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Maiandacht und Sommergäste
ländliche Lebenswelt und Modernisierung in Österreichischen Erstlesebüchern, 1945 - 70
Wilfried Gilbert Göttlicher
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Walter Kissling
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.11329
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30219.35410.948464-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ausgehend von den nachhaltigen Veränderungen, die der Modernisierungsprozess in den Jahren zwischen 1945 und 1970 für die Lebensbedingungen der Menschen vor allem im ländlichen Raum mit sich brachte, wird in dieser Diplomarbeit die Frage nach dem Verhältnis von ländlicher Lebenswelt und Modernisierung in österreichischen Erstlesebüchern (Fibeln) aus diesem Zeitraum gestellt. Dabei wurde ein Großteil des Gesamtbestandes der im Untersuchungszeitraum erschienenen Erstlesebücher hinsichtlich der Darstellung ländlicher Lebenswelt, hinsichtlich der Darstellung von Modernisierung sowie (als kulturelle Dimension von Modernisierung) im Hinblick auf Veränderungen der Erziehungskonzeptionen und Wertvorstellungen verglichen. Die Fibelneuerscheinungen der ersten Nachkriegsjahre von einer deutlichen Dichotomie von Land- und Stadtfibeln geprägt. Die Fibeln sind in ihrer Konzeption jeweils eindeutig auf ein ländliches bzw. städtisches Zielpublikum zugeschnitten und orientieren sich inhaltlich an der entsprechenden Lebenswelt. Die Landfibeln aus dieser Zeit, bei denen es sich um Überarbeitungen von ursprünglich schon in der Zeit der 1. Republik erschienen Fibeln handelt, zeigen das Bild einer traditionellen, von Modernisierung noch nicht erfassten ländlichen Lebenswelt, während technischen Innovationen in der Stadtfibel relativ breiter Raum gewidmet wird. Solche Darstellungen entsprechen für den Erscheinungszeitraum der Fibeln noch weitgehend den tatsächlichen Verhältnissen. Es ist jedoch zu bedenken, dass diese Fibeln teilweise ohne nachhaltige Überarbeitungen bis weit in die 1960er-Jahre hinein in Verwendung waren, und das dort gezeigte Bild zu diesem Zeitpunkt nicht mehr adäquat war. In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre erscheinen die ersten Fibeln, die keinen so eindeutigen Zuschnitt auf eine ländliche oder städtische Lebenswelt mehr aufweisen. Die dort gezeigte ländliche Lebenswelt zeigt nach wie vor kaum Ansätze von Modernisierung, wird aber in diesen Fibeln eher aus einer nicht-ländlichen Perspektive thematisiert. Zur selben Zeit erscheint auch eine neue Landfibel (MEINE FIBEL), die die Fixierung auf ländliche Lebenswelt beibehält, aber diese partiell modernisiert zeigt. Modernisierungen betreffen dabei vor allem die Arbeitstechniken in Landwirtschaft und Haushalt sowie das Erscheinungsbild der Menschen. Hinsichtlich der starken Orientierung an Religion und Brauchtum hält diese Fibel aber an Traditionellem fest. Diese teilweise widersprüchlichen Tendenzen lassen sich mit den Zielen und Widersprüchen der österreichischen Landschulreformbewegung, zu der sich auch in personeller Hinsicht eine Brücke schlagen lässt, in Verbindung bringen. 1964 erscheint FROHES LERNEN, die am weitesten verbreitete der damaligen Fibeln in einer vollständigen Neukonzeption. Während die Auflage von 1948 und sämtliche inhaltlich praktisch unveränderten Neuauflagen bis zu diesem Zeitpunkt eindeutig den Landfibeln zuzurechnen sind, sind die meisten Geschichten in der Neukonzeption von 1964 in einem kleinstädtischen Milieu angesiedelt. Die Fibel bemüht sich um eine ausgewogene Darstellung sowohl städtischer als auch ländlicher Lebenswelt und zeigt einen zeitgemäßen Stand technologischer Entwicklungen. Ebenso wie die Veränderungen in der Darstellung ländlicher Lebenswelt und in der Perspektive, aus der diese dargestellt wird, imponieren in den untersuchten Fibeln Änderungen hinsichtlich der Kindheits- und Erziehungsvorstellungen. Der Weg führt hier von einem deutlich autoritären Zugriff auf die Kinder, die aber anderseits viele Freiräume haben, in denen sie ohne Aufsicht von Erwachsenen sind, in den frühen Landfibeln, über den verstärkten Apell an Vernunft und Gewissen in den nicht mehr eindeutig auf ländliche Lebenswelt fixierten Fibeln der frühen 1950er-Jahre, zu einer Betonung intrinsischer Motivation und positiven Verstärkung erwünschten Verhaltens bei Vermeidung jedes offensichtlich autoritären Zugriffs in FROHES LERNEN (1964). Darüber hinaus fällt in FROHES LERNEN (1964) auf, dass zahlreiche Lesestücke einen problematisierenden Zugang aufweisen, der zum Nachdenken über Sachverhalte anregt. Im Vergleich mit den Landfibeln ist in der Stadtfibel schon Ende der 1940er-Jahre ein deutlich weniger autoritärer Umgang mit Kindern festzustellen. Auch ein problematisierender Zugang zeigt sich in diesen Fibeln bereits in Ansätzen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Rural schools modernization rural living world History of schooling Austria 1945-70 Textbook research primers
Schlagwörter
(Deutsch)
Landschule Modernisierung ländliche Lebenswelt Schulgeschichte Österreich 1945-70 Schulbuchforschung Erstelesbücher
Autor*innen
Wilfried Gilbert Göttlicher
Haupttitel (Deutsch)
Maiandacht und Sommergäste
Hauptuntertitel (Deutsch)
ländliche Lebenswelt und Modernisierung in Österreichischen Erstlesebüchern, 1945 - 70
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
237 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Walter Kissling
Klassifikationen
80 Pädagogik > 80.01 Geschichte der Pädagogik und Erziehung ,
80 Pädagogik > 80.36 Erziehung und Gesellschaft ,
80 Pädagogik > 80.60 Schreibunterricht, Leseunterricht ,
81 Bildungswesen > 81.01 Geschichte des Bildungswesens ,
81 Bildungswesen > 81.66 Schulbuch ,
81 Bildungswesen > 81.72 Schulische Erziehung ,
81 Bildungswesen > 81.74 Grundschule, Primarstufe
AC Nummer
AC08323687
Utheses ID
10222
Studienkennzahl
UA | 297 | | |
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