Detailansicht
Präsentismus - ein Phänomen im Wirkungsfeld von Arbeit, Organisation, Individuum und Erkrankung
Eva-Maria Jungreuthmayer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Christian Korunka
DOI
10.25365/thesis.16148
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30221.64348.776261-9
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Intention der Studie - Präsentismus wurde in der vorliegenden Arbeit bezüglich seiner Definition, Erfassung, Einflussfaktoren und Folgen beleuchtet. Präsentismus unterliegt noch keiner einheitlichen Definition, kann aber subsumierend als Erfüllung der Arbeitspflicht unter körperlicher oder psychischer Erkrankung oder Belastung beschrieben werden. Ziel der Studie war eine umfassende Aufarbeitung der bisher publizierten Forschungsliteratur und die Durchführung einer explorativen, qualitativen Erhebung, die zur Generierung von Forschungsanregungen für weitere Arbeiten beitragen sollte.
Methode - Um den Bekanntheitsgrad des Begriffes und Einschätzungen bezüglich des Phänomens „Präsentismus“ unter Experten des betrieblichen Gesundheits- und Personalwesens zu erfassen, wurden 18 halbstrukturierte Interviews durchgeführt. Neben einer inhaltsanalytischen Auswertung kamen danach auch gruppenspezifische Vergleiche zur Anwendung.
Ergebnisse - Die inhaltsanalytische Auswertung der transkribierten Gespräche führte sowohl zur Bekräftigung bisheriger Vermutungen als auch zu einer Identifizierung neuer themenrelevanter Aspekte. Bezüglich der Definition von Präsentismus zeigte sich ein Trend zu einer Erweiterung desselben – Präsentismus ereignet sich laut einigen Befragten nicht nur im Falle einer diagnostizierbaren Erkrankung sondern auch unter anderen Belastungszuständen. Des Weiteren stelle Präsentismus auch einen emotionalen Zustand dar, bei dem das andauernde Gefühl, seiner Arbeitsplicht nachkommen zu müssen, präsent sei. Die maßgeblichen Einflussfaktoren von Präsentismus teilen sich in personen-, arbeits- und gesellschaftsbezogene Variablen. In den Gesprächen wurde vor allem der Arbeitsplatzunsicherheit, den individuellen Arbeitseinstellungen, dem Krankheitstypus und der Organisationskultur eine große Relevanz bezüglich des Auftretens von Präsentismus zugesprochen. Einen wichtigen Beitrag konnte die durchgeführte Studie zur zukünftigen Erforschung der Folgen von Präsentismus leisten. Präsentismus ist nicht nur für die Gesundheit der Betroffenen und das Budget des Unternehmens relevant, sondern kann eine Reihe weiterer Konsequenzen mit sich bringen, die die Unternehmenseffizienz und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden bedrohen. Neben der Verbreitung von Infekten wird von den Experten auch eine massive Verschlechterung des Arbeitsklimas und starke Einbußen bezüglich der Produkt- und Dienstleistungsqualität befürchtet.
Conclusio - Präsentismus ist weder in der Wissenschaft noch in der Praxis ein einheitlich definiertes Konstrukt. Die wenigen bisherigen Untersuchungen basieren auf einer mangelhaften Erfassung des Phänomens und gehen nicht auf die Definitions-Problematik ein. Deshalb wird in der vorliegenden Arbeit eine neue, weiterentwickelte Definition von Präsentismus vorgestellt. Im Weiteren fehlt es an anwendungsorientierten Erhebungen, die Präsentismus für Unternehmen greifbar machen und eine ausführliche Analyse der arbeits- und organisationspsychologischen Faktoren als Ursache von Präsentismus beinhalten. Eine umfassende und ressourcenorientierte betriebliche Gesundheitsförderung sowie die Analyse der Leistungsfähigkeit und Gesundheit der MitarbeiterInnen kann nicht ohne eine differenzierte Betrachtung von Präsentismus stattfinden – ansonsten droht eine folgenschwere Fehlinterpretation von Firmendaten, Krankenstandszahlen und somit auch eine erfolglose Implementierung von teuren Maßnahmen. Die Folgen von Präsentismus reichen von individueller Schädigung der Gesundheit bis hinzu weitreichenden Einbußen in der Unternehmenseffizienz. Gerade in alternden Gesellschaften steigt die Bedeutung der Förderung der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden, die in ihrem Berufsleben sehr häufig mit Präsentismus konfrontiert sind.
Abstract
(Englisch)
Purpose - In this study, presenteeism has been investigated regarding its definition, measurement, influencing factors and consequences. Although presenteeism is not a consistently defined term, it can generally be described as pursuing your work tasks while suffering from a physical or mental health condition or impairment. Besides a small review of presenteeism-literature, this paper presents the outcome of a qualitative survey.
Method - To capture the awareness level concerning the definition of presenteeism and its affected concomitants of experts working in Health- and Human Resource Management, 18 interviews have been conducted. The transcribed interviews have been appraised by qualitative content analysis.
Results - The findings did not only confirm previous assumptions, but helped identify new relevant aspects related to presenteeism. A trend towards a broader definition of the term could be observed. Interviewees have stated that presenteeism does not only occur if a person suffers from a medically diagnosed health issue, but also if he is affected by other liabilities. Additionally, presenteeism can also be seen as an emotional state, under which an employee feels a constant urge to fulfill his duties at work. Concerning the influencing factors of presenteeism, experts revealed the importance of workplace insecurity, individual attitudes to work, the type of illness and the organizational culture surrounding an employee. This study has also been able to contribute interesting, so far not outlined consequences of presenteeism. These are not only of health-related or cost-related matter; presenteeism can also affect other areas of an enterprise. The interviewees appraised that it can have a negative influence on the working atmosphere and a severe effect on the quality of an organizations products or services.
Conclusion – Presenteeism is not a well-known, precisely defined term, neither in the scientific community nor in practice. To date, the majority of the studies with reference to presenteeism are conducted with an insufficient measurement method and do not examine the definition of presenteeism. In the current study, a new definition is presented that should be considered in future research. To prevent the misinterpretation of company-related data, presenteeism has to become a fundamental part of every organizations health management.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Presenteeism Organizational Psychology Human Resource Management
Schlagwörter
(Deutsch)
Präsentismus Arbeits- und Organisationspsychologie Betriebliche Gesundheitsförderung Personalmanagement
Autor*innen
Eva-Maria Jungreuthmayer
Haupttitel (Deutsch)
Präsentismus - ein Phänomen im Wirkungsfeld von Arbeit, Organisation, Individuum und Erkrankung
Paralleltitel (Englisch)
Presenteeism – a Phenomenon in the Field of Work, Organization, Individual and Sickness
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
99 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Christian Korunka
Klassifikation
77 Psychologie > 77.00 Psychologie: Allgemeines
AC Nummer
AC08806674
Utheses ID
14487
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
