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Los que se quedan - Die, die bleiben
Transformation von Vaterschaft und Männlichkeit aufgrund weiblicher Migration in Ecuador?
Teresa Mittelberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Evelyne Puchegger-Ebner
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.16716
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29915.78593.126253-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit beschäftigte sich mit der weiblichen Migration in Ecuador und deren Auswirkungen auf die Familienstrukturen im Herkunftsland. Im Fokus der Arbeit standen die Männer/Väter und Kinder, die durch die Migrationsbewegung der Frauen, neue Rollen und Aufgaben innerhalb der Familie wahrnehmen mussten. Ein wesentlicher Ansatz dieser Arbeit war die transnationalen Migrationstheorie von Glick Schiller et. al., welcher Migration als ein komplexes sozio-kulturelles Phänomen über nationalstaatliche Grenzen hinaus betrachtet und eine Analyse transnationaler Praktiken ermöglicht. Seit den 1970er Jahren kann in Ecuador eine stetige Migration beobachtet werden, welche zu jener Zeit vorwiegend männlich war. Primäres Einwanderungsland waren die USA. Die starke wirtschaftliche Krise und der finanzielle Kollaps Ende der 1990er Jahre führten dann zur größten Migrationsbewegung der Geschichte des Landes. Erstmals in der Migrationsgeschichte Ecuadors handelte es sich um eine Migration vorwiegend aus dem urbanen Raum und um Männer und Frauen aus allen Bildungs- und Sozialsektoren. Weiteres konnte eine starke Feminisierung festgestellt werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika stellten nicht mehr das primäre Immigrationsland dar, sondern Europa, allen voran Spanien. Diese transnationale Migration veränderte sowohl die gesellschaftlichen Strukturen, als auch die familiären Strukturen in Ecuador. Viele ecuadorianische Familien haben Mitglieder im Ausland; Kinder wachsen bei Großeltern oder anderen Verwandten auf und Paare leben oft jahrelang getrennt. Nicht die Migrant/innen sondern die Väter und Kinder, die nicht migrierten und in Ecuador blieben stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit. Diese Ethnographie versuchte mit Mitteln der qualitativen Forschungsmethode die Vorstellungen, Ansichten, sozialen Praktiken und Transformationsprozesse der verschiedenen Akteure aufzuzeigen, gegebenenfalls gegenüberzustellen und mit vorliegenden wissenschaftlichen Studien zu vergleichen. Zur Interpretation der verschiedenen Wahrnehmungen und Repräsentationen stellten sowohl die Gender-Studies und insbesondere die Men- Studies den wesentlichen theoretischen Rahmen. Der Annahme zufolge, dass zwischen einem biologischen (sex) und sozialen (gender) Geschlecht unterschieden werden muss, wird auch darauf aufmerksam gemacht, dass sich das gender durch die sozialen Strukturen und historische Abläufe wandelt und verändert. Was es bedeutet ein „Mann“ zu sein sowie hegemoniale Männlichkeitsvorstellungen sind ebenso Inhalt wie die Bedeutung von Vaterschaft im lateinamerikanischen Kontext. Die Analyse zeigt unter anderem, dass rein ökonomische Erklärungsmodelle als Migrationsmotivation der Frauen nicht ausreichen. Verschiedene individuelle Gründe - durchaus verknüpft mit und ausgelöst durch die wirtschaftliche Krise des Landes - bewegten die Frauen dazu, das Land zu verlassen. Nicht nur das Bedürfnis einer finanziellen Verbesserung, sondern auch einer Veränderung der familiären und partnerschaftlichen Situation werden oftmals als Motivation angegeben. Auch in Ecuador bekommt dadurch „Mutterschaft in einem transnationalen Raum“ eine neue Bedeutung. Diese Frauen tragen nicht nur wesentlich zum Familieneinkommen bei, sondern übernehmen auch aus der Entfernung gewisse Verantwortungen für ihre Kinder. Die Beziehung und der Kontakt zwischen den Familienmitgliedern werden durch globalisierte Kommunikationsmittel aufrecht erhalten. Es kann jedoch beobachtet werden, dass die Kommunikation mit den Jahren sowohl in der Quantität als auch in der Qualität abnimmt. Diese veränderten Familienstrukturen führten zu gewissen Transformationsprozessen bei den Vätern und Kindern. Neue Verantwortungsfelder und Arbeitsbereiche eröffneten sich für Väter und Kinder. Der Haushalt und die Kindererziehung spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die Väter interpretieren ihre „neue“ Vaterschaft als bereichernd, wenn auch Sorge um die Kinder sowie Schwierigkeiten, vor allem mit den Töchtern erwähnt werden. Die Perspektive der Kinder differiert in dieser Hinsicht. Diese heben insbesondere die Schwierigkeiten der neuen Familiensituation hervor. Diese Arbeit zeigt auf, dass zwar kleine Transformationsprozesse zu beobachten sind, jedoch nicht von einer Veränderung der Geschlechterbeziehungen bzw. der Gendercodes in Ecuador gesprochen werden kann.
Abstract
(Englisch)
The work presented here deals with female migration and its impacts on family structures in the sending country Ecuador. The focus of this work is on fathers and children who had to adapt new roles and perform new tasks within the family due to the women’s migration. One of the key approaches of this work is the theory of transnational migration by Glick Schiller et al. which provides an in depth analysis of transnational practices and looks at migration as a complex socio-cultural phenomenon across national borders. Since the 1970s, Ecuador has been facing a steady migration dominated by male migrants with the United States of America as the primary receiving country. Ecuador’s severe economic crisis and financial collapse in the late 1990s led to the largest migration movement in the history of the country. For the first time in history, especially women and men from urban areas and various social standing left Ecuador. In the course of this transformation, the USA as the primary destination of Ecuadorians was replaced by European countries, particularly Spain. This transnational migration changed both the social structures as well as the family structures of Ecuador. Many Ecuadorian families have members abroad, children grow up with grandparents or other relatives and couples live separately for years. In order to highlight this development, this work does not focus on migrants itself but on the non-migrant family members, in this case fathers and children. Using the methods of qualitative research, the resulting ethnography demonstrates different representations, views and forms of social practices of the various people interviewed. In order to interpret the different perceptions and representations, both gender studies and men’s studies in particular represent the fundamental theoretical framework. The assumption is made that a distinction between sex (biological) and gender (social) has to be made. It is also pointed out that gender is adapting and reacting to changes in social structures and historical processes. As well as discussing hegemonic notions of masculinity and pondering about what it means to be a "man", this study also analyses the importance and meaning of fatherhood in the Latin American context. Among other things, this analysis illustrates that women not only migrate because of purely economic reasons but also because of potential changes in family and partnership situations. Motherhood in this transnational space is receiving a new meaning. These women not only contribute significantly to family income, but also take over certain responsibilities for the children from the distance. The relationships and the contacts between family members are maintained by globalized communication tools. It can be observed that communication decreases with the amount of years people have spent abroad - both in quantity and in quality. These changes in family structures have also led to transformation processes for fathers and children. New fields of responsibility and work have opened up for them and the relationships between fathers and children have changed a lot. Dealing with household chores and raising the children has become the most important roles for these men. Positive aspects of this structural transformation include an early independence of children in general as well as a positive shift in how fathers view their ‘new’ role. This work demonstrates that although small transformation processes can be observed within these non-migrant family members, it is perhaps too early to speak of a change in gender relations and gender codes in Ecuador.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
ethnography Ecuador migration gender men-studies fatherhood
Schlagwörter
(Deutsch)
Ethnographie Ecuador Migration Gender Men-Studies Vaterschaft
Autor*innen
Teresa Mittelberger
Haupttitel (Deutsch)
Los que se quedan - Die, die bleiben
Hauptuntertitel (Deutsch)
Transformation von Vaterschaft und Männlichkeit aufgrund weiblicher Migration in Ecuador?
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
128 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Evelyne Puchegger-Ebner
Klassifikationen
73 Ethnologie > 73.06 Ethnographie ,
73 Ethnologie > 73.43 Familie, Verwandtschaft, Ehe
AC Nummer
AC08779866
Utheses ID
14982
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
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