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Die Universität als Konzertsaal
die Rolle der Universität Wien als Teil des öffentlichen Wiener Musiklebens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Elisabeth Reisinger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Birgit Lodes
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.14051
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-16426.94816.242379-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Um die Jahrhundertwende 1800 hatte Wien seine Rolle als „Musikstadt“ Europas bereits etabliert und ein reiches und vielfältiges Musikleben entwickelt. Dennoch stand die Kaiserstadt in der Entwicklung eines öffentlichen Konzertbetriebs anderen Musikzentren Europas um einiges nach. Hauptgrund dafür dürfte wohl der hier etwas spätere Aufstieg des Bürgertums gewesen sein, doch fehlte ebenso ein wichtiges Element des „modernen“ Konzertwesens: ein eigener Konzertsaal. An diesem Punkt trat die Universität Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts ins öffentliche Wiener Konzertgeschehen ein und in den Jahren bis 1848 hatte sie in diesem Kontext eine durchaus interessante Rolle zu spielen. Um die Voraussetzungen der Universität als Konzertlokal zu veranschaulichen widme ich mich zunächst den räumlichen Gegebenheiten. 1756 wurde ein neues Universitätsgebäude eröffnet, dessen Errichtung durch das Kaiserhaus eng in Zusammenhang mit den universitätspolitischen Reformen des 18. Jahrhunderts stand. Durch die politischen Entwicklungen unter Maria Theresia und Joseph II. verlor die Universität an Eigenständigkeit und wurde zu einer Lehranstalt, die allein der Staatsraison dienen sollte. Und auch die Musik hatte hier keinen Platz mehr. Dennoch rückte der große Festsaal, den das neue Universitätsgebäude beherbergte, Anfang des 19. Jahrhunderts ins Interesse der Wiener Konzertveranstalter. Den ersten Schritt in diese Richtung setzten die sogenannten „Adeligen Liebhaberkonzerte“ 1807/08. Der Hauptorganisator dieser Unternehmung, Fürst Trauttmansdorff, konnte in seiner Position als Obersthofmeister Druck auf die universitären Entscheidungsträger ausüben, eine Bereitstellung des Festsaales erwirken und es scheint, als wäre er nicht unwesentlich daran beteiligt gewesen, Räumlichkeiten der Universität auch längerfristig für musikalische Veranstaltungen zu öffnen. Die „Adeligen Liebhaberkonzerte“ stellen jedoch nicht nur den Beginn öffentlicher Konzerte in der Universität dar, sondern auch den anhaltender Diskussionen darüber unter den Entscheidungsträgern. Die Mitglieder des Konsistoriums argumentierten auf interessante Weise und es kamen eine Reihe von Bedingungen zur Sprache, die es Konzertveranstaltern nicht einfach machten, eine Bewilligung für den Universitätssaal zu erlangen. Dennoch konnten einige Konzerte in der Universität realisiert werden, neben den „Adeligen Liebhaberkonzerten“ außerdem eine Saison der „Concerts spirituels“ sowie weitere Einzelkonzerte, unter anderem etwa organisiert von Beethoven, Dietrichstein und anderer Prominenz des Musiklebens jener Zeit. Daneben traten auch Angehörige der Universität im Wiener Konzertleben in Erscheinung. Während von Seiten der Studenten jedoch kaum öffentliche Konzerte veranstaltet wurden, nahmen jene der Witwenvereinigungen der Fakultäten durchaus eine bedeutende Stellung unter den Veranstaltungen im Universitätssaal ein. Letztlich bleibt zu fragen, wie sich die Ereignisse an der Universität in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun ins Wiener Musikleben einbetten lassen, etwa in Betrachtung der Rezeption des Festsaales als Musikstätte und im Vergleich mit anderen parallel verwendeten Konzertlokalen. Hier zeigt sich, dass in Bezug auf die Universität ganz typische Merkmale des öffentlichen Konzertwesens in Wien festgemacht werden können, aber auch gleichzeitig das Besondere dieser Situation herausgestellt werden muss. Die Universität Wien stellt also einen Mikro- im Makrokosmos des Wiener Musiklebens dar – mit typischen Charakteristiken, aber auch ganz speziellen Besonderheiten.
Abstract
(Englisch)
Around the year 1800 Vienna’s role as Europe’s “musical capital“ had already been established and a rich and varied musical life had started developing. But concerning public concert life the “City of the Emperor“ fell behind other European musical centres. The main reason for this was probably the late rise of the bourgeoisie, but there was one other important element of “modern” concert life missing: a specific concert hall. At that point the University of Vienna entered Vienna’s musical history und should play an interesting part in this matter from that moment on until 1848. To point out the conditions of the university as concert hall, I first should focus on the place itself. In 1756 a new university building was opened, which was connected closely to the reforms of university during the 18th century. As a result of the political developments under Maria Theresia and Joseph II. the university lost its independence and became an institution, which only should serve the state’s benefit. Furthermore there was no place for music in it anymore. But at the beginning of the 19th century the big festival hall, which was included in that new building, became interesting for viennese organizers of public concerts. The first step that was taken towards that direction was set by the so called “Adeligen Liebhaberkonzerte” in the years 1807/08. Prince Trauttmansdorff, who was the main organizer of that project, was able to use his high position at the imperial court for getting permission to use the festival hall, and it seems as if he played an important role in opening the university for musical events. The „Adeligen Liebhaberkonzerte“ did not only mark the start of public concerts at the university, but of long-lasting debates about it among the members of university as well. The “Konsistorium“ discussed those matters in a very interesting way und brought up certain conditions, which made it difficult for concert organizers to get a permission for using the festival hall. Nevertheless it was possible to realize an amount of concerts at the university. Apart from the “Adeligen Liebhaberkonzerten” there took place one season of “Concerts spirituels” and some concerts organized by prominent personalities of musical life like Beethoven or Dietrichstein. Apart from that some members of the university itself entered Vienna’s musical life. On the one hand the students themselves hardly organized any public concerts, but on the other hand musical events of the organizations for supporting widows of members of certain faculties played an important role among concerts at university. Last but not least there remains the question of how one should place those events at the university during the first half of the 19th century while looking at the university hall’s reception as „music room“ and comparing it to other “concert halls” used during that time. In doing so the University of Vienna seems to be a micro- in the macrocosmos of Vienna’s musical life – with typical characteristics as well as with specific pecularities.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
university Vienna musical life concert life public concert concert hall Biedermeier Vormärz
Schlagwörter
(Deutsch)
Universität Wien Konzertsaal Musikleben Konzertleben Konzertwesen öffentlich Konzert Biedermeier Vormärz
Autor*innen
Elisabeth Reisinger
Haupttitel (Deutsch)
Die Universität als Konzertsaal
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Rolle der Universität Wien als Teil des öffentlichen Wiener Musiklebens der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
111 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Birgit Lodes
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.99 Wissenschaft und Kultur allgemein: Sonstiges ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges ,
20 Kunstwissenschaften > 20.24 Gesellschaft, Kultur ,
24 Theater, Film, Musik > 24.50 Historische Musikwissenschaft
AC Nummer
AC08494960
Utheses ID
12623
Studienkennzahl
UA | 316 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1