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Entstehung und Entwicklung der Arbeitnehmerinteressensvertretung in Ungarn
vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jhdt's
Stephan Szekely
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Johann Dvořák
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.16771
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29352.13006.397955-9
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Arbeitnehmervertretungen haben im Allgemeinen eine ähnliche, jedoch zeitlich versetzte Entwicklung hinter sich. Auch innerhalb der Österreichisch-Ungarischen Monarchie verlief sie nicht im Gleichtakt. Die Entwicklung wurde sowohl von den Voraussetzungen, aber auch von den handelnden Personen stark beeinflusst. Ungarn war traditionell ein hauptsächlich Landwirtschaft betreibendes Land mit dadurch verbundenen stark ausgeprägten feudalen Strukturen. In diesem System konnte das Bürgertum, was wiederum für die industrielle Entwicklung notwendig gewesen wäre nur sehr zögerlich entstehen. Eine Beschleunigung der Prozesse stand auf der österreichischen Seite des Habsburgerreiches auch nicht im Interesse. Erfreulich, dass diese Einstellung von den Arbeitnehmern selbst nicht mitgetragen wurde. So kam es im Jahr 1874, dass an der „inneren“ Grenze der Monarchie auf der ungarischen Seite in Neudörfl (Lajtaszentmiklós) im Zuge eines ersten Arbeiter-Kongresses ein sozialdemokratisches Programm für die gesamte Österreichisch-Ungarische Monarchie verabschiedet werden konnte. Nach dem 1. Weltkrieg waren die Kontakte zu Österreich nicht vollständig abgerissen, jedoch hat die Geschichte der ungarischen Arbeitnehmervertretung einen eigenen Verlauf genommen. Den sozialdemokratischen Arbeitnehmervertretern, mit Karoly Peyer an der Spitze, ist es gelungen, eine unter autoritären Systemen beachtliche Vereinbarung mit der Bethlen-Regierung zu erzielen. Dadurch war es möglich, dass die Sozialdemokratische Partei als politische Kraft im ungarischen Parlament bis zur deutschen Besetzung des Landes im Jahre 1944 vertreten war. Dieser Pakt hat natürlich auch seine Schattenseiten gehabt, wie zum Beispiel den Ausschluss der kommunistischen Gewerkschafter. Nach dem 2. Weltkrieg kam Ungarn in die sowjetische Interessenssphäre, wodurch die an die Macht gekommenen Kommunisten jetzt die Chance zur Revanche gesehen haben und begonnen haben, die sozialdemokratischen Arbeitnehmervertreter mit scheinheiligen Begründungen, oft durch Schauprozesse, aus ihren Ämtern hinaus zu drängen. Diese Prozesse verliefen in den übrigen Ländern, die nun unter dem entstandenen, politischen Begriff „Oststaaten“ bekannt sind, ähnlich. Die unter der Ära Gorbatschow eingeleitete Liberalisierung blieb auch in Ungarn nicht ohne Wirkung. Noch vor der Gründung politischer Parteien wurde die Gründung unabhängiger Arbeitnehmervertretungen neben der bestehenden staatsnahen Gewerkschaft (SZOT) genehmigt. In kürzester Zeit wurden etwa 2000 „Gewerkschaften“ als juristische Person angemeldet. Die meisten von ihnen haben bei der Organisierung der anschließend erlaubten politischen Parteien aktiv mitgewirkt. Diese Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmervertreterorganisationen und politischen Parteien erwies sich in der Folge eher problematisch als nützlich. Auch gegenüber der Arbeitgeberverbände ist diese Zersplitterung sogar bis heute von Nachteil, wie dies von der Friedrich Ebert Stiftung treffend formuliert wurde:„.. Der größte Teil der mehrere Hunderte zählenden Betriebs-, Berufs- und Branchengewerkschaften organisiert sich nach wie vor in den nach Mitgliederzahl unterschiedlich starken 6 Konföderationen. Daneben gibt es auch noch eine Reihe von Arbeitnehmerorganisationen, die keinem der reichlich vorhandenen Dachverbände anzugehören wünschen. Dieser sehr ausgeprägte Pluralismus macht eine abgestimmte Interessensvertretung der Arbeitnehmer auf allen Ebenen nicht gerade einfach und gelegentlich verhindert es sie sogar“. Natürlich sind aus dieser Zersplitterung entstandene Schwächen auch für die Konföderationen selbst, in denen die verschiedenen Gewerkschaften organisiert sind, voll bewusst und deshalb werden trotz Konkurrenz immer wieder Versuche, mit mehr oder weniger Erfolg, zur Harmonisierung der Aktionen unternommen. Die immer wieder erfolgten Regierungswechsel und die sich dadurch ständig ändernden Rahmenbedingungen erschweren die Arbeit der Gewerkschaften zusätzlich. (Die Partei- bzw. Regierungspolitik wurde in dieser Arbeit nur dann erwähnt, wenn deren Ziele und Entscheidungen arbeitnehmerrelevante Bereiche betrafen.) Diese Diplomarbeit gibt einen Einblick in die Geschichte, wie auch in die derzeitige Lage der Arbeitnehmervertretungen in Ungarn und damit wird ein spezielles gesellschaftspolitisches Feld näher gebracht.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Arbeitnehmervertretung Gewerkschaft Wende Ungarn
Autor*innen
Stephan Szekely
Haupttitel (Deutsch)
Entstehung und Entwicklung der Arbeitnehmerinteressensvertretung in Ungarn
Hauptuntertitel (Deutsch)
vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jhdt's
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
169 S. : graph. Darst., 1 CD-ROM
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Johann Dvořák ,
Gernot Stimmer
Klassifikation
89 Politologie > 89.60 Politische Organisationen: Allgemeines
AC Nummer
AC08840006
Utheses ID
15027
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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