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Orte des Schreibens
das Wiener Kaffeehaus im Wien zwischen 1890 und 1938 als Krisen- und Abweichungsheterotopie
Magdalena Maria Elisabeth Heinich
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Roland Innerhofer
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30180.20294.950359-1
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit geht auf Forschungsinhalte der Literatursoziologie sowie der Heterotopologie Michel Foucaults ein. Sie streift außerdem Bereiche der Sprachgeschichte und Philosophie. Ausgehend von der Bezeichnung „Kaffeehausliteratur“ als Beschreibung eines bestimmten literarischen Stils wird angenommen, dass das Wiener Kaffeehaus im untersuchten Zeitabschnitt von 1890 bis 1938 für den dichterischen Schaffensprozess (den Schreibakt miteinbezogen) von außerordentlicher Relevanz war. Es wird die These aufgestellt, dass die Beliebtheit des Wiener Kaffeehauses bei den Schriftstellern auf dessen heterotopische Eigenschaften zurückführbar ist. Michel Foucaults Heterotopologie (die „Lehre von den anderen Räumen“) liefert das theoretische Gerüst für den Aufbau dieser Arbeit, die sich insbesondere an Foucaults erstem Grundsatz für Heterotopien orientiert: Heterotopien sind Orte, die Menschen in Krisenmomenten aufsuchen oder, wenn sie Merkmale aufweisen, die von ihrer Bezugsgemeinschaft als Abweichungen kategorisiert werden. Das Ziel war, das Kaffeehaus in Wien sukzessive als solch eine Krisen- und Abweichungsheterotopie zu „entschlüsseln“. Davon ausgehend sollte das ihm innewohnende Potenzial als Heterotopie (im Vergleich zu herkömmlichen Plätzen des öffentlichen städtischen Raumes) als ausschlaggebendes Moment der Attraktivität und Faszination des Wiener Kaffeehauses bewiesen werden. Texte der Wiener Kaffeehausliteraten, die ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Erlebnisse in ihrem Stammcafé verarbeiteten, wurden dafür ausgewertet. Die Ergebnisse der Analyse präsentiert diese Arbeit in zwei Teilen: Zu Beginn werden jene Krisen, denen sich die Dichter als Teil der Wiener Bevölkerung gegenübergestellt sahen, dargestellt und Abweichungsformen, die u.a. auf die Literaten im Wiener Kaffeehaus zutrafen, aufgezeigt. Anschließend werden die Ausführungen in den Kontext des Wiener Kaffeehauses gestellt. Durch die Zusammenführung dokumentiert die vorliegende Arbeit die Heterotopie „Wiener Kaffeehaus“ als einen Zwischenraum, einen „Korridor“ zwischen dualistischen Positionen. Anhand konkreter Beispiele wird u.a. dargelegt, dass diese Lokalität das Prinzip des Sowohl-als-auch vertritt. Durch diese Zwitterhaftigkeit besetzt es eine Sonderstellung im Raumgeflecht. Sein ambi-valenter Charakter erlaubt, dass das Wiener Kaffeehaus gleichzeitig mehrere, auch gegensätzliche Bedürfnisse seiner Gäste befriedigen kann. Die unkonventionelle literarische Boheme wählte das Kaffeehaus als Lebens-Raum, da es ihrem Bedürfnis nach Flexibilität und Stabilität in gleicher Weise entgegenkam. Die Formel: „Ich bin immer für dich da“ drückt eine Bedingungslosigkeit aus, wie sie nur im Wiener Kaffeehaus anzutreffen war. Sie inkludiert Optionen – im Falle der Wiener Literaten die Möglichkeit, den Kaffeehausraum als Schreibzimmer benutzen zu können.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Heterotopie Wiener Kaffeehaus
Autor*innen
Magdalena Maria Elisabeth Heinich
Haupttitel (Deutsch)
Orte des Schreibens
Hauptuntertitel (Deutsch)
das Wiener Kaffeehaus im Wien zwischen 1890 und 1938 als Krisen- und Abweichungsheterotopie
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
251 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Roland Innerhofer
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.31 Metaphysik, Ontologie ,
08 Philosophie > 08.32 Erkenntnistheorie ,
08 Philosophie > 08.34 Sprachphilosophie ,
08 Philosophie > 08.42 Kulturphilosophie ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.91 Literatursoziologie ,
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.30 Naturwissenschaften in Beziehung zu anderen Fachgebieten
AC Nummer
AC07059839
Utheses ID
1365
Studienkennzahl
UA | 332 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1