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Verständigung im Asylverfahren
rechtliche und soziolinguistische Analyse mit Fokus auf verständliche Sprache am Beispiel Asylsuchender aus afrikanischen Herkunftsländern
Monika Ritter
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Gabriele Slezak
DOI
10.25365/thesis.16798
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29598.48286.326666-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit ist die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Sprach-mittlung bei Gericht und Behörden“ getätigte Beobachtung, dass Verständigung im Asylverfahren nicht immer „angemessen“ funktioniert. Gleichzeitig ist eine „angemessene“ Verständigung unab-dingbar, damit die Fluchtgeschichte als zentrales Beweismittel umfassend dargelegt werden kann und der/die Asylsuchende die Möglichkeit bekommt seine/ihre Rechte wahrzunehmen.
Zu Beginn wird aus einer rechtswissenschaftlichen Perspektive analysiert, welche Gesetze die Ver-fahrenssprache(n) festlegen und eine etwaige Beiziehung von Dolmetschern/Dolmetscherinnen und die Übersetzung schriftlicher Texte regeln. Dabei komme ich zu dem Schluss, dass Asylsuchende auf Grund des rechtsstaatlichen Prinzips zwar ein Recht auf Verständigung haben, welches die Gesetze aber nicht ausreichend garantieren. Nicht für alle Kommunikationssituationen, in denen die Beiziehung von Dolmetschern/Dolmetscherinnen oder die Übersetzung schriftlicher Texte für eine „angemessene“ Verständigung notwendig wäre, sieht die derzeitige Rechtslage eine solche vor.
Im zweiten Abschnitt betrachte ich aus einer soziolinguistischen Perspektive die Begriffe „Verstän-digung“ und „verständliche Sprache“. Während diese Begriffe im rechtlichen Kontext den Anschein erwecken, klar definierbar zu sein, zeigt die soziolinguistische Analyse, dass sie weder eindeutig bestimmbar noch messbar sind. Die Sicht der Praxis auf Verständigung im Asylverfahren fließt in Form qualitativer Interviews mit Verfahrensbeteiligten ein. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahr-nehmung und Gestaltung sprachlicher Verständigung im Asylverfahren stark von einer monolingua-len Ideologie geprägt ist. Insbesondere das Konzept „Muttersprache“ prägt den rechtlichen Kon-text, das jedoch nicht dem meist mehrsprachigen Repertoire Asylsuchender entspricht. Auch non-verbale Ausdrucksweisen, die global betrachtet unterschiedlich sein können, werden im Verfahren häufig als universal betrachtet und deshalb nicht als Quelle möglicher Missverständnisse erkannt. Neben derartigen sprachlichen Aspekten beeinflussen auch nicht-sprachliche Aspekte, wie zum Beispiel Wissen und emotionales Befinden der Beteiligten, die Verständigung. Ob eine Sprache für eine Person „ausreichend“ verständlich ist, kann darüber hinaus nicht abstrakt, losgelöst von einer konkreten Interaktion bzw. einem bestimmten Text, beantwortet werden. Eine Sprache kann im-mer nur in Zusammenhang Situation, Kontext, Thema, beteiligten Personen usw. verständlich oder unverständlich sein.
Kommunikation im Asylverfahren ist von zahlreichen Asymmetrien geprägt. Das umfangreiche sprachliche Repertoire Asylsuchender wird auf die Verwendung europäischer Standard-Verkehrssprachen eingeschränkt. Dadurch sind sie letztendlich „sprach-los“ und werden in eine passive Rolle gedrängt. Auf diese Weise spiegelt sich die gesellschaftliche Ablehnung gegenüber Fremden auch in der Kommunikation im Asylverfahren wieder.
Abstract
(Englisch)
This thesis is grounded on the observation by the project “Sprachmittlung” (www.sprachmittlung.at) that understanding in asylum procedures is often not “adequately” achieved. At the same time “adequate” understanding is indispensable, as the main evidence in every asylum procedure is the asylum seeker’s story. He/she should get the chance to explain it comprehensively and also to make use of his/her rights.
The paper starts with an analysis of the laws that determine the use of language(s) in the asylum proceeding and regulate the assistance provided by interpreters and translators. I conclude that asylum seekers have a “Right to Understanding” on the basis of the rule of law, but the temporary laws do not grant this right sufficiently. The assistance of interpreters and translators is not guaran-teed for all situations during asylum proceedings in which “adequate” understanding would be necessary. Due to this fact, asylum seekers are excluded from communication, and they are de-prived of the chance to act independently as legal persons.
In the second section I examine through a sociolinguistic perspective the terms “understanding” and “understandable language”, which are frequently used in legal contexts. Although they are used in the legal context as if they were clearly defined terms, the sociolinguistic analysis shows that they can be neither measured nor defined. Additionally, qualitative interviews were evaluated to analyse how understanding is considered in practice. The results show that the perception and constitution of understanding through language is strongly influenced by monolingual ideology. In particular, the concept of “mother tongue” informs the legal context, yet it does not match asylum seekers’ mostly plurilingual repertoire. Also, nonverbal expressions, which may be viewed differ-ently in a global context, are often thought of as universal, which results in the misrecognition of potential misunderstandings. Besides these linguistic aspects, understanding is strongly influenced by non-linguistic aspects as well, such as the knowledge and emotional condition of the persons involved. Whether a language is “adequately” understandable to a person cannot be answered in the abstract, because understandability depends on the situation, context, issue and so on.
Communication in asylum proceedings is affected by several asymmetries. The diverse repertoire of asylum seekers is restrained as they are forced to use European standard varieties of languages. Through this practice, they are deprived of their resources – they end up “voiceless” and are pushed into a passive role. In this way, the general rejection of foreigners is mirrored in the com-munication of asylum proceedings.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
understanding asylum procedure understandable language legislation on asylum
Schlagwörter
(Deutsch)
Verständigung Asylverfahren verständliche Sprache Asylrecht
Autor*innen
Monika Ritter
Haupttitel (Deutsch)
Verständigung im Asylverfahren
Hauptuntertitel (Deutsch)
rechtliche und soziolinguistische Analyse mit Fokus auf verständliche Sprache am Beispiel Asylsuchender aus afrikanischen Herkunftsländern
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
V, 141 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Gabriele Slezak
AC Nummer
AC08840691
Utheses ID
15053
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
