Detailansicht

Das Dialektkontinuum des Akan’e/Jakan’e im Ostslavischen
Tamara Pleimer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Georg Holzer
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.16328
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30351.15070.375854-3
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Vorliegende Arbeit thematisiert bestimmte Reduktionserscheinungen im unbetonten Vokalismus der russischen und weißrussischen Sprache. Es handelt sich hierbei zum einen um das Akan’e, das den Zusammenfall von a und o in unbetonter Position nach harten Konsonanten bezeichnet, zum anderen um das Jakan’e, Ikan’e und Jekan’e, die verschiedenartigen Vokalzusammenfall in unbetonten Positionen nach weichen Konsonanten meinen. Das erste große Kapitel beschäftigt sich mit dem Vokalbestand in betonten und unbetonten Silben vor und nach der Herausbildung des Akan’e/Jakan’e, mit anderweitigem ostslavischen Lautwandel (ê > o, ô > o und e > o), der mit den lautlichen Prozessen der Entstehung des Akan’e/Jakan’e interferiert hat, und letztlich mit der absoluten zeitlichen Einordnung des Akan’e/Jakan’e. In dieser Arbeit werden die Vokalstufen in Entsprechung zur Öffnungsgrade der Vokale als erste (i, u), zweite (ê, ô), dritte (e, o) und vierte (a) bezeichnet. Zwei weitere Kapitel beinhalten ein von mir entworfenes Modell der Entstehung des Akan’e/Jakan’e und stellen eine mögliche lautgeschichtliche Abfolge innerhalb der Entwicklung des Akan’e/Jakan’e vor, umfassen also zwei Isoglossenmodelle, die das Dialektkontinuum in Hinblick auf diese Merkmale darstellen. Im Großen und Ganzen wird von zwei Lautgesetzen ausgegangen, die sich beide mit Generalisierung ausgebreitet haben. Die Untersuchungen in diesen beiden Teilen beziehen sich strikt auf die erste vortonige Silbe. Das erste Lautgesetzt bezeichnet den Zusammenfall aller Vokale der dritten und vierten Stufe (e, a, o) zu a in der ersten vortonigen Silbe, nachdem sich die zweite Vokalstufe (ê, ô) bereits zur Vokalstufe 3 weiterentwickelt hatte. Anzunehmen ist, dass sich dieser Zusammenfall zuerst nach weichen Konsonanten und später auch nach harten Konsonanten vollzogen hat. Die betonten Vokale stellen alle weiteren Kontextbedingungen dar, insofern, als die Reduktionen immer in Abhängigkeit vom jeweiligen betonten Vokal erfolgten. Im Akan’e ist allerdings die Qualität des Konsonanten, der der betonten Silbe vorangeht, indifferent. Dialekte mit Akan’e/Jakan’e, die sich alle im südgroß-, mittelgroß- und weißrussischen Sprachraum erstrecken, gliedern sich in verschiedene Typen. Es finden sich darunter nicht-dissimilative, dissimilative, assimilative, gemäßigte und gemischte Varianten. Es wird in dieser Darstellung davon ausgegangen, dass das starke Jakan’e als nicht-dissimilativer Dialekt, das heißt, der die Redukion zu a in der ersten vortonigen Silbe unabhängig vom Vokal, der in der betonten Silbe steht, aufweist, der archaischste Dialekt ist, der einst im Bereich des gesamten heutigen Dialektkontinuums gesprochen wurde. Im Zuge dessen haben sich auf der Basis des Okan’e, das die Unterscheidung der Vokale der dritten und vierten Stufe bedeutet, die verschiedenen Übergangsdialekte zum Akan’e und schließlich das nicht-dissimilative Akan’e selbst herausgebildet. Danach zu reihen ist das Lautgesetz, das den Zusammenfall der genannten Vokale in der ersten vortonigen Silbe zu nicht-a bezeichnet, und unter verschieden strengen Kontextbedingungen wirkt. Dieses nicht-a manifestiert sich in verschiedenen Dialekten in Form eines Vokals, der höher als die vierte Stufe ist. Das Ikan’e entsteht in Folge des gänzlichen Abstoßens dieser Kontextbedingungen und wird wie das Jekan’e im Kapitel Jakan’e berücksichtigt, obwohl beide noch einmal gesondert in einem weiteren Kapitel hervorgehoben werden. Das letzte Kapitel stellt verschiedene Theorien über die Entstehung des Akan’e/Jakan’e vor, wobei ein Schwerpunkt auf der Auffassung liegt, das Akan’e stünde in Zusammenhang mit dem urslavischen Lautsystem und sei durch das Fehlen von o im Urslavischen bedingt, zumal der Wandel a > o in unbetonten Positionen ausgeblieben ist. Diese Interpretation kann heute als ungültig betrachtet werden. Einig ist man sich weitgehend darüber, dass das Akan’e/Jakan’e erst nach der Weiterentwicklung der reduzierten Vokale gemäß der Havlίkschen Regel entstehen hat können und aufgrund der Umstellung im Betonungssystem, also nach dem Aufkommen der exspiratorischen Betonung, bei der die betonte Silbe mit mehr Kraft und Intensität ausgesprochen wird, was zur verkürzten Aussprache der unbetonten Vokale geführt haben müsse. Schließlich handelt das letzte Kapitel davon, dass das Akan’e/Jakan’e auch häufig in Sibirien vertreten ist.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Akan’e/Jakan’e unbetonter Vokalismus russische Dialektologie Dialektkontinuum
Autor*innen
Tamara Pleimer
Haupttitel (Deutsch)
Das Dialektkontinuum des Akan’e/Jakan’e im Ostslavischen
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
137 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Georg Holzer
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.15 Historische Linguistik
AC Nummer
AC08812940
Utheses ID
14643
Studienkennzahl
UA | 243 | 361 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1