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Lifestyle versus Lebenskunst
eine kritische Analyse der Marke Rituals und das ambivalente Potential ritualisierter Selbstfürsorge in einer beschleunigten Welt
Gudrun Breuer
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Studiumsbezeichnung bzw. Universitätlehrgang (ULG)
Masterstudium Religionswissenschaft
Betreuer*in
Karl Baier
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.64252
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-22802.65236.387454-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Rituals Cosmetics, ein niederländisches Unternehmen, das im Jahr 2000 von Raymond Cloosterman gegründet wurde, stellt eine Palette an Produkten für „home and body“ vor, die auf fernöstliche religiöse beziehungsweise spirituelle Traditionen verweisen. Es gelte, so die Philosophie der Marke, die Aufmerksamkeit des Menschen, der sein Leben innerhalb eines beschleunigten fordernden Alltags lebt, in achtsamer Weise auf die kleinen Momente zu richten und diese bewusst zu gestalten. Rituals Cosmetics spezialisiert sich damit auf den Wellness-Moment zuhause, der in die Struktur des Alltags implementiert wird und mittels Home-Spa Produkten individuell gestaltet werden kann – Ziel und Motto: Die Verwandlung alltäglicher Routinen der Körper- pflege in „meaningful rituals“. Rituals Cosmetics bewirbt ritualisierte Selbstfürsorge, determiniert durch den Kontext der Vermarktung, vor dem Hintergrund der Selbstoptimierung. Als Wertevehikel einer beschleunigten Welt trägt dieses Konzept jedoch zu Problemen, als dessen Lösung es sich gleichzeitig bewirbt, bei und akzeleriert diese: Hier zeigt sich das POTENTIAL vermarkteter Selbstfürsorge als KATALYSATOR in einer beschleunigten Welt, an dessen Ende – wird sie vom Individuum in dieser Form übernommen – ein systemimmanenter Lifestyle „made by Rituals“ steht. Ist ritualisierte Selbstfürsorge in einer beschleunigten Welt also nicht mehr als Trojanisches Pferd und Katalysator? Vor dem Hintergrund Hartmut Rosas „Soziologie des guten Lebens“ erfolgt demnach einerseits auf Basis des im close reading erschlossenen Materials eine ideologiekritische Analyse der Marke Rituals. Andererseits ist vor allem der den Fokus bildende Aspekt der ritualisierten Selbstfürsorge und dessen ambivalentes Potential in einer beschleunigten Welt Gegenstand der systematischen Betrachtung. Denn Rituals Cosmetics ist weder der Erfinder von ritualisierter Selbstfürsorge noch hat es ein Monopol auf die Idee, sich in regelmäßiger Form sich selbst zuzuwenden. Ob man von Routinen, Gewohnheiten oder Ritualen spricht, die Idee, sich regelmäßig Aufmerksamkeit zu schenken ist nicht neu und gegenwärtig höchst populär. Diese Betrachtung will weder Polemik noch Apologie sein. Vielmehr ist es der Versuch, der Komplexität des Themas gerecht zu werden und nicht nur die ideologiekritische Analyse einer Marke und ihres Konzepts zu bieten, sondern, eine drohende Eindimensionalität vermeidend, der Überlegung zu folgen, dass sich das Konzept ritualisierter Selbstfürsorge auch zur Gänze losgelöst von Rituals denken lässt und dabei mögliche Chancen für das Individuum sichtbar werden. Dahinter steht letztlich die Frage, ob ritualisierte Selbstfürsorge in anderer Form in einer beschleunigten Welt mit ihren problematischen Tendenzen auch das POTENTIAL bergen könnte, ANTIDOT zu sein. Diese andere Form ritualisierter Selbstfürsorge soll – um die Differenzen deutlicher in Erscheinung treten zu lassen, dem Begriff „Lifestyle“ diametral gegenüber gestellt – im Kontext Lebenskunst gedacht werden. Telos der Analyse ist es, herauszuarbeiten, inwiefern die (körperorientierte) ritualisierte Selbstfürsorge als Lebenskunst auch Selbstbegegnung und Auseinandersetzung mit der Welt ist, was diese für den Menschen in seinen Bedürfnissen und Sehnsüchten leistet und inwiefern sie positiv zur individuellen Lebensqualität beitragen kann. Lebenskunst wird als die Kunst der bewussten Gestaltung und tiefen Wahrnehmung begriffen, der egozentrische Moment der Selbstfürsorge als geschützter Ort der Selbstbegegnung, der an die Gegenwart gebunden ist und das sinnliche Erleben ins Zentrum stellt. So werden nicht nur körperliche Bedürfnisse nach Berührung, Halt und Ruhe erfüllt, sondern auch Bereiche der menschlichen Sehnsucht angesprochen: Die Sehnsucht nach Transformation in Form von Befreiung, Reinigung, Heilung einerseits und die Sehnsucht nach Resonanz und einer tiefen Adressierung andererseits. In der Hingabe an den Moment wirken die sinnlichen Handlungen über ihre Egozentrik, ihren Symbolgehalt, über die körperliche sowie tiefe Berührung (Resonanz) und deren Erkenntniswert transformativ in die Zukunft hinein – aber, und das ist entscheidend, die Zukunft ist als Variable in der Gegenwart noch nicht präsent. Innerhalb einer beschleunigten Welt birgt ritualisierte Selbstfürsorge als Lebenskunst, wie sie hier gedacht und konzeptualisiert wurde, das Potential, ANTIDOT zu sein.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Ritualtheorie Selbstfürsorge Selbstoptimierung Beschleunigung Lebenskunst Mindfulness Wellness Spiritualität
Autor*innen
Gudrun Breuer
Haupttitel (Deutsch)
Lifestyle versus Lebenskunst
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine kritische Analyse der Marke Rituals und das ambivalente Potential ritualisierter Selbstfürsorge in einer beschleunigten Welt
Publikationsjahr
2020
Umfangsangabe
179 Seiten
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Karl Baier
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.00 Philosophie: Allgemeines ,
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.01 Systematische Religionswissenschaft: Allgemeines ,
11 Theologie, Religionswissenschaft > 11.97 Neue religiöse Bewegungen, Sekten ,
71 Soziologie > 71.00 Soziologie: Allgemeines
AC Nummer
AC16115153
Utheses ID
57008
Studienkennzahl
UA | 066 | 800 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1