Detailansicht
Heinrich Lefler und Alfred Roller als Bühnenbildner
ihre Neuerungen und Reformen an der k. k. Hofoper unter Gustav Mahler 1900 - 1909
Theresa Prammer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Annemarie Bönsch
DOI
10.25365/thesis.14021
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29272.47971.637361-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit behandelt die Kostüme Heinrich Leflers (1863-1919) und Alfred Rollers (1864-1935), welche sie in der Zeit zwischen 1900-1909 an der k.k. Hofoper unter Gustav Mahler (1860-1911) entwarfen und die sich zum Teil bis heute im Österreichischen Theatermuseum befinden.
Heinrich Lefler und Alfred Roller lebten beide im Wien des Fin de Siècle, sie waren bei der Etablierung des Jugendstils maßgeblich beteiligt, und propagierten durch ihr Schaffen die Moderne. Die Opernbühne war für beide eine Plattform, um ihre Kunst der Masse nahe zu bringen. Um die Neuartigkeit und Innovation ihres Werks verstehen zu können, wurden dem Hauptdiskurs ein Kapitel über die Entwicklung des Jugendstils und eines über das Leben und Schaffen Leflers und Rollers vorangestellt.
Unter Miteinbeziehung des textiltechnologischen Aspekts wurden die Kostümensembles, aber auch Kostümeinzelteile Leflers von den Neuinszenierungen Die Hugenotten, Die Königin von Saba und Tannhäuser behandelt. Die Diskussion zu Rollers Ausstattungen Don Giovanni, Lohengrin und Elektra wurde mit den Rosenkavalier-Kostümen und mit späteren Lohengrin-Inszenierungen ergänzt, um eine Weiterentwicklung des Künstlers zeigen zu können.
Durch den Vergleich der Lohengrin-Kostüme von 1906 mit jenen von 1924 und 1927 konnte eine leichte Veränderung des Stils in Bezug auf Präsentationsart der Entwürfe (welche früher klein und fein gezeichnet wurden), aber auch der Art der Verzierung beobachtet werden. War die Ornamentik in den frühen Werken Rollers auf eine Stelle am Kostüm konzentriert, wurden die späteren Lohengrin-Kostüme ganzflächig geschmückt. Diese Entwicklung ging einher mit jener des Jugendstils. Setzte die Kunstrichtung anfangs die Ornamente noch klar und auf einen Punkt konzentriert ein, wurden diese später, nachdem die Industrie den Stil vereinnahmte und die Verzierung flächig auf Gebrauchsgegenständen verteilte, ebenfalls von Künstlern reduzierter aber auf der Fläche zerstreut gestaltet.
Im Österreichischen Theatermuseum befinden sich nicht nur die Kostüme, sondern auch viele dazu gehörige Entwürfe und Fotografien, welche die SängerInnen in den Ausstattungen zeigen. Diese bildnerischen Vorlagen und Abbildungen wurden, falls vorhanden, in den Diskurs miteingebaut, um diesen abzurunden und um den Prozess von Entwurf bis zum Auftritt zu beleuchten.
Es wurden auf darstellerische Techniken der Entwürfe Rollers und Leflers eingegangen, um neben dem Vergleich der Kostüme trotz desselben Stils weitere Unterschiede herauskristallisieren zu können. Sind die Entwürfe Leflers zart und sorgfältig mit wässrigen Farben und dünner Tuschekontur gezeichnet, gestaltete Roller seine genau gegenteilig: er verwendete eine dicke und manchmal grobe Pinselkontur, sein Farbauftrag war kräftig und ausdrucksstark. Später hingegen näherte er sich dem Stil Leflers an, und hielt sich mit groben und großen Flächen sehr zurück, wie bei den Lohengrin-Entwürfen ersichtlich wurde.
Anhand des Kapitels über die allgemeine Entwicklung des Jugendstils konnten die neuen und reformorientierten Tendenzen, die sich durch zuerst Lefler und dann Roller auch auf der Bühne fanden, aufgezeigt werden. Ersichtlich wurden diese durch die neuartigen Schnitte der Kleidungsstücke, die oft an jene der Reformkleider, welche um die Jahrhundertwende entwickelt wurden, erinnerten. Aber auch der Einsatz von wenigen aber einschlägigen Ornamenten war eine Entwicklung, die dem neuen Stil zugeschrieben werden konnte.
Im Zuge der Forschung konnte auch auf textiltechnologische Details Rücksicht genommen werden. Es wurde gezeigt, dass die Kostüme im Gegensatz zu heute durchwegs mit sehr feinen und teuren Materialen, wie zum Beispiel brochierter Seide oder gewebten Gold- und Silberfäden, verarbeitet wurden. Diesen hochwertigen Rohstoffen sind auch die fast ausnahmslos guten Zustände der Kleider zu verdanken.
In dieser Arbeit konnten mittels des Kostüm- und Entwurfdiskurses zwei verschiedene Künstlertypen und ihre unterschiedlichen Charaktere mit Einbeziehung der biografischen Eckdaten und der geschichtlichen Abrisse gezeigt werden. Lefler und Roller waren sich in ihrem Stil sehr ähnlich, jedoch konnte ihr Gemüt nicht unterschiedlicher sein. Auch die Tatsache, dass Roller der „radikalen“ Secession, Lefler jedoch dem „milden“ Hagenbund angehörte, beides Austrittsbewegungen aus dem Künstlerhaus, unterstützt die Annahme ihrer reformerischen (Roller) und zurückhaltenden (Lefler) Einstellung und Gesinnung. Zwar wurden im Zuge dieser Arbeit keine zeitgeschichtlichen Zeugnisse zu deren Person und Charakter gefunden, doch ihre Art der Gestaltung verriet mehr, als am Beginn der Forschung vermutet wurde.
Abstract
(Englisch)
The present work describes the costumes of Heinrich Lefler (1863-1919) and Alfred Roller (1864-1935), which they designed at the k.k. Hofoper under Gustav Mahler (1860-1911) in the years between 1900-1909. Today these costumes belong and are held at the Österreichisches Theatermusem in Vienna.
Heinrich Lefler an Alfred Roller lived in Vienna at the high time of the Fin de Siècle. Both were deeply involved in the establishment of the Jugendstil in Vienna’s society as a distinct style. The opera was their platform to present their modern style to the masses. To be able to understand the creative quality of their costumes, two chaperts respectively about the development of the Jugendstil and the lives and work of Heinrich Lefler and Alfred Roller in addition to the opera have been prefixed.
Heinrich Lefler’s costumes from Die Hugenotten, Die Königin von Saba and Tannhäuser, as well as Alfred Roller’s dresses from Don Giovanni, Lohengrin and Elektra have been discussed under textiletechnological aspects. To see an enhancement of Rollers work, two younger Lohengrin-costumes and those of the famous Rosenkavalier were also included in the analysis.
Apart from the stage-clothing in the Österrreichisches Theatermuseum there can be found drafts and photographs, which show actors wearing these costumes. If artworks and pictures were available, they were included in this discussion and show the process from the draft of a costume to wearing it on stage.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
stage costume Lefler Heinrich Roller Alfred Österreichisches Theatermuseum Jugendstil Secession Hagenbund
Schlagwörter
(Deutsch)
Bühnenkostüm Lefler Heinrich Roller Alfred Österreichisches Theatermuseum Jugendstil Secession Hagenbund
Autor*innen
Theresa Prammer
Haupttitel (Deutsch)
Heinrich Lefler und Alfred Roller als Bühnenbildner
Hauptuntertitel (Deutsch)
ihre Neuerungen und Reformen an der k. k. Hofoper unter Gustav Mahler 1900 - 1909
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
145 S.. Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Annemarie Bönsch
Klassifikation
24 Theater > 24.29 Theater: Sonstiges
AC Nummer
AC08576706
Utheses ID
12600
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
