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Der Beitrag der lateinamerikanischen Bischofssynoden zur aktuellen Entwicklung der katholischen Kirche von Haiti
eine kritisch-konstruktive Pastoralstudie
Michelin Petit-Frère
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Theologische Spezialisierungen (Advanced Theological Studies)
Betreuer*in
Johann Pock
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-13555.39617.724663-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ein Überblick über die lange Geschichte der Kirche in Haiti bildet den Hintergrund für das Verständnis dieser Kirche von heute. Nach den Perioden der spanischen und französischen Kolonisation blieb die Kirche von Haiti noch bis zur Weihe von fünf schwarzen Haitianern zu Bischöfen im Jahr 1966 eine koloniale, europäisch-französisch geprägte Kirche. Während der Diktatur von Vater und Sohn Duvalier rufen die bahnbrechenden Ideen des Zweiten Vatikanischen Konzils in der auf lateinamerikanische Verhältnisse angewandten Interpretation durch die lateinamerikanischen Bischofssynoden von Medellín (1968) und Puebla (1979) bei den Bischöfen Haitis ein starkes Echo hervor. Die Interpretation des realen Lebens der Menschen als „Zeichen der Zeit“, in denen sich Gottes Wille ausdrückt, und damit verbunden die Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen und sozialen Missstände, die das enorme Elend der Volksmassen verursachen, sündhafte „institutionelle Gewalt“ sind, sowie die daraus folgende Option für die Armen veranlassen die Bischöfe auch in Haiti, sich in einer radikalen Kehrtwende auf die Seite der Entrechteten ihres Volkes zu stellen und mit prophetischem Mut und Entschiedenheit für Gerechtigkeit und Befreiung ihrer Landsleute einzutreten. Die folgenden Jahrzehnte in Haiti sind bis heute ein mühsames Streben nach politischer Stabilität sowie nach wirtschaftlicher und sozialer Verbesserung für das breite Volk. Die Kirche befindet sich dabei meist in einer Vermittlerposition zwischen den Interessen der verschiedenen Gruppen. Ihre prophetische Stimme scheint trotz der weiterhin bestehenden Missstände und Probleme schwächer geworden. Um zu zeigen, welchen Beitrag die Ideen der lateinamerikanischen Bischofssynoden von Medellin (1979) bis Aparecida (2007) auch heute zur Bewältigung der Herausforderungen an die Kirche von Haiti leisten können, werden in einem zentralen Kapitel zuerst die Grundideen dieser Bischofssynoden auf ihrem historischen Hintergrund ausführlich dargelegt; dann werden aus ihnen thematische Kriterien entwickelt, die als Maßstab zur Beurteilung kirchlichen Handelns gelten können. Das darauffolgende Kapitel analysiert und beurteilt die gegenwärtige kirchliche Praxis von Haiti im Licht der vorher entwickelten Kriterien. Um den alten und neu hinzukommenden Problemen (Vordringen der Sekten, Auseinandersetzung mit dem Voodoo) zu begegnen, sind weiterhin große Anstrengungen nötig. Dazu will diese Arbeit Ansätze von Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, die auf den Dokumenten der Bischofssynoden basieren. Diese Dokumente haben nämlich nichts von ihrer Bedeutung und Aktualität für die Kirche von Lateinamerika und der Karibik verloren. Eine ernsthafte, entschiedene Rückkehr zu diesen geistigen Quellen Lateinamerikas wünsche ich der Kirche meiner Heimat.
Abstract
(Englisch)
A survey of the long history of the church of Haiti is the background to an understanding of the present church. After the periods of Spanish and French colonisation the church of Haiti remainded a colonial church, marked by its European-French origin, until five black Haitians were ordained bishops in 1966. During the dictatorship of father and son Duvalier the pioneering ideas of the Second Vatican Council, interpreted and applied to the situation of Latin America by the Latin American Episcopal Synods of Medellin (1968) and Puebla (1979), had a strong impact on the bishops of Haiti. The interpretation of real human life as „signs of the time“ that are the expression of God’s will as well as the realization that the deplorable state of economic and social affairs, causing the outrageous misery of a large number of people, is a form of sinful „institutional violence”, and, as a conclusion, the „option for the poor“ induced the bishops also in Haiti to do a volte-face and to take sides with those of their people who had been deprived of their rights. With prophetic courage and determination the bishops advocated for justice and liberation of their fellow-countrymen. The following decades in Haiti up to now have been a painful struggle for political stability and economic and social improvement for the large number of people. In this process the church is mostly in the position of a mediator between the interests of the different groups. The prophetic voice of the church, however, seems weaker than before although the old evils and problems have remained the same. In order to show what kind of contribution the ideas of the Latin American Episcopal Synods from Medellin (1979) to Aparecida (2007) can make even today to answer successfully the challenges to the Haitian church, in a central chapter first the basic ideas of these Episcopal Synods are presented in detail on their historical background; second, criteria are developped from the documents of the Synods which may serve as a model in the assessment of pastoral practice. In the following chapter the present pastoral practice in Haiti is analysed and assessed in the light of the criteria developped before. In order to face the old and recently appearing problems (increasing number of sects, confrontation with the voodoo), great efforts will be necessary also in the future. For this purpose this paper wants to show approaches to possible solutions, based on the documents of the Episcopal Synods. These documents have by no means lost their significance and relevance to the present situation of the church of Latin America and the Caribbean. A serious, determined return to these spiritual sources of Latin America is what I wish to the church of my country.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Pastoraltheologie
Autor*innen
Michelin Petit-Frère
Haupttitel (Deutsch)
Der Beitrag der lateinamerikanischen Bischofssynoden zur aktuellen Entwicklung der katholischen Kirche von Haiti
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine kritisch-konstruktive Pastoralstudie
Publikationsjahr
2018
Umfangsangabe
109 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Johann Pock
Klassifikation
11 Theologie > 11.00 Theologie, Religionswissenschaft: Allgemeines
AC Nummer
AC15515492
Utheses ID
48183
Studienkennzahl
UA | 066 | 795 | |
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