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Frühägäische Gemmae dubitandae und ihre Vorbilder
Angelika Hudler
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Klassische Archäologie
Betreuer*in
Fritz Blakolmer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.53557
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-17898.08912.570969-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Welches Phänomen beschreibt der Terminus Gemma dubitanda, unter welchen Bedingungen wird er in der frühägäischen Archäologie gebraucht und nach welchen Prämissen, Arbeitsmethoden und Argumenten verlangt er, um zu einer erfolgreichen Ergebnisfindung in Siegelstudien beizutragen? Anhand einiger Überlegungen zum Wortursprung und dem ambivalenten Schicksal von Dubitandae in ihrer Position zwischen den Attributen echt und falsch in materialbasierten historischen Disziplinen widmet sich die vorliegende Arbeit zunächst terminologisch-hermeneutischen Fragen sowie dem Verständnis von Authentizität in der Archäologie. Die besonderen Herausforderungen der frühägäischen Siegel und Siegelringe als Referenzgattung (Mobilität, darunter Rolle als Sammlungsobjekt; vielfältige Möglichkeiten ikonographischer oder formaler Ausgestaltung) stellen dabei ein anschauliches Forschungsfeld dar. Bei der Diskussion frühägäischer Gemmae dubitandae als Schwerpunkt innerhalb der minoisch-mykenischen Siegelglyptik sind immer wiederkehrende Forschungsprämissen und Bewältigungsstrategien zu beobachten. Um diese zu ergründen, werden zwei Dubitandae im Rahmen umfangreicher Fallstudien besprochen, die ob ihres repräsentativen Potenzials für zwei unterschiedliche Aspekte des Themenfeldes ausgewählt wurden: Der ‚Danicourt-Ring‘ dient der Schilderung eines heute gültigen Konsenses in der Analyse einer Gemma dubitanda. Sein Fall streicht die Notwendigkeit forschungshistorischer Überlegungen für die erfolgreiche Diskussion und Klärung von Unstimmigkeiten hervor, die sich als relevante Merkmale der Meinungsbildung erweisen lassen. Der ‚Nestor-Ring‘ veranschaulicht hingegen die kontroversiellen Eigenschaften von Argumentstrategien in Authentizitätsfragen und bietet sich aufgrund seines figurenreichen, szenisch-narrativ dekorierten Schildes sowie seines üppigen Aufbaus an, um die Schwierigkeit zu diskutieren, die der ikonographische und typologische Vergleich angesichts so zahlreicher Charakteristika bereithält, die alle gleichzeitig Referenzpunkte für seine Echtheitsfrage darstellen. Die besonderen Umstände seines Auftauchens, seiner Erst- und Nachbearbeitung und deren Zusammenspiel mit unterschiedlichen objekt- und personenspezifischen Merkmalen unterstreicht seine Rolle als ganz besonders streitbare Gemma dubitanda. In Synthese mit weiteren Beispielen frühägäischer Siegel und Siegelringe bzw. als Fälschungen verdächtigter Stücke können terminologische Fragen, die Anwendung archäologischer Arbeitsmethoden auf die materialimmanenten Herausforderungen der Artefakte sowie in der Forschungsgeschichte der archäologischen Disziplin verankerte Überlegungen bestimmt werden, die die Identifizierung gefälschter Artefakte einerseits und die viii transparente Diskussion des Problems bedenklicher Studienobjekte generell zum Ziel haben. Prämissen wie das Verdachtsmoment der fehlenden Provenienz, die vorauszusetzenden Kompetenzen und Absichten der/des ausführenden modernen Künstlerin/Künstlers für die Fälschungsproduktion und die Hypothese des Hapax legomenon, methodisch grundlegend für die Bewertung figürlicher Ikonographie bzw. die Dekonstruktion von Formdetails, werden anhand einiger Referenzstücke die Merkmale von Gemmae dubitandae diskutiert und hinsichtlich ihrer Relevanz und Berechtigung in ihrer Beurteilung überprüft.
Abstract
(Englisch)
Which phenomenon do we specify with the expression gemmae dubitandae and how can we apply it to Bronze Age Aegean archaeology in particular? Which associated premises, working methods, and arguments are required to enhance the study of seals? This paper addresses the problem of dubitandae and the ambivalent position they maintain as artefacts between genuine and fake. Making these identities clear is particularly important in the archaeological discipline, for archaeology represents both historical and material-based research. Therefore, this paper begins by targeting the expression gemma dubitanda terminologically with emphasis on its hermeneutics, its grammar, and its origin, looking particularly at the idea of authenticity within the study of archaeology. Bronze Age Aegean seals and signet rings are especially effective artefacts for this study. Their movability (including them in their role as collectors’ items), and their iconographical and typological diversity (‘uniqueness’) are qualities that render them versatile objects, illustrative references for the field of authenticity research. Discussing gemmae dubitandae as a topic within Minoan-Mycenaean seal studies, standard premises and patterns in how scholars cope with them can be detected. Two case studies, based on objects representative of opposed qualities, help explore them in detail: The ‘Danicourt ring’ is supposed to exemplify consent that benefits us today as a result of problematising gemmae dubitandae that puts emphasis on the significance of scholarly history in successfully discussing their biographies and discrepancies located here. The ‘Nestor ring’, on the other hand, illustrates how arguments might be utilised controversially in authenticity studies. Furthermore, its exceptionally extensive figural decoration and elaborate execution warrant a discussion of the challenges inherent in iconographical and typological comparisons, since they offer multiple points of reference within one object. The ring’s discovery, its interpretations and corresponding revisions, as well as its association with specific features of object-biographical and prosopographical data, all emphasise its quality as a particularly disputatious gemma dubitanda. Adding further examples of Bronze Age seals, signet rings, or suspicious analoga, we can detect and analyse issues of terminology, applicability of archaeological methodology (adapted to the materialistic specifics of these artefacts), and historically-determined approaches within the problem of authenticity studies either by trying to identify fakes among them or by aiming to clarify their discussions. From investigating a forger’s expertise in fabricating fakes, to the use of the Hapax legomenon-paradigm, or by classifying missing provenience data as suspicious facts, this paper addresses common hypotheses we are challenged with when x engaging in the topic of Bronze Age Aegean gemmae dubitandae. These premises are problematised by examining certain reference pieces and by exploring their relevance and eligibility in the management of this issue.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
gemmae dubitandae seals signet rings authenticity studies Aegean Bronze Age reception history 'Danicourt-ring' 'Nestor-ring'
Schlagwörter
(Deutsch)
Gemmae dubitandae Siegel Siegelringe Fälschungsforschung Ägäische Bronzezeit Rezeptionsgeschichte 'Danicourt-Ring' 'Nestor-Ring'
Autor*innen
Angelika Hudler
Haupttitel (Deutsch)
Frühägäische Gemmae dubitandae und ihre Vorbilder
Publikationsjahr
2018
Umfangsangabe
272, xiv Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Fritz Blakolmer
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.10 Wissenschaft und Gesellschaft ,
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.15 Wissenschaftspolitik, Kulturpolitik ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.01 Geschichte der Geisteswissenschaften ,
15 Geschichte > 15.13 Numismatik, Sphragistik ,
15 Geschichte > 15.17 Klassische Archäologie ,
15 Geschichte > 15.69 Griechenland ,
20 Kunstwissenschaften > 20.01 Geschichte der Kunstwissenschaften ,
20 Kunstwissenschaften > 20.03 Methoden und Techniken der Kunstwissenschaften ,
20 Kunstwissenschaften > 20.14 Kunsthandel ,
20 Kunstwissenschaften > 20.15 Restaurierung, Konservierung, Fälschung ,
20 Kunstwissenschaften > 20.20 Ikonographie ,
20 Kunstwissenschaften > 20.61 Griechische Kunst ,
21 Malerei > 21.97 Kunsthandwerk, Kunstgewerbe: Sonstiges
AC Nummer
AC15176670
Utheses ID
47315
Studienkennzahl
UA | 066 | 885 | |
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