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Das Gesundheitswesen im Ghetto Theresienstadt
1941 - 1945
Wolfgang Armin Schellenbacher
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Brigitte Bailer-Galanda
DOI
10.25365/thesis.12386
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29547.62091.178959-4
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In dem von Krankheit und Tod gekennzeichneten „Häftlingsalltag“ im Ghetto Theresienstadt nahm die Arbeit des Gesundheitswesens im Kampf um den Erhalt bzw. Wiedergewinn der Gesundheit der Häftlinge eine zentrale Rolle ein.
Der Aufbau des Gesundheitswesens, seine Tätigkeiten und Problemstellungen spiegeln das Leben der Häftlinge in den unterschiedlichen Phasen des Ghettos wider.
Mit einfachsten Mitteln richteten nach Theresienstadt deportierte Ärztinnen und Ärzte die ersten Krankenstuben ein, in denen sie unter schwierigsten Bedingungen Häftlinge behandelten. Angesichts fehlender Medikamente und Gerätschaften mussten sich die medizinischen Hilfeleistungen jedoch oftmals auf das Spenden von Trost beschränken.
Durch medizinische Geräte und kleinere Lieferungen von Medikamenten aus arisiertem jüdischen Eigentum sowie Medikamentenlieferungen, die von der SS genehmigt worden waren, konnte 1942 in einer ehemaligen Kaserne ein „Krankenhaus“ eingerichtet werden.
Die Großdeportationen aus dem Deutschen Reich im Sommer 1942, mit denen vornehmlich alte und pflegebedürftige Menschen ins Ghetto transportiert wurden, führten zur Überfüllung des Ghettos. An den dadurch ausgebrochenen Krankheiten und Seuchen starben in den Sommermonaten 1942 ca. 10 000 Häftlinge. Die primitiv eingerichteten medizinischen Abteilungen konnten dieser Arbeitsaufgabe nicht gewachsen sein.
Der stetige Ausbau der medizinischen Abteilungen führte zu einer leichten Verbesserung der Gesundheitssituation. Hauptsächlich war jedoch ein Rückgang der Häftlingszahlen durch Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager sowie durch den Tod tausender Häftlinge im Ghetto dafür verantwortlich.
Durch die verschiedenen Aktivitäten wuchs das Gesundheitswesen zur größten Abteilung im Ghetto an, sodass im Juli 1943 fast 20% der im Ghetto arbeitenden Häftlinge im Gesundheitswesen beschäftigt waren.
Durch die „Herbsttransporte“ 1944 wurden innerhalb eines Monats über 18 000 Menschen nach Auschwitz deportiert, unter denen sich viele MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens befanden. Waren zuvor 720 Ärztinnen und Ärzte in Theresienstadt gewesen, so blieben von diesen nur noch 76 im Ghetto, was eine medizinische Versorgung der Häftlinge verunmöglichte.
Ab dem 20. April 1945 gelangten Evakuierungstransporte aus anderen Konzentrationslagern nach Theresienstadt. In Zuge dessen kamen 15 371 Häftlinge ins Ghetto, von denen sich die meisten in katastrophalem physischen Zustand befanden und eine Flecktyphusepidemie ins Lager brachten. Viele KrankenpflegerInnen, Ärztinnen und Ärzte arbeiteten daher noch Monate nach der Befreiung des Ghettos in Theresienstadt und versorgten die Kranken.
Als Teil der „Jüdischen Selbstverwaltung“ spiegelt das Gesundheitswesen auch die Zwangskooperation zwischen jüdischen Funktionäre und SS-Lagerkommandantur wider. Trotz verschiedener Hilfeleistungen und den Versuchen den Zwangsmaßnahmen entgegenzuwirken, waren sie gleichzeitig durch das System der SS immer gezwungen, am Vernichtungsprozess der Mithäftlinge mitzuwirken.
Die Versuche des Gesundheitswesens, Verbesserungen für die Häftlinge zu schaffen, wurden durch das Fehlen jeglicher Alternativen zu dieser „Zusammenarbeit“ mit der SS immer wieder unterbunden.
Darüber hinaus kehrten die nationalsozialistischen Ghettostrukturen die ärztlichen Werte um: Die körperliche Verfassung der Häftlinge war nicht nur für das Überleben, sondern auch für die Einreihung oder Nichteinreihung in die Ostentransporte entscheidend. Schwer kranke Häftlinge wurden deportiert, heilbare Häftlinge blieben in den Krankenstuben des Ghettos.
Bei größeren Ostentransporten musste aus jeder Abteilung eine gewisse Anzahl an Personen deportiert werden. Die Auswahl der konkreten PatientInnen und KrankenpflegerInnen oblag dabei den leitenden Ärztinnen und Ärzten.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Drittes Reich Holocaust Theresienstadt Gesundheitswesen
Autor*innen
Wolfgang Armin Schellenbacher
Haupttitel (Deutsch)
Das Gesundheitswesen im Ghetto Theresienstadt
Hauptuntertitel (Deutsch)
1941 - 1945
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
155 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Brigitte Bailer-Galanda
Klassifikation
15 Geschichte > 15.24 Zweiter Weltkrieg
AC Nummer
AC08377663
Utheses ID
11166
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
