Detailansicht

Systemtheorie in der Geomorphologie
Problemfelder, erkenntnistheoretische Konsequenzen und praktische Implikationen
Kirsten Von Elverfeldt
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Betreuer*in
Thomas Glade
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29499.47082.560070-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Geomorphologie versteht sich selbst als angewandte Wissenschaft, in der die the-oretische Fundierung bislang keine große Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund möch-te diese Arbeit einen Beitrag zu der systemtheoretischen Fundierung der Geomorpho-logie leisten. Ziel ist es, den Mehrwert für die Disziplin herauszuarbeiten, den theore-tische Arbeit bietet. Die methodische Basis bildet die Beobachtungstheorie nach Heinz von Foerster, in der Beobachtung grundlegend anders als die alltägliche (wis-senschaftliche) Beobachtung verstanden wird, nämlich als Akt einer Unterscheidung. Die einer Beobachtung und der daraus folgenden Erkenntnis zugrunde liegenden Kri-terien können demnach erst in einem zweiten Schritt, der sogenannten Beobachtung zweiter Ordnung, erkannt werden, und es ist dieser zweite Schritt, der in dieser Arbeit vollzogen wird. Es wird gezeigt, dass die theoretischen Grundlagen der Geomorphologie selten hinter-fragt werden, wodurch mindestens fünf Problemfelder entstehen: 1. Fehlende Kohärenz der Grundannahmen und Begrifflichkeiten, wodurch der For-schungsgegenstand diffus bleibt. 2. Fehlende Struktur der Analyse. Dadurch, dass alles als mit allem verbunden ange-sehen wird, liegt der Fokus der Systembetrachtung auf den Input-Outputbeziehungen und nicht auf der inneren Dynamik und Struktur von Syste-men: Das System selbst bleibt eine black box. 3. Die geomorphologische Systemtheorie ist größtenteils unvereinbar mit physikali-schen Grundlagen, da verschiedene Betrachtungsebenen vermengt und Aussagen jenseits der Reichweite der Forschungsergebnisse getroffen werden. 4. Das Gleichgewichtsdenken, das die geomorphologische Forschung seit mehreren Jahrzehnten prägt, steht im Widerspruch zur Thermodynamik. 5. Trotz einer neuen Fokussierung auf Komplexität und Nichtlinearität setzt sich das Gleichgewichtsdenken bis heute fort, obwohl es keine theoretische Grundlage hierfür gibt. Als Lösungsangebot für eine kohärente Hintergrundtheorie und zur Lösung der ge-nannten Probleme wird die Rezeption aktueller Ansätze aus der Biologie (z. B. Selbst-referenz und Autopoiesis) sowie der Thermodynamik (Nichtgleichgewichtsthermody-namik) vorgeschlagen sowie die Konsequenzen, die sich für die Geomorphologie dar-aus ergeben, diskutiert. In einem Fazit wird aufgezeigt, wie die Umrisse einer geo-morphologischen Systemtheorie aussehen könnten, die in sich schlüssig und mit den gängigen physikalischen Theorien vereinbar ist und somit ein hohes Anschlusspoten-tial an unsere Nachbardisziplinen aufweist.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Systemtheorie Geomorphologie Selbstorganisation dissipative Strukturen Selbstreferenz Autopoiesis
Autor*innen
Kirsten Von Elverfeldt
Haupttitel (Deutsch)
Systemtheorie in der Geomorphologie
Hauptuntertitel (Deutsch)
Problemfelder, erkenntnistheoretische Konsequenzen und praktische Implikationen
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
195 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Thomas Glade ,
Johann Stötter
Klassifikationen
38 Geowissenschaften > 38.09 Physische Geographie ,
38 Geowissenschaften > 38.45 Geomorphologie
AC Nummer
AC08046467
Utheses ID
7667
Studienkennzahl
UA | 091 | 452 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1