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Die Porträtbüsten des Wilhelm von Zelking und der Margaretha von Sandizell in der Sierndorfer Schlosskapelle
Ute Bixa
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Friedrich Dahm
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30266.24884.116865-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ausgehend von der Frage nach der Motivation zur Errichtung des vorliegenden Doppelporträts, lag der Schwerpunkt der Studien in der Erarbeitung der Bedeutung von Memoria für den Schlossherren und seine Zeitgenossen. In erster Linie wird Memoria mit dem Totengedenken im christlichen Kult in Verbindung gebracht. Im Mittelalter bedeutet der Tod für den Menschen nicht das Ende des Lebens. Er sieht seiner Auferstehung am Jüngsten Tag entgegen. In Erwartung des letzten Gerichts bleibt er somit auch nach seinem Ableben in einer Gemeinschaft mit den Lebenden. Der Schlossherr und seine Gemahlin zeigen sich, ins ewige Gebet versunken, als Teilhabende an der Messfeier. Sie sind Teil der Kirchengemeinde. Das Gedächtnis an die Verstorbenen soll bis zum Tag des Jüngsten Gerichts gewahrt werden. Die Lebenden und die Verstorben werden dann gemeinsam an der Erlösung teilhaben. Um die Erinnerung an sich lebendig zu halten, stiftet Wilhelm von Zelking die Schlosskapelle und lässt sein eigenes Antlitz und das seiner Gemahlin in Stein verewigen. Die Messbesucher als Nutznießer der Stiftung gedenken ihrer Gönner und schließen sie in ihre Gebete mit ein. Nimmt der Betrachter die Stifterbüsten darüber hinaus als Teil eines Beziehungsgefüges im Kircheninnenraum wahr, so leitet der Blick des Schlossherrn die Aufmerksamkeit auf den Hochaltar weiter. In der Predella, eingebettet in eine Epiphanias Darstellung, erscheint wiederum das Ehepaar Zelking. Nun wird die tief empfundene Religiosität deutlich und unmissverständlich in der Teilnahme an der Anbetung der Gottesmutter mit dem Christuskind zur Schau gestellt. Doch die religiöse Motivation zur Errichtung der Büsten kann nicht ihren nahezu herrschaftlichen Charakter erklären. Es zeigt sich, dass mittelalterliche Memoria nicht allein auf den religiösen Aspekt beschränkt bleibt, sondern alle Lebensbereiche durchdringt. Kaiser Maximilian I. wendet sich mit seinem Gedächtniswerk primär an die Nachwelt. Er nützt genealogische Studien zur Untermauerung seines Herrschaftsanspruchs und betreibt ungehemmt Propaganda für seine eigene Person. Er handelt nach der Maxime: Wer ime im leben kain gedachtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedächtnus und desselben menschen wird mit dem glockendon vergessen… Am Innsbrucker Goldenen Dachl treibt er die Werbung für die eigene Person auf die Spitze. Ohne noch den entsprechenden Rechtsanspruch erlangt zu haben, lässt er sich mit der Kaiserkrone darstellen. Auch die niederösterreichischen Stände entwickelten ein immer stärkeres Selbstbewusstsein. Als der Kaiser im Venezianerkrieg auf ihre materielle Unterstützung angewiesen ist, nützen sie ihre Chance und setzen lange gehegte Forderungen durch. Mehr Mitbestimmung in Regierungsangelegenheiten und Garantien für ihre eigenen Besitzungen sind die Folge. Die daraus resultierende höhere Selbsteinschätzung wird in der Schaffung eines politischen Zentrums, dem Niederösterreichischen Landhaus, sichtbar. Parallel dazu verläuft eine Welle der Neu- und Umgestaltungen einzelner Adelsitze. Eine weitere Ursache für das gesteigerte Selbstwertgefühl der jungen Adeligen liegt in der wachsenden humanistischen Bildung. Vom Wirkungskreis der Wiener Universität ausgehend verbreiten sich das neue Menschenbild und die neuen Stilmittel der Renaissance. Ihre Verwendung soll vor allem die Bildung und die Fortschrittlichkeit der Auftraggeber unter Beweis stellen. Die aus all den genannten Faktoren resultierende Selbstsicherheit des Zelkingers ist die Grundvoraussetzung für den von ihm erteilten Auftrag. Er stellt die Inszenierung seines Prestiges in den Mittelpunkt. Von Geburt her nur mit mäßigen Karrierechancen bedacht, hat der drittgeborene Wilhelm von Zelking den Ehrgeiz, seine Möglichkeiten optimal auszuschöpfen. Mit der Erlangung des Herrschaftsanspruchs über das Gut Sierndorf schafft er sich eine gute Ausgangsposition für eine Laufbahn bei Hof. Die Stifterporträts gibt der junge Adelige zu einem Zeitpunkt in Auftrag, an dem er schon stolz auf seine bisherigen Erfolge, wie etwa den Triumph im jahrelangen Erbschaftsstreit, verweisen kann. In erster Linie soll die Büste nun das ihm eigene Potential verdeutlichen und seine Eignung für kommende, herausfordernde Aufgaben unterstreichen. Er präsentiert sich als gebildeter und kunstsinniger Mann von Welt, die Darstellung erhält den Charakter einer Visitenkarte. Verfolgt man den beruflichen Werdegang des Zelkingers weiter, so wird offensichtlich, dass diese offensive Taktik des Werbens für die eigene Person Erfolg hat. Wilhelm von Zelking zeigt, was er ist und was er kann, damit ihn auch die Außenwelt entsprechend wahrnimmt. Noch heute raten Motivationstrainer zu ähnlichen Strategien und auch ein wenig Gottvertrauen ist nie fehl am Platz.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Skulptur Frührenaissance Memoria Stifter Büste Sierndorf Niederösterreich Zelking
Autor*innen
Ute Bixa
Haupttitel (Deutsch)
Die Porträtbüsten des Wilhelm von Zelking und der Margaretha von Sandizell in der Sierndorfer Schlosskapelle
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
137 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Friedrich Dahm
Klassifikation
20 Kunstwissenschaften > 20.01 Geschichte der Kunstwissenschaften
AC Nummer
AC06791094
Utheses ID
513
Studienkennzahl
UA | 315 | | |
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