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Zur Problematik der Untertitelung am Beispiel ausgewählter Kulturspezifika im Film
Michaela Wurzenberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Heinrich Stiehler
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.16342
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30388.03527.460353-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
(!! In meinem Abstract/Zusammenfassung ist ein Diagramm enthalten!! ) Ich möchte nun wieder zum Ausgangspunkt und zur Grundfragestellung meiner Arbeit zurückkommen. Welche Übersetzungsprobleme können bei der Untertitelung, insbesondere bei der Übersetzung von Kulturspezifika, entstehen? Welche Strategien können dabei angewandt werden, um mögliche Probleme auszugleichen? Ausgehend von der Skopostheorie setzt die Arbeit mit der Übersetzung immer ein Ziel voraus. „Der Zweck heiligt die Mittel“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Erreichung eines Zwecks wichtiger ist, als das Wie, also wie dieser Zweck erreicht wurde.241 In Bezug auf das Thema meiner Arbeit, die Untertitelung, ist das Ziel der meisten Übersetzer_innen eine adäquate Übersetzung für das Zielpublikum zu erreichen. Neben Adäquatheit und Äquivalenz darf nicht der Faktor der Kohärenz übersehen werden: Kohärenz ist dann geboten, wenn die Nachricht in der Zielkultur verstanden wird, also richtig interpretiert wird. In der audiovisuellen Translation gibt es mehrere Formen der Sprachübertragung: Von der Synchronisation bis hin zum Voice-Over-Verfahren und zur Untertitelung. In dieser Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf die Untertitelung und deren Übersetzungsproblematik gelegt. Alle drei Verfahren besitzen ihre Vor- und Nachteile; die Untertitelung ist aber dabei besonders hervorzuheben, weil ein hoher und von anderen meist unterschätzter Anspruch an den_die Übersetzer_in gegeben ist. Diese_r muss nicht nur platzsparend arbeiten, sondern den gesprochenen Text derart vereinfachen, damit dieser in Untertitel verschriftlicht werden kann. Im Laufe dieser Arbeit ist ersichtlich geworden, dass Kulturspezifika keine Merkmale bestimmter Filme sind, sondern dass jeder Film, ob beabsichtigt oder nicht, automatisch Kulturspezifika enthält. Die Probleme bei der Übersetzung sind daher allgegenwärtig und betreffen jede_n Untertitler_in und Übersetzer_in. Die Untertitelung als Prozess grenzt sich dabei entscheidend von der literarischen Übersetzung ab, da die Schwierigkeit der Kürzung und des Platzmangels hinzukommt. Folglich kommt es bei der Übersetzung vor allem bei speziellen Fällen wie Kulturspezifika, sprachliche Eigenheiten, etc. zu Übersetzungsproblemen die dank bestimmter Übersetzungsstrategien mehr oder weniger gut überwunden werden können. Das der_die Untertitler_in hierbei eine tragende Rolle spielt, wird nicht in Frage gestellt. Der_die Untertitler_in wird zum_zur Vermittler_in zwischen zwei Kulturen, er_sie muss bikulturell sein, eine gewisse Kulturkompetenz besitzen und sich in beiden Kulturen bestens auskennen, um übersetzen zu können. Im Zuge der Filmanalysen hat sich ergeben, dass verschiedene Methoden angewendet werden können um adäquate Filmuntertitel für einen bestimmten Kulturkreis zu erstellen. Nachstehende Grafik soll die Häufigkeit der angewandten Strategien in den Filmen La Haine und Le fabuleux destin d‘Amélie Poulain darstellen: In 26 % der ausgewählten Beispiele wird die Strategie der kontextuellen Äquivalenz angewendet. Dieses Verfahren besteht darin, einen Ersatz in der Zielkultur passend auf den gegebenen Kontext, zu finden. Bei dieser Strategie ist vor allem darauf zu achten, dass es nicht immer notwendig ist, ein sprachliches Äquivalent zu finden, sondern ein Äquivalent, das beim Zielpublikum dieselben Assoziationen und Ideen wie beim Ausgangspublikum erweckt werden. In vielen Situationen beider Spielfilme wird ein bestimmtes Feingefühl verlangt, was die Übersetzung von Ausdrücken oder Wörtern betrifft, die in der Zielsprache nicht existieren. Bei allen Beispielen, an denen dieses Verfahren angewendet wird, (siehe Beispiel 1-4, 6-7, 20, 34-35) ist es gelungen, in der Zielsprache eine Entsprechung zu finden, die dieselbe Funktion wie in der Ausgangssprache hat. In weiteren 26 % der Fälle wird die Strategie des identischen Transfers ohne Erklärung (Nedergaard-Larsen) bzw. die Übernahme eines kulturspezifischen Ausdrucks ohne Erklärung (Tomaszkiewicz) als zweithäufigste Strategie angewendet. Dabei wird der kulturspezifische Ausdruck aus der Ausgangssprache ohne weitere Veränderungen in die Zielsprache übernommen. Jegliche Erklärungen oder zusätzliche Informationen fallen aus. Die Analyse zeigt, dass die Methode nur bedingt erfolgreich eingesetzt werden kann, da der_die Übersetzer_in das Wissen des Zielpublikums einschätzen muss, d.h. dass der_die Untertitler_in entscheidet, was das Zielpublikum aus der Ausgangskultur wissen könnte und was nicht. Dass dieses Verfahren eine Problematik darstellt, wird nicht in Frage gestellt. Der_die Untertitler_in muss das Risiko eingehen, dass bestimme Ausdrücke von einem Teil des Zielpublikums nicht verstanden werden. In der Analyse zeigen bestimmte Fälle (siehe Beispiele 11, 13,15, 30 & 32), dass hier der Einsatz dieser Strategie grenzwertig ist während bei anderen Beispielen (siehe Beispiele 27, 29, 35) dieses Verfahren auf legitime Weise eingesetzt worden ist. Weitere Exempel zeigen, dass diese Strategie aufgrund des Kontextes eingesetzt werden muss und daher das Zielpublikum bei der Rezeption dieser Filme auf eventuelle Schwierigkeiten stoßen wird. Die dritte Gruppe der meist angewandten Strategien (11 %) stellt das Verfahren der Explication (Erklärung) dar. Hier wird erklärend gearbeitet, das heißt, dass zusätzliche Informationen hinzugefügt werden, vor allem um Verständnisprobleme vorzubeugen oder wenn die Suche nach einer äquivalenten Entsprechung in der Zielsprache erfolglos war. In der Analyse werden vier Beispiele (siehe Beispiele 9, 12, 18 & 32) mit dieser Methode bearbeitet. Die Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend und gut gelungen. Der einzige Nachteil besteht darin, dass der Lokalkolorit (wie bei vielen anderen Strategien) verloren geht. Alle weiteren Strategien (Imitierender Transfer 9 %; Neutralisierung 9 %; Funktionelle Äquivalenz 6 %; Omission 6 %; Direkte Translation 6 %; Paraphrase 3 %) zeigen, dass viele Verfahren nötig sind, um einen Film zielführend zu untertiteln. Nach Prüfung meiner Analyse ziehe ich die Schlussfolgerung, dass bei der Untertitelung von Kulturspezifika immer mit dem Kontext gearbeitet werden muss. Der_die Untertitler_in muss daher nicht nur den zu untertitelnden Film ausgezeichnet verstehen und deuten können, sondern auch die Lebenswelten beider Kulturen (Ausgangs- und Zielkultur) sowie deren Kontextbereiche kennen, um ideale Entsprechungen zu finden und eine erfolgreiche Untertitelung zu gestalten.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Untertitelung Skopostheorie Kultur Kulturspezifika Übersetzungsstrategien Le fabuleux destin d'Amélie Poulain La Haine
Autor*innen
Michaela Wurzenberger
Haupttitel (Deutsch)
Zur Problematik der Untertitelung am Beispiel ausgewählter Kulturspezifika im Film
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
137 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Heinrich Stiehler
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.45 Übersetzungswissenschaft ,
24 Theater, Film, Musik > 24.30 Film: Allgemeines
AC Nummer
AC08786129
Utheses ID
14657
Studienkennzahl
UA | 236 | 346 | |
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