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Vom Ausrahmen der Welt
Schauen als Ortsbezogenheit in der Kunst Leo Zogmayers
Dieter Willim
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Werner Kitlitschka
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.11812
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29486.64007.865764-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Diplomarbeit „Vom Ausrahmen der Welt. Schauen als Ortsbezogenheit in der Kunst Leo Zogmayers“ entstand am Institut für Kunstgeschichte an der Universität Wien unter der Betreuung von HR Univ. Doz. Dr. Werner Kitlitschka. Der Kremser Leo Zogmayer, geboren 1949, ist ein international erfolgreicher Künstler. Er hat bis heute unter anderem in Wien, Bonn, Brüssel, Genf, Neu Delhi und New York ausgestellt bzw. gewirkt. Er ist mehrfacher Preisträger, unter anderem des Kulturpreises des Landes Niederösterreich 1996. Durch die Absolvierung der Meisterklasse bei Professor Tasquil an der Universität für Angewandte Kunst wurde er künstlerisch vielseitig geschult. Dies spiegelt sich auch in seinem Oeuvre wider, das von seinen frühen Zeichnungen, Graphiken und Gemälden über die Monumentalskulpturen ab 1987 und die Wandobjekte ab etwa 1993 bis zu seiner Kunst im öffentlichen Raum, sei es als skulpturale Setzung, aber auch Kirchenausstattungen, reicht (siehe erstes Kapitel). In diesem Gesamtwerk lässt sich, abgesehen von einer expressionistischen Phase Mitte der Achtzigerjahre, ein zunehmender Reduktionismus feststellen. Er wurde deswegen öfters in die Nähe des Minimalismus bzw. der Postmoderne gerückt. Diese Arbeit setzt sich anhand von zwei Aspekten mit den künstlerischen Arbeiten des Kremser Leo Zogmayer auseinander. Einerseits soll eine Grenzziehung erfolgen zwischen ihm und den Minimalisten, und es soll gezeigt werden, dass sich hinter den Werken, die formal der klassischen Moderne folgen, ein ursprünglicher Zugang zur Welt verbindet und nicht ein kritisch-ironischer Postmodernismus. Um dies zu bewerkstelligen, wird im zweiten Kapitel die Entwicklung ortsbezogener Kunst anhand von Quellentexten und ausgewählten Werken nachgezeichnet, unter anderem auch jener der frühen Minimal Art der Sechzigerjahre in den USA. Dieser werden im dritten Kapitel ausgewählte Werke Zogmayers gegenübergestellt und erläutert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit Kunstdenken Leo Zogmayers und seinem Begriff des Schauens. Damit ist der intentionslose Blick gemeint, der die Welt, wie sie ist, wahrzunehmen und zu empfinden vermag. Das Schauen ist eine Gegensetzung zu dem wissenwollenden Blick, der das westliche Denken durchzieht. Das „wertende Sehen“, so Zogmayer, verstelle die Sicht auf das Schöne, weil es lediglich versucht, die Welt und die Dinge in ihr verstandesmäßig zu erfassen. Das Schauen lässt sich zurückführen auf die Beschäftigung des Künstlers mit der Gedankensphäre Ostasiens, unter anderem über die Rezeption François Julliens. Die Kunst des Zen, die Ausdruck des buddhistischen Glaubens ist, weist Charakteristika auf, etwa jenen Hang zur Reduktion und zur Zurückhaltung, der auch bei Zogmayer vorzufinden ist. Das fünfte Kapitel beschreibt dieses Kunststreben mittels Maurice Merleau-Pontys Phänomenologie der Wahrnehmung, die ein neues Konzept der Weltwahrnehmung vorstellt. Sie verabschiedet die objektive Weltsicht, die den Raum in geometrischen Dimensionen denkt, und wendet sich der subjektiven zu, für die der Mensch im Mittelpunkt seiner Welt steht und dessen immer neue Perspektiven auf die Welt eine „lebendige Kommunikation mit der Welt“ darstellen. Der Wert der Empfindungen wird damit wir beim Schauen als zuoberst gereiht. Über dieses Modell der Weltwahrnehmung wird Schauen als Ortbezogenheit denkbar. Der Begriff der Ortsbezogenheit meint die Bedeutungsentfaltung eines Kunstwerkes an einem bestimmten Ort und ist für die frühe Minimal Art gebräuchlich. Dieser ist aber im Diskurs über das Schauen neu zu definieren. Nicht das Kunstwerk entfaltet seine Bedeutung an einem gewissen Ort, sondern es ermöglicht eine freie Sicht auf die Um-Welt. Die jeweilige Arbeit fungiert als Katalysator, der den „Mehrwert des Sichtbaren“ (im synästhetischen Sinne) bzw. das Schöne in jedem Ding, an dem Aufstellungsort vor Augen führt und dabei selbst nicht aufgezehrt wird. Der ästhetische Wert des Werkes tritt zurück zugunsten einer Offenheit des Blickes. Daraus gewinnt auch der formale Reduktionismus Zogmayers seine Rechtfertigung, da er notwendig ist, um den Blick schweifen lassen zu können. Die Arbeiten des Künstlers sind in höchstem Grade für die Menschen geschaffen, als sie der Institution des (gewohnheitsmäßigen) Sehens ein Modell gegenüberstellen, das zu einer Entschleunigung im Alltag führen soll und kann. Der jeweilige Ort wird in der Folge als jener erinnert, an dem die Erfahrung gemacht bzw. dessen Atmosphäre empfunden wurde. Dabei hat jeder Ort Anteil am Wunder der Welt und ihrer Existenz, und es zeugt jeder Ort von diesem Wunder. Das sechste und letzte Kapitel setzt sich in extenso mit dem Denkmalprojekt Anna Lambert Gedächtnisort auseinander, das für Krems geschaffen wurde. Hier wird nicht mehr das Schauen propagiert, sondern es wird Position bezogen in einem gesellschaftlichen Raum. Die Stellungnahme einer ganzen Stadt zu den Gräueln der NS-Zeit wurde an einem bedeutsamen Ort, im Fundament des Steiner Tores, dem Wahrzeichen der Stadt, eingemauert. Hier wird sehr wohl auf den herkömmlichen Begriff der Ortsbezogenheit rekurriert, da es sich bei dem Werk um ein „Gegenmonument“ handelt. Die Hauptposten zur Finanzierung dieser Diplomarbeit liegen bei den Fahrtkosten, Büchern sowie dem Druck und der Bindung. Der Bezug zu Niederösterreich und zu Kunst im öffentlichen Raum ist gegeben über die Arbeiten Zogmayers sowie über die Herkunft des Künstlers.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Site specificity Minimal Art Leo Zogmayer Merleau-Ponty Francois Jullien counter monument
Schlagwörter
(Deutsch)
Ortsbezogenheit Minimal Art Leo Zogmayer Merleau-Ponty Francois Jullien Gegenmonument
Autor*innen
Dieter Willim
Haupttitel (Deutsch)
Vom Ausrahmen der Welt
Hauptuntertitel (Deutsch)
Schauen als Ortsbezogenheit in der Kunst Leo Zogmayers
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
98, [48] S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Werner Kitlitschka
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.99 Philosophie: Sonstiges ,
20 Kunstwissenschaften > 20.06 Kunstphilosophie, Kunsttheorie
AC Nummer
AC08321691
Utheses ID
10654
Studienkennzahl
UA | 315 | | |
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