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Konzentriert und parallel Diagnosen zum Raum und zur Zeit der Gegenwart und ihre gesellschaftliche, baukulturelle und architekturpolitische Bedeutung
Eva Gabriela Stiermayr
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Hermann Mückler
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.15630
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30091.48847.309264-6
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Am Beginn der vorliegenden Arbeit steht eine persönliche Erfahrung: die eigene Wahrnehmung von und der Umgang mit Raum und Zeit bestimmen maßgeblich das eigene seelische Wohlbefinden und das Gefühl des In-die-Welt-gesetzt-Seins. Davon ausgehend kann sich aus kulturanthropologischer Perspektive die Frage nach der Bedeutung unseres kulturell geprägten Verständnisses von Raum und Zeit für die Schaffung von Orientierung, Koordination und Integration, für die Herausbildung eines gesellschaftlichen Miteinanders in der Gegenwart stellen. Jene Vorstellungen von Raum und Zeit, die im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen, sind zeit-räumliche Begriffe und Befunde mit großer Aktualität: die Gefahr der Verdichtung, Schrumpfung und Vernichtung von Raum und Zeit, Entzeitlichung und Enträumlichung. Dabei ist Bewegung die Kernkategorie, die es begreiflich macht, zeitliche im Zusammenhang mit räumlichen Vorstellungen und vice versa zu untersuchen. Die Bedeutung dieser abstrakten Begriffe für unser gesellschaftliches Zusammenleben durch eine kulturanthropologischen Perspektive und Bezugnahmen auf praktische Beispiele aus der österreichischen Baukultur und Architekturpolitik verständlich zu machen, stellt die zu bewältigende Herausforderung dar. Für die Auswahl dieser Beispiele ist in erster Linie maßgeblich, welche gesellschaftlichen, baukulturellen und architekturpolitischen Themen die medialen Debatten der letzten Jahre prägen, polarisieren und bei genauerer Betrachtung unhinterfragt Diagnosen präsentieren. Zur Sprache kommen insbesondere die Gefahr der räumlichen Konzentration bestimmter Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitiger Betonung der Notwendigkeit von Dichte für das Verständnis von Stadt, die Angst vor der Schrumpfung von Räumen und Ausdehnung islamischer Sakralbauten, die bewusste Errichtung und Verhinderung von Räumen „außerhalb“ von Raum und Zeit und der Umgang mit dem Aufsuchen dieser. Die sozial- und kulturanthropologischen Dimensionen dieser Arbeit sind damit leicht erklärt: es sind dies die Anerkennung von Raum und Zeit als sozial und kulturell verhandelte Kategorien, eine Perspektive auf Baukultur und Architekturpolitik, die nach ihren Intentionen für das gesellschaftliche Miteinander fragt und der dabei im Fokus stehende Umgang mit dem „Fremden“. Die Interpretationen des kulturellen Konstruierens von Raum- und Zeitbegriffen erfolgen demnach stets vor der Folie der österreichischen Integrationspolitik. Vor allem angesichts der Vernetzung von Stadtplanung, Wohnen, Integration und Migration besteht die Notwendigkeit, unsere materiell fassbaren menschlichen Handlungsräume aus einer solchen Perspektive zu betrachten. Damit können mit den in dieser Arbeit aufgegriffenen Beispielen eindeutig die Überlegungen jener AutorInnen bekräftigt werden, die objektivistischen Perspektiven auf Raum und Zeit misstrauen und von Raum- und Zeiterfahrungen als kulturell geprägte und kollektive Schöpfungen ausgehen. Raum und Zeit in den Worten Norbert Elias‘ als kultur- und epochenspezifische Wissensform zu verstehen und in den Diskurs über unser gegenwärtiges gesellschaftliches Zusammenleben einzubinden, ist demnach von grundlegender Bedeutung, um Diskussionen über Verdichtung, Schrumpfung, Entzeitlichung und Enträumlichung und deren gesellschaftliche, baukulturelle und architekturpolitische Bedeutung präziser führen zu können.
Abstract
(Englisch)
At the start of the following thesis, is a personal experience: that it is one’s awareness of and way of dealing with space and time that dictate one’s own spiritual wellbeing and the feeling of the place where one is in the world. It can be argued from the cultural-anthropological perspective that one needs to ask what is the meaning of our culturally influenced understanding of space and time in the creation of orientation, coordination and integration, for the development of social cooperation in the present. All of the perceptions of space and time which are central to this thesis are time-space definitions and findings with a high level of relevance: the danger of the overconcentration, shrinkage and destruction of space and time - detemporalization, and disembeddedness. Thus, movement is the core category that makes it possible to research temporal perceptions together with spatial perceptions and vice versa. To make the meaning of this abstract concept understandable for our social cohabitation using the cultural-anthropological perspective and references pertaining to practical examples in Austrian architecture and architectural policy is a considerable challenge. The selection of examples is predominately based on the idea to present which social, architectural and architecture policy themes have influenced media debates in recent years, have polarized and, on closer inspection, have presented unquestioned diagnoses. For example, subjects such as the danger of the spatial concentration of specific population groups with the simultaneous stress on the need for density for the understanding of the city, the fear of the shrinkage of spaces and the expansion of Islamic places of worship, the deliberate erection and prevention of spaces “outside” space and time and dealing with visiting these locations. The social and cultural-anthropological dimensions of this work can be explained easily: they are the recognition of space and time as socially and culturally negotiated categories, a perspective of architecture and architecture policy that questions the intention of social cooperation and the focus on dealing with the “foreign”. Thus, interpretations of culturally construed space and time terms are always made against the backdrop of Austrian integration policy. Above all, in the face of a network between town planning, living, integration and migration, there is the necessity to examine our materially tangible, human areas of action from such a perspective. Thus, using the examples described in this thesis, it is possible to clearly support the ideas of those authors who mistrust objectified perspectives of space and time and represent the theory that experiences in space and time are influenced by culture and are created collectively. In the words of Norbert Elias‘ for space and time to be understood as culturally and epoch-special forms of knowledge and be brought into the discourse of social cohabitation on our present-day, it is of fundamental significance to discuss concentration, shrinkage, detemporalization and disembeddedness, as well as their meaning for society, architecture and architectural policy.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
building culture architecture policy Austria space time concentration shrinkage detemporalization disembeddedness parallel societies integration
Schlagwörter
(Deutsch)
Baukultur Architekturpolitik Österreich Raum Zeit Verdichtung Schrumpfung Enträumlichung Entzeitlichung Parallelgesellschaften Integration
Autor*innen
Eva Gabriela Stiermayr
Haupttitel (Deutsch)
Konzentriert und parallel Diagnosen zum Raum und zur Zeit der Gegenwart und ihre gesellschaftliche, baukulturelle und architekturpolitische Bedeutung
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
213 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Hermann Mückler ,
Erich Lehner
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.87 Architektur, Bauen, Wohnen
AC Nummer
AC08757500
Utheses ID
14022
Studienkennzahl
UA | 092 | 307 | |
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