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Johann Friedrich Schannat (1683-1739) und die europäische Gelehrtenrepublik
Praktiken historisch-kritischer Gelehrsamkeit zwischen Kommunikation, Wissenserzeugung und Identifikation
Joelle Weis
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Dr.-Studium der Philosophie (Dissertationsgebiet: Geschichte)
Betreuer*innen
Thomas Winkelbauer ,
Michel Margue
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22758.63977.551459-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Der in Luxemburg geborene Gelehrte Johann Friedrich Schannat (1683-1739) zählte zu den bedeutendsten Historikern seiner Generation. Geriet er mit den Jahren zunehmend in Vergessenheit, so muss dies vor allem als Zeichen dafür gewertet werden, dass die von ihm praktizierte historisch-kritische Gelehrsamkeit insgesamt eine Abwertung erfuhr und in den Schatten einer aufgeklärten Geschichtsschreibung gestellt wurde. Schannat kann demnach als Repräsentant einer vergessenen Generation von Historikern angesehen werden, für die eine eigenständige Betrachtung von Werk und Arbeitsalltag noch größtenteils aussteht. Die vorliegende Arbeit verfolgt dabei anhand eines praxeologisch-relationalen Ansatzes das Ziel, Schannats gelehrtes Leben im Spiegel seiner Korrespondenzen nachzuzeichnen. Darüber hinaus werden ergänzend sonstige Aufzeichnungen aus dem Nachlass und die gedruckten Werke berücksichtigt. Bei der Durcharbeitung des Materials konkretisierten sich drei große Themenblöcke, die sich im zentralen Kapitel der Dissertation wiederfinden. Erstens handelt es sich dabei um Kommunikationspraktiken, wobei Fragen nach den verschiedenen Kommunikationskanälen und deren Bedienung im Zentrum stehen. Zweitens wird der Fokus auf Praktiken der Wissenserzeugung gelegt, indem die Entstehung eines gelehrten Werkes von den Anfängen bis hin zum Verkauf verfolgt wird. Drittens sind es die von Gelehrten, bewusst oder unbewusst, vorgenommenen Identifikationen und Abgrenzungen, die in den Vordergrund rücken und die die Akteure überhaupt erst als Gruppe in Erscheinung treten lassen. Auf diese Weise wird durch das Fallbeispiel Schannat allmählich deutlich, wie sehr diese Gelehrsamkeit durch zunehmende Formierung von Disziplinengrenzen gekennzeichnet war. Dem einzelnen Gelehrten kam dabei verstärkt die Rolle eines Spezialisten zu, der seinen Lebensunterhalt aufgrund seiner Expertise in einem Spezialbereich verdienen konnte. Dies brachte wiederum die Entstehung eines gelehrten Marktes mit sich, der sich in vielfältiger Weise auf die Arbeitssituation und Produktionsbedingungen von Wissen auswirkte und somit als eines der Hauptmerkmale der Gelehrsamkeit in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angesehen werden muss.
Abstract
(Englisch)
The Luxembourgish scholar Johann Friedrich Schannat ranked among the most distinguished historians of his time. If he increasingly sank into oblivion, it is a sign for an overall devaluation of historical-critical scholarship which was outshined by enlightened historiography. Schannat can thus serve as representative for a lost generation of historians for whom an independent examination of their lives and works is still lacking. This dissertation therefore uses a praxeological-relational approach with the aim of tracing Schannat’s learned life on the basis of his correspondence as well as other records from his papers and his printed works. During the research process, three main thematic blocks were carved out, which can be found in the central chapter of the dissertation. First of all, special attention must be paid to communication practices. How did the main communications channels work and how were they operated? Second, the analysis will focus on epistemic processes by tracing the production of a book from the first idea up to its commercialisation. Third, it is the learned identifications and distinction strategies that must be considered, as they are mainly responsible for the formation of a scholarly community. By using the case study of Johann Friedrich Schannat it becomes gradually clear how historical-critical scholarship is marked by an increasing consolidation of disciplinary boundaries. The individual scholar becomes a specialist who is able to earn a living from his expertise in a distinct field. This on the other hand generates a learned market which strongly affected scholar’s working conditions and the production of knowledge. Such a market can thus be considered one of the main characteristics of scholarship in the first half of the 18th century.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Early Modern /Scholarly correspondence Republic of Letters Critical scholarship Historiography Network
Schlagwörter
(Deutsch)
Frühe Neuzeit Gelehrtenkorrespondenz Gelehrtenrepublik Historisch-kritische Gelehrsamkeit Historiographie Netzwerk
Autor*innen
Joelle Weis
Haupttitel (Deutsch)
Johann Friedrich Schannat (1683-1739) und die europäische Gelehrtenrepublik
Hauptuntertitel (Deutsch)
Praktiken historisch-kritischer Gelehrsamkeit zwischen Kommunikation, Wissenserzeugung und Identifikation
Publikationsjahr
2018
Umfangsangabe
viii, 464 Seiten : Illustrationen
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Susanne Rau ,
Anthony Grafton
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.01 Historiographie ,
15 Geschichte > 15.34 Europäische Geschichte 1492-1789
AC Nummer
AC15313128
Utheses ID
49662
Studienkennzahl
UA | 792 | 312 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1