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"Wenn man weiß, was er mitgemacht hat, entschuldigt man alles!"
Frauen erzählen von ihrer Ehe mit einem Widerstandskämpfer
Margarethe Anzengruber
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Klara Löffler
DOI
10.25365/thesis.13073
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29592.41243.445854-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Interviews, die mit Ehefrauen von Widerstandskämpfern geführt wurden. Ihre Lebensgeschichte, ihre Erfahrungen und Erinnerungen haben in der Geschichtsschreibung bisher keinen Platz gefunden, diese Lücke galt es zu füllen, was sich zu Beginn der Recherchen, von denen im Eingangskapitel berichtet wird, recht schwierig erwies. Schwierig war es, noch Frauen zu finden, die mit Widerstandskämpfern verheiratet sind bzw. waren, und noch schwieriger, ihr Einverständnis zu erlangen, in einem Interview von ihrem Leben zu erzählen. Die Verweigerung war nur zum Teil ihrem hohen Alter zuzuschreiben, vielmehr war es ihre Überzeugung, dass sie nichts Erzählenswertes zu berichten hätten, war doch bisher nur das Wirken und Leben ihrer Männer für andere interessant gewesen.
Die Forschungsfrage ging von der Annahme aus, dass Ehen mit Widerstandskämpfern Besonderheiten aufweisen, die sie von „gewöhnlichen“ Ehen ihrer Generation unterscheiden – diese Annahme hat sich durch die Analyse der Interviews als richtig herausgestellt.
Alle Frauen kommen aus einfachen Verhältnissen, sie haben in ihren Familien und in ihrer Umgebung erfahren, was politischer Widerstand gegen ein totalitäres Regime bedeutet, sie haben die Verfolgungen ihrer Angehörigen und Freunde miterlebt. Sie selbst haben sich deshalb auch von der nationalsozialistischen Herrschaft klar distanziert und ihre antifaschistische Haltung ihr ganzes Leben lang beibehalten. Nach dem Krieg haben sie ihre späteren Ehemänner zumeist im Zusammenhang mit ihrer politischen Arbeit in der sozialdemokratischen, vor allem in der kommunistischen Partei kennen gelernt und später geheiratet.
Ausgehend von den Erzählungen dieses ersten Teils wird zunächst das Ehe- und Familienleben beschrieben, das den allgemeinen Vorstellungen und Normen einer guten funktionierenden Ehe entsprach. Der Fokus liegt dabei auf der Rolle der Frau, auf ihrer Stellung und ihren Aufgaben in der Familie, ihrer Doppelbelastung, aber auch auf ihrer Selbstbestätigung durch die Berufstätigkeit.
Im anschließenden Hauptteil der Arbeit werden aus den Erzählungen der Frauen die Besonderheiten der Ehe mit einem Widerstandskämpfer herausgearbeitet. Die Männer, die Gefängnis und Konzentrationslager überlebt haben, mussten mit ihren –meist uneingestandenen – Traumatisierungen im Leben zurechtkommen. Dies erforderte von den Frauen Fähigkeiten wie Verständnis, Nachsicht und Ertragen von schmerzlichen Erfahrungen, die über das normale Maß hinausgingen.
Die meisten Männer wurden nach ihrer Befreiung zur Verwirklichung ihrer politischen Ziele, für die sie gelitten hatten, mit großem Engagement in Organisationen der kommunistischen und sozialdemokratischen Partei aktiv. Die Familie nahm nur allzu oft eine untergeordnete Stellung ein, ein Umstand, der für die Frauen nicht nur physische, sondern vor allem psychische Belastungen und Anforderungen nach sich zog.
Jedes Erzählen vom eigenen Leben schließt auch ein Nachdenken, einen Rückblick mit ein. Die Reflexionen der Frauen über ein langes Leben, vor allem aber über die gemeinsamen Ehejahre mit einem Widerstandskämpfer werden in einem eigenen Kapitel analysiert. Dabei wird auf die Bereitschaft, aber auch auf die Verweigerung, sich an vergangene Ereignisse erinnern zu wollen, besonders eingegangen.
Jedes Interview bedeutet für die Befragten nicht nur eine inhaltliche Herausforderung – was soll und kann ich von mir preisgeben ¬–, sondern auch eine sprachliche: Wie kann ich von meinen Erfahrungen erzählen? Dieser Problematik ist der letzte Teil der Arbeit gewidmet.
Abstract
(Englisch)
The focus of the thesis are interviews with the wives of resistance fighters. Their biographies, experiences and memories have so far not found a place in historiography. This gap needed to be filled, which turned out rather difficult at the beginning of the enquiries. Details can be found in the introductory chapter. It was difficult to find women who are or rather were married to resistance fighters, and even more difficult to get their consent to tell about their lives. The refusal was only partly due to their old age, it was rather their conviction that they had nothing worth telling, as so far only the activities and lives of their husbands had been interesting for others.
The research question is based on the assumption that marriages with resistance fighters show special characteristics which distinguish them from ’ordinary’ marriages of their generation – an assumption that, through the analysis of the interviews, turned out to be correct.
All women came from humble backgrounds, they experienced in their families what it means to politically resist a totalitarian regime, and they witnessed their families’ and friends’ persecution. This is why they strongly distanced themselves from the Nazi regime and have maintained their anti-fascist attitude throughout their lives. In most cases they met their future husbands after the war in connection with their political work in the Social-Democratic, or mainly Communist Party and got married later.
The accounts in the first part are followed by descriptions of married life and family life, which complied with the general notions and norms of an efficient marriage. The focus is on the wives’ roles, positions and tasks within the family, their dual burden, but also on their self-affirmation through jobs.
Starting out from those narrative accounts, the following main chapter elaborates the special characteristics of a marriage with a resistance fighter. The husbands, who had all survived prison and concentration camp, had to cope with their traumatising – and often unacknowledged – experiences. The wives required capabilities like sympathy, indulgence and the bearing of painful experiences to a much higher extent than is normal.
After their release, most of the men became highly active in Communist or Social-Democratic party organisations in order to realise the political aims they had suffered for. Very often, the family had an inferior position, a fact that entailed not only physical but especially psychological strains and requirements for the women.
Telling about your own life always includes cogitation and retrospection. The women’s reflections on a long life, above all on the shared years of married life with a resistance fighter, are analysed in a separate chapter. Thereby, the issue of readiness, but also of refusal to want to remember past incidents, is addressed in detail.
For the interviewee, each interview is not only a challenge with regards to content – what should I and can I reveal of my experiences – but also with regard to language: How can I tell about my experiences. This difficulty is addressed in the concluding part of the thesis.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Frauen Widerstand Biographie Österreich
Autor*innen
Margarethe Anzengruber
Haupttitel (Deutsch)
"Wenn man weiß, was er mitgemacht hat, entschuldigt man alles!"
Hauptuntertitel (Deutsch)
Frauen erzählen von ihrer Ehe mit einem Widerstandskämpfer
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
244 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Klara Löffler ,
Margit Reiter
Klassifikation
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.99 Wissenschaft und Kultur allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC08458960
Utheses ID
11761
Studienkennzahl
UA | 092 | 308 | |
