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La représentation des femmes noires dans les arts visuels dans la seconde moitié du XIXème siècle (la photographie et la peinture)
Inna Kyselova
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Michael Metzeltin
DOI
10.25365/thesis.13802
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30323.08930.953854-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die zweite Hälfte des XIX. Jahrhunderts stellte eine bedeutende Periode in der Geschichte Frankreichs und in ihrer Außenpolitik dar. Diese Zeit zeichnete sich durch die koloniale Expansion Frankreichs, vor allem in Nordafrika, die nicht nur politische und wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Folgen hatte, aus. Die Eroberung der neuen Länder bedeutete für die Franzosen die Möglichkeit, ihre Macht in Überseegebieten auszubreiten, und auch die Begegnung mit unbekannten Völkern und exotischen Kulturen.
Die Eindrücke von diesen Kontakten mit den Fremden fanden Ausdruck unter anderem in anthropologischen Werken und in der bildenden Kunst. Zu jener Zeit ließ sich in Frankreich sowie in anderen Ländern Europas die Entwicklung des rassistischen Denkens beobachten. Die Bewohner der unbekannten Kontinente waren für einige Wissenschaftler von besonderem Interesse, da der Vergleich von physiologischen Merkmalen verschiedener Individuen die Zuordnung zu verschiedenen Rassentypen ermöglichte. Diese wurden beispielsweise durch Messungen von Körperteilen oder Schädeln bei Angehörigen der neu entdeckten Völker bestimmt. Dabei wurden diese oft als minderwertige Wesen behandelt.
Die bildende Kunst ist ein weiterer Bereich, wo sich die Darstellung der unbekannten Fremde anbietet. Nicht nur Händler und Militärleute reisten in die neuen französischen Kolonien, sondern auch Dichter und Schriftsteller, Maler und Fotografen. Exotische Länder mit ihren Einwohnern, Sitten und Bräuchen, mit ihren Landschaften und ungewohntem Lebensstil faszinierten und inspirierten sie zur Schaffung von künstlerischen Werken. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Orientalismus – einer Strömung in Literatur und Kunst des XIX. Jahrhunderts, die durch das Interesse an Kulturen der arabischen Staaten Nordafrikas, vor allem des Maghrebs, sowie der Türkei gekennzeichnet ist.
Die Malerei und die Fotografie bieten dabei eine reiche Quelle der Darstellungen des Orients. Unter den bedeutendsten Malern, die die Werke mit orientalischen Motiven schufen, sind Jean-Auguste-Dominique Ingres, Eugène Delacroix, Théodore Chassériau, Jean-Léon Gérôme, Eugène Fromentin und Auguste Renoir zu nennen. Einen wichtigen Platz nimmt in der orientalischen Malerei die Darstellung der Frau ein. Die Odalisken von Ingres, die romantischen und sinnlichen Frauen von Delacroix und Chassériau spiegeln die Begeisterung für die Schönheit des weiblichen Körpers wider.
Jedoch handelt es sich bei diesen Darstellungen in der Regel um weiße Frauen. Sie werden dem Zuschauer als exotischer Schmuck der orientalischen Harems präsentiert. Kommen in orientalischen Gemälden schwarze Frauen vor, so stehen sie immer im Hintergrund als Sklavinnen oder Dienerinnen. Überdies wird nicht selten die Schönheit der weißen Frauen der Hässlichkeit der schwarzen Frauen gegenübergestellt.
Die Darstellungen von schwarzen Frauen finden sich auch in der Fotografie – einem neuen Medium, das sich in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts dank dem technischen Fortschritt zu einer selbstständigen Kunstart entwickelte. Die Besonderheiten der fotografischen Verfahren ermöglichten, im Gegensatz zur Malerei, Momentaufnahmen und im Allgemeinen eine lebensnähere und realistischere Darstellung des Alltags (auch wenn die ersten Fotoapparate langsam und kompliziert in der Bedienung waren); die Fotografien galten somit als wahrheitsgetreue Kopien der Phänomene der Wirklichkeit. Die (schwarzen) Frauen, die auf den Bildern der französischen Fotografen, die in die orientalischen Länder reisten, dargestellt sind, werden in der Regel als ethnografische Objekte, als Bestandteile fremder Kulturen gesehen.
Auch auf den Fotografien, die aus Fotostudios in Paris stammen, stellen Frauen ein beliebtes Motiv dar. Es handelt sich dabei meistens um Aktfotografien, die einerseits die romantischen Darstellungen von Odalisken in der Malerei nachahmen, aber andererseits eigene künstlerische Besonderheiten entwickeln. Schwarze Frauen kommen zu jener Zeit in der Fotografie in Frankreich sehr selten vor und werden in solchen Fällen eher als exotische Objekte angesehen.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde eine der Fotografien eines bekannten französischen Fotografen der behandelten Zeitperiode Félix Jacques Antoine Moulin einer ausführlichen Analyse unterzogen. Für diese Bildanalyse wurde ein Schema ausgearbeitet, das auf den Ansätzen der Textanalyse gründet. Es wurde
Félix Jacques Antoine Moulin, Etudes photographiques, 1853
davon ausgegangen, dass Bilder, genauso wie literarische Texte, lesbar sind. Sie können sich als eine reiche Informationsquelle erweisen, wenn die Symbolik der Bildgestaltung, der Perspektive, der Farben, der Gegenstände etc. sowie die Konnotationen im Bild entschlüsselt werden.
Die Analyse der vorliegenden Fotografie von Moulin zeigt den Einfluss der orientalischen Malerei auf die Fotografie in Paris an, worauf in erster Linie die Odalisken-Pose der weißen Frau, die Imitation eines Alkovens und die Leopardenhaut hindeuten. Jedoch ist hier nicht die weiße Frau ein exotisches Objekt, sondern die schwarze Frau, die durch ihre Hautfarbe als Vertreterin einer anderen Rasse wahrgenommen wird. Somit verweist die Fotografie, die im Prinzip dafür bestimmt ist, die gegenwärtigen Phänomene wiederzugeben, auf historische Ereignisse: auf die Sklaverei und das Leben der Schwarzen in Frankreich und in französischen Kolonien. Auf diese Weise liefert uns Moulin nicht nur ein künstlerisches Werk, sondern auch ein historisches Dokument. Wenn die Zuschauer von damals vor allem die weibliche Schönheit bewundern sollten, können wir heute über den Kontext der Schaffung dieses Bildes nachdenken.
Im Zuge weiterführender Recherchen wollen wir die Analyse der Bilder, in denen schwarze Frauen dargestellt sind, fortsetzen. Es wäre von besonderem Interesse, auf die Darstellung von schwarzen Frauen als Sklavinnen im Gegensatz zu den weißen Frauen als Herrinnen einzugehen – ein Motiv, das in vielen Werken orientalischer Maler vorkommt. Ein weiteres Gebiet für eine ausführliche Analyse wäre die Darstellung von schwarzen Frauen als ethnografischen Objekten durch reisende Fotografen, die diese Frauen als Elemente fremder Kulturen für sich entdeckten und deren Bilder an die französische Gesellschaft weiter vermittelten. Auch Bilder von schwarzen Frauen, die als Studiofotografien ausgeführt wurden, sind interessante Objekte der Analyse, da sich die Fotografie hier als Schnittstelle einer realitätsnahen und einer kreativen künstlerischen Darstellung erweist.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
black women 19th century photography painting
Schlagwörter
(Deutsch)
schwarze Frauen XIX. Jahrhundert Fotografie Malerei
Autor*innen
Inna Kyselova
Haupttitel (Französisch)
La représentation des femmes noires dans les arts visuels dans la seconde moitié du XIXème siècle (la photographie et la peinture)
Paralleltitel (Deutsch)
Die Darstellung von schwarzen Frauen in der bildenden Kunst der 2. Hälfte des XIX. Jahrhunderts (Fotografie und Malerei)
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
156 S. : Ill.
Sprache
Französisch
Beurteiler*in
Michael Metzeltin
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.08 Semiotik
AC Nummer
AC08484775
Utheses ID
12401
Studienkennzahl
UA | 236 | 346 | |
