Detailansicht

Ein so gespenstisches Wissen
darwinistische Anthropologie als Strukturprinzip naturalistischer Dramatik
Benjamin Brückner
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Werner Michler
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.15259
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30052.91673.623763-5
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Meine Arbeit ist im weiteren Kontext der literatur- bzw. kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Literatur und Wissen/Wissenschaft angesiedelt. Sie beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen dem literarischen Naturalismus und einer modernen Anthropologie, wie sie durch den Darwinismus erarbeitet und propagiert wurde. Ihr Zentrum bildet die Erarbeitung eines narrativen Schemas, das ich in Anlehnung an Northrop Frye den ‚Mythos der Genealogie’ nenne. Er fungiert als Gelenkstelle und Vermittlungsinstanz, durch die das darwinistische Wissen vom Menschen und das Drama des Naturalismus aufeinander beziehbar werden und zwar jenseits einer bloßen Motiv-, Wiederspiegelungs- oder Einflussforschung. Die Besprechung und Analyse von Darwins Entstehung der Arten dient als Ausgangspunkt und Vorbereitung der Diskussion von anthropologischen Texten des Darwinismus (Haeckels Natürliche Schöpfungsgeschichte, Huxleys Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur und Darwins Die Abstammung des Menschen), in denen ein Bild vom Menschen gezeichnet wird, das ihn radikal dadurch von sich selbst entfremdete, dass das Tier zum Teil der menschlichen Geschichte wurde. Dies ist der Grundgedanke der darwinistischen Anthropologie, darwinistische Anthropologien sind, indem sie die Genealogie des Menschen erzählen, idealiter seine narrative Entfaltung. Aber was die Wissenschaft aus verschiedenen Gründen nur in Ansätzen leisten konnte, das sollte in modifizierter Form zu einem bestimmenden Topos der Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden. Die Dissoziation, die der Mensch durch das Tier erleidet, erleiden auch, wenngleich nicht durch dieses, sondern durch familiäre, gleichwohl genealogische Beziehungen, Figuren der Literatur. Die Frage nach den Konsequenzen, die eine Implementierung des anthropologischen Wissens des Darwinismus in die Literatur – über den genealogischen Mythos – für Form und Struktur des Dramas nach sich zieht, wird abschließend an Henrik Ibsens Gespenstern und Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenaufgang erläutert.
Abstract
(Englisch)
My thesis is situated in the broader context of the discussion of the intersection between literature and science in literary and cultural criticism. More specifically, it is concerned with the relationship between naturalistic literature and Darwinian anthropology. The primary concern of the thesis is the development of a narrative scheme that I call, following Northrop Frye, the genealogical myth. This genealogical myth functions as the medium with the help of which structural parallels between Darwinian knowledge of man and the drama of naturalism can be described. The analysis of Darwin’s On the origin of species serves as the starting point for the discussion of three Darwinian anthropological texts (Haeckel’s Natürliche Schöpfungsgeschichte, Huxley’s Man’s place in nature and Darwin’s The descent of man) that propagate a specific image of man. According to this image, man is alienated from himself because he must recognise that the animal is part of his own history. This is the fundamental idea of Darwinian anthropology. Explaining man's genealogy, Darwinian anthropologies present this idea of alienation in the form of a narrative. However, science's attempts at developing this narrative remained insufficient and were supplemented by literary texts. Characters in several naturalistic literary plays suffer from a similar sense of alienation. However, their feeling of alienation is not caused by their relation to animals but by their family relationships. Taking a closer look at Henrik Ibsen’s Ghosts and Gerhart Hauptmann’s Before Sunrise, the final chapter explains the consequences regarding the dramatic form and structure that are entailed by implementing Darwinian anthropological knowledge in literature via the genealogical myth.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Darwinismus Naturalismus Hauptmann Vor Sonnenaufgang Ibsen Gespenster Literatur und Wissen Vererbung
Autor*innen
Benjamin Brückner
Haupttitel (Deutsch)
Ein so gespenstisches Wissen
Hauptuntertitel (Deutsch)
darwinistische Anthropologie als Strukturprinzip naturalistischer Dramatik
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
96 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Werner Michler
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.82 Dramatik ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur
AC Nummer
AC08706497
Utheses ID
13691
Studienkennzahl
UA | 332 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1