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Die Konflikte zwischen der polnischen und der jüdischen Opfergruppe am Gedenkort Auschwitz unter Einbeziehung des Wandels des polnischen kollektiven Gedächtnisses von 1945 bis heute
Katharina Czachor
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Karin Liebhart
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.13727
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30384.53021.561563-2
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den Konflikten zwischen der polnischen und der jüdischen Opfergruppe in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz und beschäftigt sich mit folgenden Forschungsfragen: Wie wird mit der Gedenkstätte Auschwitz als Ort der Erinnerung von Polinnen, Polen, Jüdinnen und Juden, vor dem Hintergrund der Bedeutung von KZ-Gedenkstätten allgemein für das kollektive Gedächtnis und der Entwicklung der Gedenkstätte Auschwitz von 1945 bis heute umgegangen? Wie manifestiert sich die Konkurrenz zwischen den polnischen und jüdischen Opfern des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am Gedenkort Auschwitz? Ausgehend von der grundsätzlichen Bedeutung von KZ-Gedenkstätten, als Orte der Erinnerung und des Gedenkens an die ermordeten Opfer, als Mahnmale und kollektive wie auch individuelle Erinnerungsorte und auch als Projektionsflächen für politische Agenden, wird die Bedeutung der KZ-Gedenkstätte Auschwitz für die polnische wie auch die jüdische Opfergruppe sichtbar gemacht. Ein kurzer historischer Abriss über die polnisch-jüdischen Beziehungen in Polen beschreibt die bereits von jeher von zahlreichen Konflikten und Problemen gekennzeichnete gemeinsame Geschichte und setzt die Debatten der beiden Opfergruppen in der Gedenkstätte Auschwitz in einen historischen Kontext. Gleichermaßen wird auch die Entwicklung der Gedenkstätte und des Gedenkens in Auschwitz dargestellt und mit den Gedenkkonflikten der polnischen und jüdischen Opfergruppe in Verbindung gebracht. Dass sich die Konflikte zwischen der polnischen und der jüdischen Opfergruppe gerade an der Gedenkstätte Auschwitz entfachen, ist insofern nachvollziehbar, als Auschwitz der zentrale Ort des Gedenkens der Polen ist, an dem sich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg manifestiert. Er kann auch als eine Präsentationsplattform des polnischen „Opfermythos― gesehen werden und wird als Stätte des Martyriums der polnischen Nation bezeichnet. Das spezifische jüdische Schicksal hingegen nimmt eine marginale Rolle im polnischen Gedächtnis ein und ist im kollektiven Gedächtnis der Polinnen und Polen nicht 165 fest verankert. Für Jüdinnen und Juden ist Auschwitz jedoch der Ort der Vernichtung europäischen Judentums, an dem fast eine Million Jüdinnen und Juden ermordet wurden. Obwohl ein schrittweiser Prozess in Richtung Anerkennung anderer Opfergruppen bemerkbar ist, ist das Nebeneinander unterschiedlicher Erinnerungen vor allem im Fall der jüdischen Opfergruppe problematisch, da die jüdische Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust in Polen auch mit schmerzhafter Erinnerung an Denunziationen durch polnische Nachbarinnen und Nachbarn, das erlittene Leid auch durch polnische „Täterinnen und Täter― verbunden ist. Polen ist für die jüdische Opfergruppe auch Land des Holocaust. Die Anerkennung der jüdischen Opfer bzw. des besonderen Schicksals der jüdischen Opfer bedeutet auch gleichzeitig ein gewisses Schuldeingeständnis der polnischen Bevölkerung bzw. die Konfrontation mit der eigenen Schuld und mit der Infragestellung der alleinigen Opferrolle Polens.
Abstract
(Englisch)
This thesis deals with conflicts between Polish and Jewish victim groups at the Auschwitz Memorial and investigates attitudes to the memorial as a place of commemoration for Poles and Jews in the context of concentration camp memorials as a whole and their significance for the collective memory and the development of the memorial since 1945. It also studies the competition between Polish and Jewish victims of Auschwitz at the memorial site. Taking as a starting point the fundamental significance of concentration camp memorials as places of remembrance and commemoration of the murdered victims, as memorials and sites of collective and individual memory, but also as platforms for political agendas, the thesis discusses the significance of the Auschwitz Memorial for Polish and Jewish victim groups. A short historical review of existing Polish-Jewish relations in Poland reveals that their joint history has always involved conflicts and problems and puts the discussion by the two groups of victims at the Auschwitz Memorial into a historical context. The development of the memorial and of commemoration in 166 Auschwitz is also discussed in relation to the conflict of attitudes between the Polish and Jewish victims. It is understandable that this conflict should take place in and around the Auschwitz Memorial since Auschwitz is the main site in Poland commemoration and recollection of the Second World War. It may also be regarded as a platform for the Polish victimisation myth and is seen as a site of Polish national martyrdom. The specific fate of the Jews plays a marginal role in Polish commemoration and is not a fixed component of the Polish collective memory. For Jews, however, Auschwitz, where almost one million Jews were killed, is the foremost symbol of the extermination of European Jewry. Although there has been gradual progress towards the recognition of other groups of victims, the juxtaposition of different recollections is particularly difficult for Jewish victims because the Jewish recollection of the Second World War and the Holocaust in Poland is also connected with a painful memory of denunciation by Polish neighbours and suffering at the hands of Polish perpetrators. Jewish victims associate Poland with the Holocaust. Recognition of Jewish victims and their special fate is also seen in some way as an admission of responsibility by the Polish people and as a confrontation with their own guilt and the idea of Poland‘s role as a victim.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Auschwitz Poland Polish victim group Jewish victim group memorial site collective memory
Schlagwörter
(Deutsch)
Auschwitz Polen polnische Opfergruppe jüdische Opfergruppe Gedenkstätte kollektives Gedächtnis
Autor*innen
Katharina Czachor
Haupttitel (Deutsch)
Die Konflikte zwischen der polnischen und der jüdischen Opfergruppe am Gedenkort Auschwitz unter Einbeziehung des Wandels des polnischen kollektiven Gedächtnisses von 1945 bis heute
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
167 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Karin Liebhart
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.44 Sozialphilosophie ,
15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte
AC Nummer
AC08507544
Utheses ID
12336
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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