Detailansicht

Fremde Heimat
zur Bedeutung von "Heimat" im lebensgeschichtlichen Erzählen von Zwangsmigrierten des Zweiten Weltkriegs
Sarah Pfleger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Jelena Tosic
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.82003
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29986.74906.192762-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Der Zweite Weltkrieg führte über 150.000 Personen aus deutschsprachigen Minderheitsgebieten in Südosteuropa nach Oberösterreich. "Volksdeutsche Flüchtlinge" und "Heimatvertriebene" zählen zu den gebräuchlichsten (Selbst-)Bezeichnungen dieser Gruppe, für die ich jedoch den Terminus "Zwangsmigrierte" als adäquater erachte. Ausgehend von der Hypothese, dass "Heimat" – als ein im Alltag kaum reflektierter Wert – durch eine derartige Verlusterfahrung an Relevanz gewinnt, führte ich Interviews mit sechs Betroffenen durch. Die zentrale Forschungsfrage lautete dabei: Was sind die konstituierenden Merkmale von "Heimat" aus der Perspektive eines Menschen, der angeblich gleich zwei davon – eine "alte" und eine "neue Heimat" – hat? Als Enkelin von Zwangsmigrierten ergab sich für mich ein besonderer Zugang zum Forschungsfeld. Die Vor- und Nachteile derartiger "anthropology at home" werden beschrieben und kritisch reflektiert. Für den theoretischen Zugang erwiesen sich kultur- und sozialanthropologische Modelle zur Konstruktion von Identität(en) und Zugehörigkeit(en) als relevant; besondere Bedeutung räume ich den Grammars of Identity/Alterity nach Baumann (2004) ein. Der Zusammenhang von Heimatverlust und Traumata wird anhand von Erkenntnissen der Psychologie beleuchtet. Methodisch orientierte ich mich an Atkinsons (1998) "Life Story Interview" (lebensgeschichtlichem Interview) – eine Sonderform des narrativen Interviews, die von dem/ der ErzählerIn weitestgehend individuell gestaltet wird und auf die Erhebung persönlicher Erinnerungen (im Gegensatz zu historisch-faktischer "Wahrheit") abzielt. Die themenzentrierte Analyse der Lebensgeschichten meiner InterviewpartnerInnen ergab ein Dutzend "Heimat"-Assoziationen; deren Darstellung und Interpretation bildet den Hauptteil der Arbeit. Eine wichtige Vergleichsbasis stellen dabei jene Erkenntnisse dar, die Lehmann (1993) durch zahlreiche Interviews mit Zwangsmigrierten in Deutschland gewann. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Konstruktion von "Heimat" bei Zwangsmigrierten einerseits den von Mecheril (1994) beschriebenen, allgemeingültigen Strategien folgt (z.B. „Personalisierung“: Heimat als ein vertrautes soziales Umfeld). Allerdings scheinen Personen mit Zwangsmigrationshintergrund über eine zusätzliche „Heimatkonstruktionsstrategie“ zu verfügen, die sich auf Erinnerungen bezieht: „Heimat“ als hochgradig persönliches, zeit- und raumunabhängiges Phänomen, das durch wissenschaftliche Erforschung zwar konkretisiert, aber nicht definiert werden kann.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Heimat Lebensgeschichte lebensgeschichtliches Erzählen Migration Flucht Vertreibung Flüchtlinge Vertriebene Zweiter Weltkrieg
Autor*innen
Sarah Pfleger
Haupttitel (Deutsch)
Fremde Heimat
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur Bedeutung von "Heimat" im lebensgeschichtlichen Erzählen von Zwangsmigrierten des Zweiten Weltkriegs
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
125 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Jelena Tosic
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg ,
15 Geschichte > 15.49 Ostmitteleuropa ,
71 Soziologie > 71.63 Minderheitenproblem ,
73 Ethnologie > 73.92 Lebenslauf, Familie ,
73 Ethnologie > 73.96 Ethnische Identität
AC Nummer
AC08347558
Utheses ID
10762
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1