Detailansicht
Marketing Organic by Default
organic spice farmers and a certification and marketing project in the Cardamom Hills of Kerala
Martin Michalitsch
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Wolfgang Kraus
DOI
10.25365/thesis.16777
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29579.09175.560469-1
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese ethnographische Arbeit untersucht die ökonomischen Strategien von fünf Bio-Gewürzbauern im Bezirk Idukki, Kerala, Indien und ihre Beziehung zu einem Zertifizierungs- und Vermarktungs-Projekt einer ansässigen katholischen Entwicklungsorganisation.
Der Begriff „organic by default“ beschreibt Bauern, die auch wenn sie nicht biologisch-zertifiziert sind aus verschiedenen Gründen keine Pestizide oder chemische Dünger verwenden, und er hat sich als nützlich erwiesen, um sowohl die Strategien der Bauern als auch die der NGO einzuordnen, da er die aktive Distanzierung von externen Betriebsmitteln eine wichtige bäuerlicher Strategie beschreibt (vgl. van der Ploeg 2010).
In der speziellen Geschichte der Hügelregion, die großteils erst vor 50-60 Jahren, teils illegal, besiedelt wurde, haben syrisch-christliche Siedler eine recht dominante Rolle gespielt und viele konnten durch kleinflächigen Anbau von Gewürzen, Tee und Kaffee unter teils massivem Dünger- und Pestizideinsatz einen gewissen Wohlstand erwirtschaften, was sie von vielen anderen indischen Bauern unterscheidet. Mittlerweile sind aber viele Böden ausgelaugt und auch die Krebsraten sind in gewissen Gebieten alarmierend.
Als Biobauern grenzen sich die in dieser Arbeit porträtierten Bauern vom Einsatz chemischer Betriebsmittel ab und betonen, teilweise schon lange vor ihrer Bio-Zertifizierung eigene Wege gefunden zu haben. Für diese Arbeit wurden sie ausgewählt um ein breites Feld von verschiedenen landwirtschaftlichen Praktiken, unterschiedlichen Vermarktungswegen und die Rolle von Tourismus und anderen, nicht-landwirtschaftlichen Tätigkeiten aufzuzeigen. Außerdem wurden unterschiedliche Ideen zu Natur und Landwirtschaft untersucht und gezeigt, wie sich die Bauern in globalen Debatten des biologischen Landbau verorten. Alle Bauern betonen sich weit über die vorgeschriebenen Richtlinien hinaus eigene biologische Anbaumethoden angeeignet zu haben.
Drei der porträtierten Bauern sind in unterschiedlichen Positionen in dem erwähnten Vermarktungsprojekt involviert. Während Sebastian wenig damit zu tun hat, außer dass er dadurch seine Zertifizierung bekommt, die er für Tourismus nützt, ist Mutupathi, ein wesentlich größerer Bauer, auf mehreren Ebenen als Repräsentant der Bauern im Projekt engagiert. Der dritte Bauer, Renju, ist erst relativ neu im Projekt und kritisiert es teilweise heftig.
Auch die anderen zwei Bauern kritisieren das Vermarktungsprojekt, weil sie es als Konkurrenz für ihre eigenen Vermarktungsstrategien sehen und ihm vorwerfen die mit einer zu niedrigen Bioprämie den lokalen Markt zu zerstören. Einer von ihnen hat selbst eine Gruppe zur Vermarktung von Gewürzen gegründet, während der andere, ein bayrischer Aussteiger, seine Beziehungen nach Deutschland und das Internet zur Vermarktung nützt. Er hat auch eine interessante Methode Kardamom anzubauen entwickelt, die sich an Permakultur und Minimalbodenbearbeitung orientiert.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die katholische Entwicklungsorganisation näher beleuchtet und in den politischen Kontext der Hügelregion gestellt, in dem die Kirche ein wichtiger politischer Akteur ist.
Die Entwicklungsorganisation treibt biologischen Anbau auf mehreren Ebenen voran indem sie z.B. Vermicompost (eine Kompostiermethode mit Erdwürmern) oder Biocontrol Agents (biologische Schädlingsbekämpfung mit Hilfe von natürlichen Feinden der Schädlinge) weiterentwickelt und propagiert. Darüber hinaus vermarkten Teilprojekte Tee und Gewürze. Besonders das Gewürzprojekt wird sehr professionell und erfolgreich geführt und verfügt über eine eigene high-tech Verarbeitungs- und Verpackungsanlage. Die mehr als zweitausend Bauern sind durch Gruppenzertifizierung zertifiziert und werden durch sieben Inspektoren des Internal Control Systems (ICS) kontrolliert und unterstützt. Auch der Einkauf bei den Bauern wird über die Inspektoren abgewickelt.
Die Arbeit reflektiert auch die Vor- und Nachteile dieser Art der Gruppenzertifizierung und untersucht die Orientierung der Projekts auf Kleinbauern, die bereits „organic by default“ waren und deshalb nur geringe Ertragseinbußen bei der Umstellung haben.
Abstract
(Englisch)
This ethnography explores the economic strategies of five organic spice farmers in the Idukki district in Kerala, India and their relationship to a certification and marketing project of a local Catholic development NGO.
'Organic by default' describes farmers who don't use synthetic inputs for various reasons even when they are not certified. The term proved to be very useful as it allowed an understanding of the strategies of the organic farmers, as well as the policies of CDS within the framework of peasant studies, as an important peasant strategy of actively constructed distantiation (see van der Ploeg 2010).
The hill area has a very specific history because it has experienced a massive population growth through internal migration, and Syrian-Christian settler-farmers have played a dominant role in this process. Many of the latter cultivated spices, tea and coffee under immense use of chemical inputs and were able to amass considerable wealth. In contrast to many other farmers in India they are ascending towards the middle-class. However, at the same time, plots are now often eroded and cancer rates in some areas have become alarming.
Some of the organic farmers dealt with in this paper have rejected the use of synthetic inputs long before they were certified. All of them, however, stress that they found their own ways of organic cultivation which allowed them to articulate their position in relation to global organic debates. The farmers were selected to present a diverse field of agricultural practices, different marketing channels and various ways of generating additional income, for example via tourism.
Three of them occupy different positions within the organic Spice marketing project. While Sebastian uses the certificate he received through the project mostly for his tourism venture, Mutupathi, a bigger farmer, represents the farmers on various administrative levels of the project. Renju, however, is relatively new to the project and is rather critical of it.
Also critical are the two other farmers, who are outside the project. They consider it as a competition to their own marketing strategies and claim that paying lower premiums the project “destroys the market”. One of them has founded a farmers’ group for marketing organic produce himself, while the other, a German expatriate, makes use of the internet and his connections to Germany for marketing. He has also developed an interesting method of organic cardamom cultivation, which is influenced by permaculture, Fukuoka and No-Till ideas.
The second part of the paper focuses on the Catholic development NGO and reflects on the political context of the hill area, in which the Church occupies a dominant position.
The NGO promotes organic cultivation on many levels, for example through developing and propagating techniques such as vermicomposting (a way of composting with earthworms) and biocontrol agents (a way of organic pest and disease control which makes use of natural enemies of the pests). The NGO also tries to export organic tea and spices through sub-projects.
Worth noting is that the spice marketing initiative is very professional and successful, and operates its own very modern processing and packaging facility. More than 2000 farmers are certified through a group certificate and the inspectors of the Internal Control System support and control them. The inspectors also handle the spice purchases from the farmers.
This paper discusses the pros and cons of this form of marketing based on a group certificate and investigates the project’s orientation towards organic by default farmers who experience a much lower crop loss during conversion.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
India Kerala Idukki pepper cardamom organic by default organic certification marketing small farmers peasants Catholic Syrian Christians post-development
Schlagwörter
(Deutsch)
Indien Kerala Idukki Kleinbauern Biologische Landwirtschaft Pfeffer Kardamom "organic by default" Zertifizierung Vermarktung Entwicklung post-development katholische Kirche syrische Christen
Autor*innen
Martin Michalitsch
Haupttitel (Englisch)
Marketing Organic by Default
Hauptuntertitel (Englisch)
organic spice farmers and a certification and marketing project in the Cardamom Hills of Kerala
Paralleltitel (Deutsch)
Marketing Organic by Default ; Bio-Gewürzbauern in Kerala und ein Zertifizierungs- und Vermarktungs- Projekt
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
162 S.
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Wolfgang Kraus
Klassifikationen
48 Land- und Forstwirtschaft > 48.99 Land- und Forstwirtschaft: Sonstiges ,
73 Ethnologie > 73.06 Ethnographie ,
73 Ethnologie > 73.07 Entwicklungsethnologie ,
73 Ethnologie > 73.19 Umwelt und Kultur, Kulturökologie: Sonstiges ,
73 Ethnologie > 73.30 Wirtschaftsethnologie: Allgemeines ,
74 Geographie > 74.21 Asien
AC Nummer
AC08811917
Utheses ID
15033
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
