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"Siedeln heißt nicht bauen, sondern viel mehr"!
Ideologietransfer im Siedlungsbau des Nationalsozialismus in Groß-Wien
Ingeburg Weinberger
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Peter Haiko
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.12674
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29368.76933.902066-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Arbeit untersucht die Frage, wie sich die nationalsozialistische Ideologie nach dem „Anschluss“ Österreichs an das deutsche Reich 1938 auf dem Gebiet des Wohn- und Siedlungsbaus in Groß-Wien vermittelt hat. Hier sind sowohl geplante Projekte als auch verwirklichte Bauvorhaben aufschlussreich. Die Recherche stützt sich besonders auf Wiener archivalische Dokumente und zeitgenössische Primärquellen. Kapitel I widmet sich der Lösung der Wohnungsfrage im Wien der Zwischenkriegszeit als Ausgangslage für die nationalsozialistische Machtübernahme. Zunächst wird der Gemeindebau des Roten Wien im politisch-historischen Kontext und unter ästhetisch-städtebaulichem Blickwinkel präsentiert. Die Lösung des austrofaschistischen Ständestaates durch Stadtrandsiedlungen und Familienasyle bereitete sowohl ideologisch als auch in der ästhetischen Ausformulierung das nationalsozialistische Siedlungskonzept vor. Kapitel II gibt einen Überblick über die Entwicklung im Deutschen Reich 1919 – 1938. Dort vollzog sich die Ablöse der interessanten, aber elitären Siedlungskonzepte des Neuen Bauens durch die Brüningschen Nebenerwerbssiedlungen mit Kleinhausideologie. Nach der „Machtergreifung“ 1933 gab es nicht nur einen Prioritätenwechsel – an die Stelle sozialer Maßnahmen, etwa des Wohnbaus, trat die Rüstung –, es kam auch zum Paradigmenwechsel: Statt Kleinsiedlung und Heimstätte propagierte man Volkswohnungen im Geschoßwohnungsbau im Rahmen des Vierjahresplans, der ab 1938 auch für Österreich verbindlich wurde. Kapitel III geht auf die Wohnungs- und Wohnbaupolitik der Nationalsozialisten von 1938 – 1945 in Wien näher ein. Nach der Entwirrung des komplizierten Kompetenzgeflechts der neuen Gemeindeverwaltung werden mit Schwerpunkt auf den politischen Entscheidungsträgern im Folgenden die Phasen des kommunalen Wohn- und Siedlungsbaus vom euphorischen Beginn bis zum völligen Erliegen überblicksweise dargestellt. Kapitel IV widmet sich explizit der Vermittlung der nationalsozialistischen Ideologie über Raumordnung und Siedlungsplanung, wie sie reichsweit propagiert und für Groß-Wien und die Ostmark adaptiert wurden. Die Ablöse der Leitbilder von Gartenstadt, Heimatschutz und landschaftsgebundenem Bauen durch die durchorganisierte „Ortsgruppe als Siedlungszelle“ mit zunehmender Vereinheitlichung und Rationalisierung lässt sich auch an den Entwürfen der in Wien tätigen Siedlungsplaner Georg Laub und Hanns Dustmann nachvollziehen. Kapitel V behandelt die im Raum Wien realisierten Projekte unter typologischem Aspekt und parteikonformer Zielsetzung. Die Siedlungen in Leopoldau, in Floridsdorf, auf dem Wienerfeld, in Guntramsdorf und im 13. 512 Wiener Gemeindebezirk werden einer ausführlichen Untersuchung mit Bild- und Planmaterial aus Wiener Archiven unterzogen. Lageplan, Hausform, die Wahl ästhetischer Elemente und ihre ideologische Interpretation sind Ausdruck „nationalsozialistischen Bauschaffens“. Dass sich die ideologische Indoktrination nicht nur auf den Siedlungsbau selbst beschränkte, sondern auch das gesamte private und gesellschaftliche Umfeld mit einbezog, bestätigen die Untersuchungen zu Gartenbau, zum Wohnen in den eigenen vier Wänden, zu Alltag und Feierabendgestaltung der Siedlungsbewohner. Wohnbau als „politische Waffe“ ist letztlich ein wichtiges Instrument für die Überzeugung der „Volksgenossen“ von der so genannten „Volksgemeinschaft“, die sich deutlich gegen den marxistischen Klassenkampf abgrenzt. Dieser Absicht unterliegen auch die in Wiener Siedlungsanlagen nachzuweisenden Planungen und marginalen Durchführungen von Gemeinschaftsbauten und -anlagen. Dass Siedlungsbau als soziale Verpflichtung zwar propagiert, aber tatsächlich als die am besten geeignete Maßnahme in Hinblick auf rassisch einwandfreien Bevölkerungszuwachs aus letztlich machtpolitischem Kalkül forciert wurde, kann mit Quellenmaterial auch für Wien nachgewiesen werden.
Abstract
(Englisch)
This study investigates the impact of National Socialist ideology on residential and housing settlement projects in Greater Vienna following the Anschluss of Austria to the German Reich in 1938. In this regard, both planned and realized building projects are instructive. The research is focused on archival documents of the city of Vienna and contemporaneous primary sources. Chapter I addresses solutions to the housing problem in Vienna during the period between the world wars as the point of departure for the National Socialists' assumption of power. Red Vienna's construction of communal housing is presented in a political-historical context and from an aesthetic, urban planning point of view. The Austrofascist Ständestaat's solution with suburban housing schemes and tenements was a precursor of the National Socialist housing concept in both ideological and aesthetic terms. Chapter II provides an overview of the trends in Germany from 1919 – 1938. During that period, the noteworthy, but elitist housing concepts of Neues Bauen were replaced by the Brüning smallholding scheme with its small dwelling units. Following the National Socialists' "seizure of power" in 1933, priorities shifted – social measures, e.g. residential construction, were replaced by rearmament –, as did paradigms: the four-year plan, which also applied to Austria starting in 1938, promoted public housing in multi-floor residences rather than small housing complexes and homes. Chapter III takes a closer look at the National Socialists' apartment and housing construction policies in Vienna from 1938 – 1945. After untangling the complicated mesh of the new local governments' responsibilities, the stages of communal residential and housing settlement construction are surveyed from their euphoric beginnings until they came to a complete standstill. The focus here is on the political decision-makers. Chapter IV is explicitly devoted to defining National Socialist ideology concerning regional and housing settlement planning as it was promoted throughout the Reich and adapted for Greater Vienna and Austria. The replacement of garden city, Heimatschutz and back-to-nature models by the well-organized Ortsgruppe als Siedlungszelle with its increasing standardization and rationalization is also reflected in the designs of Georg Laub and Hanns Dustmann, who were active in the planning of housing complexes in Vienna. Chapter V examines the projects realized in the Vienna area in terms of their typological aspects and objectives set along party lines. The housing settlements in Leopoldau, Floridsdorf, Wienerfeld, Guntramsdorf and in Vienna's district XIII are examined in more detail using pictures and construction plans from the archives of the city of Vienna. Site plans, house types, choice of aesthetic elements and their ideological 514 interpretation were an expression of National Socialist Bauschaffen. The fact that ideological indoctrination was not limited to the construction of housing complexes but extended to the entire private and social spheres is confirmed by research into the settlement residents' gardens, their daily and domestic lives and how they spent their leisure time. Residential construction as a "political weapon" is in the end an important instrument for persuading the Volksgenossen of the importance of the so-called Volksgemeinschaft, which is set in clear opposition to the Marxist class struggle. The plans and partial realization of communal facilities evidenced in Viennese housing settlements also illustrate this intention. Although housing settlement construction was promoted as a social obligation, source materials, also for Vienna, show that it was in fact championed as the best means for ensuring racially-pure population growth and for the appropriation of purchasing power from what was in the end a move to consolidate power.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
NS-Siedlungen Wien Ideologietransfer
Autor*innen
Ingeburg Weinberger
Haupttitel (Deutsch)
"Siedeln heißt nicht bauen, sondern viel mehr"!
Hauptuntertitel (Deutsch)
Ideologietransfer im Siedlungsbau des Nationalsozialismus in Groß-Wien
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
514 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Peter Haiko ,
Klara Löffler
Klassifikation
20 Kunstwissenschaften > 20.89 Kunstgeschichte: Sonstiges
AC Nummer
AC08407746
Utheses ID
11422
Studienkennzahl
UA | 092 | 315 | |
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