Detailansicht
Die Ökumene im Krieg und im Frieden
der katholisch-orthodoxe Dialog in Kroatien bis 1995 mit besonderer Berücksichtigung der ökumenischen Bemühungen und Initiativen aus dem Ausland während des Krieges von 1991 bis 1995
Željko Čekolj
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Katholisch-Theologische Fakultät
Betreuer*in
Rudolf Prokschi
DOI
10.25365/thesis.1384
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30145.03796.368854-9
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Meine Arbeit habe ich in vier Kapitel gegliedert. Im ersten Teil: „Kriegsgott oder doch ein Friedensfürst: Gewalt und Krieg im Christentum“, versuchte ich das Verhältnis zwischen Gewalt und Frieden im Christentum darzustellen. Zur Hilfe habe ich zahlreiche Bibelzitate, die Kirchenväter, Dokumente des II. Vatikanums und andere kirchliche Dokumente genommen. Ich habe auch die Konfliktgeschichte zwischen dem „Westen“ und „Osten“ behandelt. Meine Absicht war es die Frage zu beantworten, ob dieser Krieg in Kroatien zwischen 1991 und 1995 wirklich ein religiöser bzw. ein „heiliger“ Krieg war, wie ihn einige, unter ihnen auch die kirchlichen Oberhirten, interpretierten. Am Beispiel des Erzbischofs von Zagreb versuchte ich die Friedensinitiativen der katholischen Kirche Kroatiens zu schildern.
Damit man überhaupt die Notwendigkeit, aber auch die Komplexität der Ökumene in Kroatien versteht, ist meiner Meinung nach der zweite Teil dieser Arbeit: „Die Mythen und die kroatisch-serbische Geschichte“, notwendig. Es ist von großer Bedeutung, dass man bei den Serben und bei den Kroaten die kirchlichen und politisch- historischen Tatsachen kennt. So habe ich mich mit den Mythen der beiden Völker auseinandergesetzt, mit ihrer Bedeutung für das jeweilige Volk und anschließend mit den politischen und kirchlichen Ereignissen, die das Zusammenleben und die Ökumene beider Völker so stark beeinflusst haben.
Im dritten Teil: „Die geschichtliche Entwicklung der ökumenischen Idee in Kroatien“, stellte ich die „ökumenischen“ bzw. die Annäherungsversuche an die Serben von Krizanić und Strossmayer dar. Eine ganz wichtige Rolle in der Entwicklung der Ökumene zwischen der katholischen Kirche Kroatiens und der Serbisch-orthodoxen Kirche spielte die „Idee von Cyrill und Methodius“. Weitere Punkte, die ich behandelt habe, sind: die Entwicklung des ökumenischen Geistes bei den beiden Kirchen, vor allem nach dem II. Vatikanum und die „gelebte Ökumene“ in der Diözese Đakovo und Srijem, in der so viele Orthodoxe leben. Einen wichtigen Platz in diesem Kapitel nimmt das „ökumenische Manifest“ der Jugoslawischen Bischofskonferenz aus dem Jahre 1974 ein. Weiter widmete ich mich der „ökumenischen“ Literatur nach dem II. Vatikanum, den ökumenischen Treffen zwischen beiden „Schwesterkirchen“ auf Fakultäts- und Bischofsebene bis 1991. Am Ende des Kapitels wurden die Probleme geschildert, die die Ökumene zwischen beiden Kirchen immer belastet haben und die unmittelbar vor dem Krieg wieder so stark aufgebrochen sind.
Der vierte Teil der Arbeit lautet: „Die ökumenischen Bemühungen und Initiativen aus dem Ausland.“
Die Kirchen versuchten sich aber trotz allem und vor allem in den Jahren 1991 und 1992 zu treffen und zur Besonnenheit aufzurufen, zuerst noch ohne irgendwelche Vermittlung. Leider verschärfte sich die Situation immer mehr, sodass man „ökumenischer Vermittlungen“ aus dem Ausland bedurfte, da man zu den gleichen Ereignissen andere Auslegungen bzw. eine eigene Wahrheit hatte. Vermittler waren kirchliche internationale Organisationen wie z.B. KEK, CCEE, ÖRK, die Stiftungen „Appeal of Conscience” aus New York und “Pro Oriente” aus Wien und Privatpersonen, wie z.B. Bischof Homeyer und der russische Patriarch Alexej II. Es wurden zahlreiche Appelle verabschiedet und viele „Punkte“ herausgearbeitet. Ob diese zielführend waren und welche „Qualität“ eine solche „Kriegsökumene“ hatte, versuchte ich im letzten Teil meiner Arbeit zu beantworten.
Letztendlich fasste ich die Handlungsbereiche zusammen, auf denen sich die katholische Kirche Kroatiens und die Serbisch-orthodoxe Kirche betätigen müssen, wollen sie nach dem Krieg am Prozess der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit teilnehmen. Die beiden Kirchen können das nur durch den ökumenischen Dialog und gemeinsame Arbeit in vielen Bereichen der Gesellschaft verwirklichen.
Zusammenfassend kann man aber sagen, dass der Ökumenismus, bzw. die Annäherungsversuche an die Orthodoxen in Kroatien „tiefe Wurzeln“ haben, wenn wir an die Zeit von Juraj Krizanić und Josip Juraj Strossmayer denken. Auch nach dem II. Vatikanum wollte man die Beziehungen zu den serbischen Orthodoxen pflegen, die nach dem II. Weltkrieg wegen der schrecklichen Ereignisse abgebrochen waren. Die katholische Kirche Kroatiens versuchte an den internationalen ökumenischen Bewegungen teilnehmen und im ökumenischen Geiste des II. Vatikanums zu handeln. Das war nicht immer einfach. Für die Serbisch-orthodoxe Kirche, die als letzte ihre Gesandten zum II. Vatikanum geschickt hatte, war das auch problematisch. Trotzdem kam es nach dem II. Vatikanum zu „ökumenischen Begegnungen“ auf Bischofs- und Fakultätsebene. Dass die Vorbereitungen und all diese Treffen nicht reibungslos abgelaufen sind, ist in der Tatsache zu suchen, dass der ökumenische Geist noch nicht so entwickelt war und die belastete Vergangenheit und das „geschichtliche nationale Erbe“ beider Völker das nicht zugelassen haben.
Will man auf die „weniger guten Seiten“ der „ökumenischen Begegnungen“ zwischen den Vertretern der kroatischen Katholiken und der serbischen Orthodoxen eingehen, muss man sagen, dass solche Treffen keinen großen ökumenischen Wert hatten. Es wurde sehr oft über praktische Fragen diskutiert, wie z.B. Mischehen, und dann während des Krieges über die Rückkehr der Gläubigen und der Priester in „ihre Gebiete“. Es wurden im Krieg sehr viele Appelle verabschiedet, die keine große Wirkung zeitigten. Ökumenische Fragen, die die anderen orthodoxen Kirchen mit der katholischen Kirche besprechen, wurden nicht diskutiert.
Wenn man aber das Positive an solchen „ökumenischen Begegnungen“ herausstreichen will, dann muss man feststellen, dass die beiden Kirchen trotz allem miteinander „kommuniziert“ haben, sei es, dass solche Begegnungen alleine organisiert waren, sei es, dass sie durch „ausländische Hilfe" zustande gekommen sind.
Es ist zu hoffen, und Grund zur Freude besteht, dass die beiden Kirchen nach dem Krieg ihre „kirchlichen Aufgaben“ in der Gesellschaft erfüllen und sich durch einen kritischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit und durch das ehrliche Kennenlernen „der anderen Seite“ noch viel stärker ökumenisch betätigen. Dabei fällt mir das Kommuniqué mit seinen vierzehn Punkten ein, das durch die Vermittlung der Stiftung „Pro Oriente“ beim 63. ökumenischen Symposium in Wien verfasst wurde: es ist für die katholische Kirche in Kroatien und für die Serbisch-orthodoxe Kirche sicher ein sehr gutes „ökumenisches Rezept“.
Abstract
(Englisch)
My study consists of four chapters. Chapter 1 (God of War or Lord of Peace: Force and War in Christianity) analyses the relation between force and peace in Christianity. Reference is made to numerous biblical texts, the early fathers, documents of the II Vatican Council and other ecclesiastical documents. I also covered the history of the east/west conflict. My intention was to provide an answer to the question whether the 1991 to 1995 war in Croatia was indeed a religious, a “holy” war as some – including church leaders – suggest. Peace initiatives of the Croatian Catholic church are illustrated by the example of the archbishop of Zagreb.
Understanding the necessity and complexity of ecumenism in Croatia in my opinion requires in-depth knowledge of what is dealt with in Chapter II (Myths and the Croatian-Serbian History). Profound knowledge of ecclesiastic and political/historic facts on the Serbian and the Croatian side is essential. I analysed the two peoples’ myths, their specific significance to the respective side and thereafter incidents of political and ecclesiastic history which strongly influenced Croatian-Serbian coexistence and ecumenism.
Chapter III (The Historical Development of Ecumenism in Croatia) describes “ecumenical” attempts and approaches towards the Serbian side by Krizanic and Strossmayer. The “Cyril and Method Idea” played an important part in the development of ecumenical relations between the Croatian Catholic church and the Serbian-orthodox church. Other aspects covered in this chapter include: the development of the ecumenical spirit in both churches, especially after the II Vatican Council, and the ecumenical practice in the Dakovo and Srijem diocese with its substantial orthodox population. The “Ecumenical Manifest” issued by the Yugoslav episcopate in 1974 figures prominently in this chapter. Additional topics include ecumenical literature after the II Vatican Council, ecumenical meetings of the sister churches on faculty and episcopal levels until 1991. The end of the chapter is devoted to the problems which always strained ecumenism between the two churches and which sharply intensified immediately before the war.
Chapter IV is named “Ecumenical Efforts and Initiatives From Abroad”. Despite of the difficult conditions, the churches, especially in the years 1991 and 1992, tried to arrange meetings and called for caution and prudence, initially without moderation from abroad. Unfortunately conditions grew more severe, incidents were interpreted differently and both sides claimed to dispose of exclusive truths. Thus, ecumenical mediation from abroad became necessary. International church organizations (e.g. KEK, CCEE, ÖRK, the foundations “Appeal of Conscience”/New York, “Pro Oriente”/Vienna) and individuals (e.g. Bishop Homeyer and Patriarch Alexej II) interceded. Many resolutions were adopted, many key issues identified. Whether these initiatives were fruitful and to what extent such wartime ecumenism produced substantive results, is analysed in the last part of the study.
Finally the study identifies the main fields of activities where the Croatian Catholic church and the Serbian-orthodox church need to operate in order to succeed in participating in the process of post war reconciliation, peace and justice. This can only be carried out by both churches engaging in ecumenical dialogue and cooperating in many fields of society.
In a summary view it is fair to say that ecumenism and steps to move closer towards the orthodoxy are deeply rooted in Croatia, considering Juraj Krizanic and Josip Juray Strossmayer and their time. Equally, after the II Vatican Council it was intended to reactivate links to the Serbian orthodoxy which had been cut due to the atrocities after World War II. The Catholic Church of Croatia tried to participate in international ecumenical movements and to act according to the II Vatican Council ecumenical spirit. This was not always easy. For the Serbian Orthodox Church, the last one to dispatch delegates to the II Vatican Council, it was also difficult. Nevertheless, contacts on the levels of faculty members and bishops were established after the II Vatican Council. Since the ecumenical spirit was not sufficiently developed and the burden of the two peoples’ national heritage weighed heavy, preparations for and the progress of meetings were not without tensions. It is fair to say that these meetings did not contribute significantly to ecumenism. In many cases practical issues were discussed, like mixed marriages or (during the war) the return of individuals of the respective denomination and their priests to “their” territories. During the time of war many appeals were launched with little effect. Ecumenical issues which were treated by other orthodox churches with the catholic church were not discussed. A benevolent view, however, has to acknowledge that both churches at least communicated, be it at their own initiative or encouraged from abroad.
There is good reason to believe in both churches discharging their specific duties in post war society and – by critically analysing their own past and showing true interest in the other side – becoming even more active in ecumenism. This reminds me of the 14 Articles Communiqué adopted through the intervention of “Pro Oriente” at the 63rd Ecumenical Symposium in Vienna: this document undoubtedly is a solid ecumenical formula for the Catholic and the Serbian-orthodox churches in Croatia.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Ecumenism relations between the Serbian-orthodox Church and the Catholic Church in Croatia until 1995
Schlagwörter
(Deutsch)
Ökumene Beziehungen zwischen der Serbisch-orthodoxen und der katholischen Kirche in Kroatien bis 1995
Autor*innen
Željko Čekolj
Haupttitel (Deutsch)
Die Ökumene im Krieg und im Frieden
Hauptuntertitel (Deutsch)
der katholisch-orthodoxe Dialog in Kroatien bis 1995 mit besonderer Berücksichtigung der ökumenischen Bemühungen und Initiativen aus dem Ausland während des Krieges von 1991 bis 1995
Paralleltitel (Englisch)
The Ecumenical movement in war and in peace ; Catholic-orthodox dialogue in Croatia until 1995 with special reference to ecumenical efforts and initiatives from foreign countries during the war 1991-1995
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
350 Bl. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Rudolf Prokschi ,
Floridus Röhrig
Klassifikation
11 Theologie > 11.57 Ostchristentum
AC Nummer
AC05038365
Utheses ID
1078
Studienkennzahl
UA | 080 | 011 | |
