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Solidarische Ökonomie und Empowerment
am Beispiel von selbstverwalteten Unternehmen in Berlin
Cornelia Barger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Marie-France Chevron
DOI
10.25365/thesis.11389
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29342.22638.553455-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Solidarischer Ökonomie und Empowerment auf theoretischer und praktischer Ebene. Dabei meint Solidarische Ökonomie ein alternatives Wirtschaftskonzept, bei dem die MitarbeiterInnen eines Betriebes basisdemokratisch über alle Belange der Geschäftsführung entscheiden und der Betrieb sich im kollektivem Eigentum der MitarbeiterInnen befindet. Empowerment bedeutet übersetzt „Befähigung“ oder „Ermächtigung“ und bezeichnet im Zusammenhang mit dieser Diplomarbeit eine als positiv erlebte, persönliche Veränderung der einzelnen MitarbeiterInnen solidarischer Unternehmen in Richtung erhöhter Selbstbestimmung.
Anhand des Konzeptes von Empowerment, welches hauptsächlich in den Ländern des Südens praktische Anwendung findet, wird die Wirkung der Solidarischen Ökonomie in Industrieländern analysiert und deren Wert als Alternative zur herrschenden Wirtschaftsform untersucht.
In der ersten Hälfte der Arbeit wird der theoretische Hintergrund der beiden Konzepte erarbeitet. Dabei zeigt sich, dass Empowerment in Verbindung mit Solidarischer Ökonomie im Bereich der Regionalentwicklung und der Entwicklungszusammenarbeit in strukturschwachen und wirtschaftlich benachteiligten Regionen sichtbar werden kann. Gleichzeitig wird offengelegt, dass das Konzept des Empowerments im Zusammenhang mit der Solidarischen Ökonomie die individuelle Entwicklung und Handlungsmacht eines Menschen betont, statt von passiven Objekten, die „entwickelt werden müssen“ auszugehen.
Die zweite Hälfte der Arbeit widmet sich der im Zuge dieser Diplomarbeit durchgeführten, sechs Wochen langen empirischen Untersuchung bei verschiedenen solidarischen Unternehmen in Berlin. Die im Zuge dieser Feldforschung gemachten Beobachtungen und zehn Interviews mit MitarbeiterInnen und Experten zeigten, dass Empowerment durch die Solidarökonomie auf individueller, kollektiver und struktureller Ebenen entstehen kann. Die Ergebnisse der empirischen Datenerhebung sind in drei verschiedene Bereiche untergliedert, wobei besonders dem Empowerment auf individueller Ebene Beachtung geschenkt wird:
Zuerst werden sieben Arten von Ressourcen, über welche die befragten MitarbeiterInnen verfügen, in Anlehnung an Miller (2000) identifiziert. Diese Ressourcen stellen die Veränderungen, die durch den Eintritt in ein solidarisches Unternehmen im Leben der Befragten entstanden, dar. Anhand dieser Ressourcen kann gezeigt werden, dass die von den MitarbeiterInnen erlebten Veränderungen tendenziell einem Empowerment-Prozess auf individueller Ebene entsprechen. Somit kann von einem positiven Zusammenhang zwischen der Arbeit in Solidarischer Ökonomie und einem Empowerment der Betroffenen ausgegangen werden.
In einem zweiten Schritt wird der Prozess des individuellen Empowerments der MitarbeiterInnen anhand von Phasenmodellen nach Kieffer (1984) und Garba (1999) näher analysiert. Dabei weisen die Ergebnisse der Feldforschung darauf hin, dass eher keine stufenartige Entwicklung auftritt, sondern Empowerment in einem individuellen Prozess abläuft, dessen Dauer, Auslöser und Inhalte von Person zu Person unterschiedlich sein können. Daher distanziert sich diese Diplomarbeiten bis zu einem gewissen Grad von den Phasenmodellen des Empowerments, wobei zu einer genaueren Analyse des Modells intensivere Forschungen nötig sind.
In einem dritten Teil der Ergebnisauswertung wird nicht nur Empowerment auf der persönlich-individuellen Ebene analysiert, sondern auch das Empowerment auf kommunaler und struktureller Ebene beachtet. Die Ergebnisse der Feldforschung lassen darauf schließen, dass in den Strukturen der Solidarischen Ökonomie ein starker Zusammenhang zwischen individuellem und kommunalem Empowerment vorhanden ist und strukturelles Empowerment tendenziell zeitlich verzögert eintritt.
Abschließend werden potentielle Hemmfaktoren für einen Empowerment-Prozess durch die Solidarische Ökonomie identifiziert. Aufgrund der dargestellten Hemmfaktoren und der unangefochtenen Dominanz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung bleibt abzuwarten, wie sich die Zukunft der Solidarischen Ökonomie weiter entwickelt.
Abstract
(Englisch)
This thesis examines the correlation between solidary economy and empowerment on a theoretical and empirical basis.
Solidary economy refers to an alternative business model. A solidary business is collectively owned by its employees who decide democratically about the management of the firm. Empowerment refers to a process of increasing the political, economic and social ressources of individual persons. This development ideally leads to increased confidence in their own capacities and extended ways to access influence in order to live a “better life” defined in the terms of the individual.
In this thesis, the empowerment of the members of solidary businesses is examined in order to analyse the potential of solidary economy as an alternative business model in the capitalist society.
The first part of this thesis analyses the theoretical background of the two concepts. Different approaches towards empowerment are presented, including theories of resource-based empowerment, different steps of the process itself and three levels of empowerment. Furthermore, the development and current situation of solidary economy in different parts of the world is analysed. Then, the correlation of the two concepts is analysed on a theoretical basis. It is argued, that empowerment in connection with solidary economy becomes visible in the field of regional and international development.
The second part of the thesis is based on an empirical field study in Berlin, Germany. I visited six different solidary businesses and interviewed ten of their members. The results of those interviews and the field study can be divided into three aspects: Firstly, empowerment is analysed on a personal level. Therefore, seven different categories serve to describe how the individual resources of the interviewed have changed after they entered the solidary business. It is argued that the individual resources of most members changed considerably towards more self-awareness and consciousness, increased social capital and political understanding. Based on the development of resources, the results indicate the existence of empowerment on the individual level through solidary economy. Secondly, the process of empowerment is examined. Several theories claim that empowerment is a linear process and consists of five (or six) phases that are characterised by certain common developments. However, the results of my study could not support this view as the empowerment processes of the different people I interviewed were extremely diverse and had hardly any common characteristics or phases. Instead, the need for an open instrument to examine empowerment became obvious. The only common characteristic was the development of a critical view of capitalism and the current world order.
Thirdly, empowerment through solidary economy is analysed on a broader basis. According to the results of my field study, solidary economy tends to initiate empowerment on three levels. These three levels of personal empowerment, collective empowerment and structural empowerment are analysed in more detail. Thereby, a strong connection between personal and collective empowerment seems to exist.
In the end, problems that may harm or hinder an empowerment process in a solidary business are identified and an outlook on the future situation of solidary economy is given.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Solidary Economy People's Economy Empowerment Economic Anthropology Alternative business models Berlin
Schlagwörter
(Deutsch)
Solidarökonomie Solidarische Ökonomie Empowerment Alternatives Wirtschaften Ökonomische Anthropologie Berlin
Autor*innen
Cornelia Barger
Haupttitel (Deutsch)
Solidarische Ökonomie und Empowerment
Hauptuntertitel (Deutsch)
am Beispiel von selbstverwalteten Unternehmen in Berlin
Paralleltitel (Englisch)
Solidary economy and empowerment
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
98 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Marie-France Chevron
AC Nummer
AC08347587
Utheses ID
10276
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
