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Krieg auf der Bühne - Bühnen im Krieg
Eva Krivanec
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Hilde Haider
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.6381
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29537.67112.277562-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Krieg auf der Bühne – Bühnen im Krieg. Zum Theater in vier europäischen Hauptstädten (Berlin, Paris, Lissabon, Wien) während des Ersten Weltkriegs. In vorliegender Dissertation wird die Theatergeschichte von vier europäischen Metropolen in den Jahren des Ersten Weltkriegs, von 1914 bis 1918, in kulturwissenschaftlicher und vergleichender Perspektive erforscht. Die Alltags- und Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer produktiven Forschungsrichtung entwickelt, dennoch sind die Jahre des Ersten Weltkriegs in den meisten theater- und kulturhistorischen Studien kaum berücksichtigt worden. Als erster Befund zeigt sich nämlich, dass die Kriegsjahre für die Theater in den untersuchten Städten keine Krisenjahre waren, im Gegenteil: das Publikum, seien es die „Daheimgebliebenen“ oder Soldaten, für die der Theaterbesuch oft wesentlicher Bestandteil des Heimaturlaubs war, füllte die Theater-, Kino- und Konzertsäle und nutzte die städtischen Vergnügungen als Fluchtorte aus einem leidvollen und schwer zu bewältigenden Alltag. Theatergeschichte wird hier in einem umfassenden Sinn verstanden, die sowohl Literaturtheater als auch Variété und Revue, sowohl kommerzielle Theaterunternehmungen als auch die künstlerische Bohème, sowohl den kulturellen Mainstream als auch das Theater von Minderheiten und Flüchtlingen berücksichtigt und deren Perspektive eher aus dem Blickwinkel der Zuschauer der vier Metropolen fragt: Welches Theater war an jenem Tag, in dieser Situation zu sehen? Die Arbeit folgt in ihrem Aufbau einer thematischen Chronologie von 1914 bis 1918 und entwickelt eine Periodisierung, die natürlich für die vier Städte nicht exakt gleichförmig funktioniert, aber in den großen Zügen überall festgestellt werden kann. Die Phase der Wiedereröffnung der Theater nach Kriegsbeginn war gekennzeichnet durch eine starke Bezugnahme der neuen Produktionen auf den Konflikt: sei es die chauvinistisch gestimmte Komik und die Bezüge auf aktuelles Kriegsgeschehen in den vielen Kriegspossen und -revuen, sei es die Auswahl und Interpretation der Klassiker, die Heranziehung nationaler Mythen in historischen Dramen oder die Einbettung der Stücke in ein patriotisches Rahmenprogramm. Das Interesse daran, im Theater direkt mit dem Krieg konfrontiert zu werden, währte nicht sehr lange. Schon ab dem Jahresbeginn 1915, aber vor allem in der Saison 1915/16 traten thematisch völlig kriegsferne Komödien, Boulevardstücke, Operetten und Possen an die Stelle der Aktualitätenstücke. In den letzten Kriegsjahren experimentierten viele KünstlerInnen der verschiedenen Strömungen der europäischen Avantgarde (Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Surrealismus) mit und auf dem Theater, bereiteten den Boden für jene Projekte, die als Theateravantgarden der 1920er Jahre berühmt wurden. Viele ästhetische Strategien der Avantgarde (der Bruch mit linearen Erzählstrukturen, der Rückgriff auf das Absurde und Groteske, auf die Körperlichkeit, auf das Mechanische, das Interesse an intermedialen Verschränkungen und an technischen Neuerungen) waren bereits auf dem Feld der Unterhaltungskunst vorbereitet worden. Die internationale und vergleichende Perspektive ermöglicht einen schärferen Blick auf die Situation jeder einzelnen Stadt und zeigt ähnliche Entwicklungen auf, ohne die Differenzen zu nivellieren.
Abstract
(Englisch)
War on Stage – Stages in Wartime. Daily theatre in four european capitals (Berlin, Paris, Lisbon, Vienna) during World War I This doctoral thesis presents a theatre history of four european cities in the years of World War I, from 1914 to 1918, within a comparative and contextualizing perspective. In the last decades, history of everyday life and culture of the First World War has become a productive research issue. Still, in most theatre or cultural histories the years of the war haven’t been taken into consideration. One first finding is that the war years haven’t been a time of crisis for theatre enterprises, on the contrary: the public, civilians as well as soldiers on leave, was crowding the theatres, cinemas or concert halls and used the urban entertainments as places to escape from a sorrowful and difficult everyday life. Theatre history is meant in an extensive sense and comprises literary stages as well as variété and music hall, commercial theatres as well as the artistic „Bohème“, the cultural mainstream as well as theatres of minorities or refugees. The perspective is rather one of the spectator of the four cities who asks: Which type of theatre one could have seen on this day, in this situation? The thesis follows a topical chronology from 1914 to 1918 and develops a division into different periods, which doesn’t follow exactly the same paths in the four cities but is valid in the great lines for all of them. The phase of reopening the theatres in wartime was marked by a strong engagement into the conflict: either it was the chauvinistic humor and the reference to what was currently happening in the war of the war comedies and music-hall-shows, or the specific choice and interpretation of national classics, or the use of national myths in historical drama. The interest in being confronted with the war topic on stage didn’t last very long. From 1915 on, more and more escapist or nostalgic comedies, operettas or farces are given instead of topical plays. During the last war years many artists of the different currents of European Avantgardes (expressionism, futurism, dadaism e.g.) were experimenting with and in the theatres. They prepared the ground for those projects that have become famous as theatrical avantgardes of the 1920s. Many aesthetic strategies of the avantgarde (breaking linear narratives, the use of the absurd and grotesque, the corporality, the mechanicity, the interest in intermediality and technical innovations) have been used and tested within the field of popular culture. The international and comparative perspective allows a more acute view on the specificities of every city and its theatres, and it shows similar developments, without levelling the differences.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Theater Kulturgeschichte Erster Weltkrieg Kriegsalltag 1914-1918 Metropolen Unterhaltungskultur historische Avantgarde Wien Berlin Lissabon Paris
Autor*innen
Eva Krivanec
Haupttitel (Deutsch)
Krieg auf der Bühne - Bühnen im Krieg
Paralleltitel (Englisch)
War on stage - stages in wartime
Publikationsjahr
2009
Umfangsangabe
362 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Hilde Haider ,
Stefan Hulfeld
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte ,
15 Geschichte > 15.23 Erster Weltkrieg ,
15 Geschichte > 15.37 Europäische Geschichte 1914-1945 ,
24 Theater, Film, Musik > 24.06 Theatergeschichte ,
24 Theater, Film, Musik > 24.23 Kleinkunst, Kabarett, Revue
AC Nummer
AC07452386
Utheses ID
5747
Studienkennzahl
UA | 092 | 317 | |
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