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Zurück in die Anti-Heimat
das Heimkehrmotiv in ausgewählten Werken von Gerhard Fritsch, Franz Innerhofer, Robert Menasse und Peter Zimmermann
Rene Peinbauer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Pia Janke
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16255.16361.791771-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Verwendungs- und Erscheinungsformen des Heimkehrmotivs in der österreichischen Anti-Heimat-Literatur. Sie besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Im theoretischen Teil werden zu Beginn verschiedene Heimatkonzepte dargestellt und zueinander in Verbindung gesetzt. Dabei zeigt sich, dass es einige Konstanten gibt, welche für die Entstehung von Heimatgefühl und damit auch für die Herausbildung von Identität und Selbstsicherheit verantwortlich sind. Als unabdingbare Voraussetzungen sind dabei vor allem eine gelungene Primärsozialisation und funktionierende soziale Beziehungen zu nennen. Anschließend daran folgt ein Kapitel zum Wandel des Heimatbegriffes in der Literatur. Es wird gezeigt, dass Heimat in der Literatur ab dem Entstehen der Heimatkunstbewegung ideologisch aufgeladen und missbraucht wird. Aus dieser Entwicklung heraus ist die Entstehung der Anti-Heimat-Literatur zu betrachten, die sich als Gegenpol zur traditionellen Heimatliteratur verstand. Das entsprechende Kapitel dazu zeichnet den Weg des Genres von den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis in die Gegenwart, definiert die Merkmale und versucht anhand eines aktuellen Konzeptes, die Stellung der Anti-Heimat-Literatur in der österreichischen Gegenwartsliteratur zu definieren. Im Anschluss daran wird auf die Funktion von Motiven allgemein und des Heimkehrmotivs im Besonderen Bezug genommen. Dabei zeigt sich, dass das Heimkehrmotiv, als sowohl inhaltliches, wie auch strukturelles Element in der Literaturgeschichte in verschiedenen Ausprägungen vorhandenen ist, seine Verwendung in der Anti-Heimat-Literatur jedoch eher selten zu beobachten ist. Im analytischen Teil wird die Verwendung des Heimkehrmotivs in vier ausgewählten Werken untersucht. ("Fasching" von Gerhard Fritsch, "Der Emporkömmling" von Franz Innerhofer, "Schubumkehr" von Robert Menasse und "Das tote Haus" von Peter Zimmermann). Dabei wird sowohl auf die erzähltechnische, als auch die inhaltliche Ebene Bezug genommen. Der zeitliche Rahmen der Werke spannt sich über vier Jahrzehnte und zeigt dadurch auch exemplarisch die Entwicklung des Genres. Abschließend werden die Erkenntnisse der Einzelanalysen zusammengefasst und Grundaussagen formuliert. Folgende Besonderheiten lassen sich beschreiben: Zwar ist die Heimkehr Ausdruck einer Suche nach Heimat und Identität, was der klassischen Motivverwendung entspricht, allerdings zeigt sich, dass das Heimkehrmotiv in der Anti-Heimat-Literatur von herkömmlichen, bekannten Verläufen abweicht. Weiters zeigt sich, dass das Motiv eine zentrale handlungs- und spannungsauslösende Funktion einnimmt. Das Motiv löst jedoch nicht nur Handlung aus, sondern auch einen Reflexionsprozess, der einen Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart ermöglicht. Weiters wird mit Hilfe des Heimkehrmotivs nicht, wie in den klassischen Heimkehrergeschichten, auf Veränderungen, sondern auf Kontinuitäten beziehungsweise Stillstände hingewiesen. Der Verlauf zeigt eskalatorische Tendenzen, die zur Verschärfung der Krisen der Heimkehrerer führen und bewirken, dass die Rückkehr nur von kurzer Dauer ist. Für die Heimkehrer erweist sich Heimat als Utopie. Bereits vorhandene, im Gedächtnis der Rezipienten gespeicherte Heimkehrschemata decken sich nicht mit dem Schema der Heimkehr in der Anti-Heimat-Literatur. Die Identitätskrisen der Protagonisten, die mitverantwortlich für die Entscheidung zur Rückkehr sind, können durch eine Heimkehr nicht bewältigt werden, in weiterer Folge führt die Heimkehr entweder in den Tod oder zu einem abermaligen Verlassen der Heimat. Das Heimkehrmotiv in der Anti-Heimat-Literatur dient in erster Linie dazu, anhand des Scheiterns der Heimkehrer die Heimat kritisch zu beleuchten. Durch die Heimkehr zeigt sich, dass es unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, Heimat zu finden, da die Voraussetzungen, wie sie auch zu Beginn der Arbeit definiert wurden, nicht erfüllt sind. Weiters zeigt sich, dass erst durch das Heimkehrmotiv eine Verortung der Werke im Genre möglich ist, da es dazu beiträgt, dessen Grundaussagen zu vermitteln.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Gerhard Fritsch Fasching Franz Innerhofer Der Emporkömmling Robert Menasse Schubumkehr Heimkehrer Zimmermann, Peter, 1961- ((Das)) tote Haus Heimkehrer Motiv
Autor*innen
Rene Peinbauer
Haupttitel (Deutsch)
Zurück in die Anti-Heimat
Hauptuntertitel (Deutsch)
das Heimkehrmotiv in ausgewählten Werken von Gerhard Fritsch, Franz Innerhofer, Robert Menasse und Peter Zimmermann
Publikationsjahr
2007
Umfangsangabe
122 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Pia Janke
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.93 Literarische Stoffe, literarische Motive, literarische Themen
AC Nummer
AC06549944
Utheses ID
47325
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1