, especially pets, wild animals, livestock and laboratory animals. In this context, one has to similarly note that the discussions of some sorts of animals were inadequate for the development of empathy. This would be much needed for the sorts of animals that are used for economic purposes and those that provoke fear or disgust. Photographic depictions of animals correspond to the cultural consensus- with pets alone or in the company of humans whereas livestock are shown anonymized in large groups. All this betrays that the textbooks fall short of the requirements of Ethics, to enable an entry point into problems that is free of societal settings. They are, consequentially, to be seen in a rather sceptical light.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Tierethik Nutztiere Haustiere Versuchstiere Wildtiere Empathie Mitleid Barmherzigkeit Lieblingstiere
Autor*innen
Janine Eichler
Haupttitel (Deutsch)
Tierethik im christlichen Religionsunterricht
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine religionspädagogische Grundlegung und Analyse
Publikationsjahr
2017
Umfangsangabe
XVI, 613 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Robert Schelander ,
Andrea Lehner-Hartmann
Klassifikationen
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.77 Religionspädagogik ,
77 Psychologie > 77.53 Entwicklungspsychologie: Allgemeines ,
80 Pädagogik > 80.45 Ethische Erziehung
AC Nummer
AC14542398
Utheses ID
45030
Studienkennzahl
UA | 782 | 041 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1