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Energiepolitische Interessensdivergenzen und Interdependenzen bei der Planung und Umsetzung eines südlichen Gaskorridors
Astrid Maria Albrecht
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Otmar Höll
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.12103
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29347.14777.317260-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die zukünftige Erdgasversorgung der Europäischen Union und die beiden wichtigsten dafür geplanten Erdgaspipelines Nabucco und South Stream. Diese beiden Projekte repräsentieren unterschiedliche Energiepolitiken und –strategien unterschiedlicher Akteure. Nabucco und South Stream werden derzeit auf nationalstaatlichen Ebenen verhandelt und sollen von der Nabucco Pipeline International GmbH bzw. der South Stream AG technisch umgesetzt werden. Die South Stream Pipeline wird, so die Pläne, nach ihrer Fertigstellung etwa 60 Mrd. m³ Erdgas pro Jahr vom traditionellen Erdgashandelspartner Russland auf einem Route, die unter dem Schwarzen Meer nach Italien oder über den Balkan bis nach Österreich liefern. Nabucco hingegen wird eine neue Importregion für den EU-europäischen Erdgashandel erschließen. Etwa 30 Mrd. m³ Erdgas soll Nabucco jährlich aus den Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres (vorläufig aus Aserbaidschan, langfristig auch aus Turkmenistan) über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich transportieren können. Die Europäische Kommission begrüßt das Nabucco Pipelineprojekt, entspricht es doch seiner Erdgasimportdiversifizierungsstrategie, mit der versucht wird, die Anhängigkeit der mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten von russischen Erdgasimporten zu reduzieren. Für Russland sind und bleiben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bis in absehbarer Zeit die Haupthandelspartner am Erdgassektor und damit eine zentrale Einnahmequelle für sein Staatsbudget. Dennoch haben der russische Staat und der wichtigste Erdgaskonzern Russlands, Gazprom Exportdiversifizierungsambitionen, die die Abhängigkeit vom EU-europäischen Abnehmermarkt reduzieren und lukrative neue Märkte erschließen sollen. Gazprom erschließt dafür riesige Erdgasfelder in Ost-Sibirien und treibt die Entwicklung der Flüssiggastechnologie voran, die es erlauben sollen, Erdgas mit Tankern nach China, Korea und Japan zu verschiffen. Für die Bearbeitung diese interdependenten Verhältnisses zwischen der Europäischen Union und Russland eignet sich die Interdependenztheorie nach Robert O. Keohane und Joseph S. Nye. Die Autoren gehen dabei von einer gegenseitigen Abhängigkeit aus, in der es beiden Seiten Kosten verursachen würde, Alternativen zur bestehenden Beziehung aufzubauen. Die Seite, die schneller und effizienter Alternativen findet – oder diese bei Bedarf aktivieren kann – befindet sich gegenüber der anderen Seite im Vorteil und damit in der Position des Mächtigeren. Zwischen der Europäischen Union und Russland besteht ein derartiges interdependentes Verhältnis, in dem beide Seiten nach Alternativen suchen und sich dennoch als wichtige und zuverlässige Handelspartner schätzen. Neben zuverlässigen Abnehmer-Anbieter-Beziehungen braucht es im Erdgashandel auch politisch stabile Transitstaaten, von denen beide Seiten abhängig sind. Um sich der Gefahr, die von Transitstaaten ausgehen kann, nicht aussetzen zu müssen, verzichteten deshalb die für Nabucco und South Stream verantwortlichen Akteure auf Transitstaaten, die nicht direkt an der Pipeline beteiligt sind.
Abstract
(Englisch)
The diploma work puts focus on the future gas supply of the European Union and in that context, on the planned Nabucco- and South Stream pipeline. Both pipelines will play a crucial role for the European Union’s supply with natural gas. Nabucco and South Stream also represent various energy policies of various involved actors. Both pipelines will be built by energy companies based on nation-states and are negotiated on national levels. According to the plans, the South Stream pipeline will deliver about 60 Billion m³ of natural gas annually from the “traditional” trading partner Russia to Italy or the Balkans further to Austria. Nabucco in contrast, will open up a new region for the EU-European gas trade. The pipeline will transport a volume of about 30 Billion m³ of natural gas from the Caspian region (preliminary from Azerbaijan, in the long-term also from Turkmenistan) via Turkey, Bulgaria, Rumania and Hungary to Austria. The European Commission welcomes the Nabucco pipeline project as it meets its gas import diversification strategy that aims to reduce the dependence of the Middle- and Eastern European EU-member states on Russian natural gas. For Russia, the member states of the European Union are the most important trading partners. Therefore, they are a central source of income for the Russian state’s budget. However, Russia and its most important gas company Gazprom have ambitions for gas export diversification. Diversification should reduce the dependency on the EU-European market and intends to develop profitable new markets. Hence, Gazprom makes huge natural gas field in Eastern Siberia accessible and promotes the development of the liquefied natural gas technology that will allow Russia to transport natural gas to China, Korea and Japan by tanker. These interdependent relations between the European Union and Russia can be explained by the Interdependence Theory by Robert O. Keohane and Joseph S. Nye. The authors assume a mutual dependency between actors that would cause costs to the actor, who wants to establish alternatives to the existing relations. The actor, who finds alternatives faster and more efficient – or who has the possibility to activate alternatives if needed – has an advantage over the other. The actor is therefore in the position of the more powerful. Between the European Union and Russia exists such an interdependent relation, in which both sides are constantly looking for alternatives. – And simultaneously, they appreciate each other as trading partners. Additionally to the credible relation between supplier and the consumer in gas trade, politically solid transit states are crucial as both sides depend on them. In order to avoid the unsteadiness that could evolve from transit countries, the actors responsible for Nabucco and South Stream disclaim transit states that are not directly involved in the pipeline.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
energy politics Russia European Union Nabucco South Stream southern gas corridor energy relations southern energy corridor pipelines vatural gas energy supply energy security energy strategy Caspian Sea interdependence interdependence theory Keohane Nye
Schlagwörter
(Deutsch)
Energiepolitik Russland Europäische Union Nabucco South Stream Südlicher Gaskorridor Südlicher Energiekorridor Energiebeziehungen Pipelines Erdgas Energieversorgung Energieversorgungssicherheit Energiestrategie Südlicher Gaskorridor Kaspisches Meer Interdependenz Interdependenztheorie
Autor*innen
Astrid Maria Albrecht
Haupttitel (Deutsch)
Energiepolitische Interessensdivergenzen und Interdependenzen bei der Planung und Umsetzung eines südlichen Gaskorridors
Paralleltitel (Englisch)
Political-economic divergences of interests and interdependencies concerning the scheduling and implementation of a southern gas corridor
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
137 S. : Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Otmar Höll
Klassifikationen
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines ,
83 Volkswirtschaft > 83.63 Volkswirtschaftliche Ressourcen, Umweltökonomie ,
89 Politologie > 89.70 Internationale Beziehungen: Allgemeines
AC Nummer
AC08396361
Utheses ID
10908
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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