Detailansicht
Dolmetschen in Krisenregionen
komplexe Prozesse in einer dynamischen Grauzone
Daniel Stevens
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Betreuer*in
Franz Pöchhacker
DOI
10.25365/thesis.14884
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30078.06871.483970-6
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Masterarbeit behandelt die Thematik des Dolmetschens in Krisenregionen, welches hier das Dolmetschen bei Naturkatastrophen, technischen Unfällen, Kriegen und Konflikten umschreibt. Diese Untergruppen des Setting lassen sich durch das internationale Krisenmanagement sowie durch das Konzept des „Ausnahmezustandes“ analytisch miteinander verbinden. Das Krisendolmetschen wird in Bezug auf die Dolmetschwissenschaft als „Grauzone“ wahrgenommen, in welcher die Rolle der DolmetscherInnen sowie Ansätze zur Berufsethik keinen klaren Linien folgen und sich nicht in die „klassischen“ Raster der Disziplin einordnen lassen. Um KrisendolmetscherInnen jedoch thematisieren zu können, müssen zuvor sämtliche dolmetschenden Individuen in Krisenregionen als DolmetscherInnen identifiziert werden. Nach einer dolmetschwissenschaftlichen Analyse folgt in einem nächsten Schritt eine interdisziplinäre Synthese mit Konzepten verschiedener, sozialwissenschaftlicher Disziplinen: besonders Identität, Rolle und Macht werden hierbei zuerst allgemein untersucht, um sodann zu einer auf globaler Ebene relevanten sowie rezenten Sichtweise zum Dolmetschen in Krisenregionen zu gelangen. Als Konsequenz fehlender, dynami-scher Analyseinstrumente wird der bzw. das „Dolmetschmoment“ eingeführt, welches KrisendolmetscherInnen als eigenständige Rollen „mitten in der Schnittmenge“ der Kommunikationssituation verortet, in welcher sie zwischen durchlässigen, dynamischen und durch längerfristige Prozesse beeinflusste Konzeptionen der involvierten Parteien agieren. Die behandelten Erkenntnisse werden im nächsten Teil anhand von Fallbeispielen dargestellt, auf Parallelen zwischen den Beispielen untersucht und auf ihre Implikatio-nen für die Berufsethik geprüft. Neben dem Balkankonflikt und dem Katastrophenmanagement in der Türkei stellen bewaffnete Konflikte bzw. Kriege „Westen“ und dem „Orient“ in Form Afghanistans und des Iraks ein spezielles Beispiel dar. Erweitert durch die Situation für DolmetscherInnen in Guantanamo Bay, richtet sich der Fokus auf das US-amerikanische Programm des „human terrain system“. Während hier KrisendolmetscherInnen und Kultur- und SozialanthropologInnen in Teams zusammenarbeiten und ähnliche Funktionen erfüllen, werden Entwicklungen zur Berufsethik innerhalb der Dolmetschwissenschaft anhand von Reaktionen von VertreterInnen der KSA in Frage gestellt und sodann mit verschiedenen Herangehensweisen aus der Dolmetschwissenschaft verglichen. In diesem Sinne werden für das Krisendolmetschen Veränderungen sowohl innerhalb der Dolmetschwissenschaft, als auch bei den Berufscodices der Berufsverbände als nötig erachtet, um der Komplexität dieser Tätigkeit vollends gerecht zu werden. Zwar werden normativ genutzte, berufsethische Richtlinien nicht kategorisch abgelehnt, jedoch bedürfte es hierfür weiterer wissenschaftlicher Forschung.
Abstract
(Englisch)
The present thesis deals with questions of interpreting in regions of crisis. Such regions suffer consequences of disasters, technical catastrophes, conflicts or wars and show the same characteristics of international crisis management as well as concepts of so-called “states of emergency” or “states of exception”. Crisis interpreting turns into an analytic “grey area” in which the roles and role perceptions of interpreters and approaches to professional ethics are blurred. Interpreting studies, therefore, find it impossible to categorize this particular version of interpreting in terms of “traditional” approaches and theories. As crisis interpreters usually are not professionals, the first step to a sound analysis of the working conditions of crisis interpreters is to regard all interpreting per-sons - regardless of their education or experiences – as interpreters. After this first step, new concepts and ideas derived from different disciplines of the social sciences are introduced. Such an interdisciplinary approach allows new analytic connections to ideas of identity, role, power and thoughts on globalization and transnational migration. The used concepts, therefore, become more dynamic, fluid and complex in nature and are connected in the new idea of an “interpreting moment(um)”. Here crisis interpreters are perceived as independent social actors with independent roles located “directly at the intersection” of communication situations. In this grey area, they work in and between permeable, dynamic and complex grey areas of the interlocutors’ identities, languages and cultures. These insights are then put to the test of various independent case studies: the Balkan War, disaster management in Turkey, and perceptions of “the east” and “the west” in the wars of Afghanistan and Iraq. While also dealing with interpreters and in-terpreting conditions at Guantanamo Bay, the focus then shifts to the US-American “human terrain system”. This program does not only include soldiers but also interpreters as well as social and cultural anthropologists. This is why different approaches of the relevant disciplines are compared with regard to questions of identity and professional ethics. In a nutshell, professional ethics and codes of conduct usually cannot grasp the complex nature of crisis interpreting. While various attempts to solve this problem are presented, it becomes clear that crisis interpreting and its various subcategories need more and proper research to be fully understood. Once achieved, new professional ethics could be successfully developed. For the moment, however, crisis interpreters have no choice or guidelines but to act to their best knowledge and belief.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
interpreting interpreter crisis region disaster conflict war identity role professional ethics globalization
Schlagwörter
(Deutsch)
Dolmetschen DolmetscherIn Krisenregion Katastrophe Konflikt Krieg Identität Rolle Berufsethik Globalisierung
Autor*innen
Daniel Stevens
Haupttitel (Deutsch)
Dolmetschen in Krisenregionen
Hauptuntertitel (Deutsch)
komplexe Prozesse in einer dynamischen Grauzone
Paralleltitel (Englisch)
Interpreting in crisis regions ; complex processes in a dynamic grey area
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
190 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Franz Pöchhacker
AC Nummer
AC09431041
Utheses ID
13360
Studienkennzahl
UA | 065 | 342 | 348 |
