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Wirklichkeit zwischen Lebenswelt und objektiver Wissenschaft
Ina Seiser
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Klaus Puhl
DOI
10.25365/thesis.16814
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30337.96672.414061-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit „Wirklichkeit zwischen Lebenswelt und objektiver Wissenschaft“ behandelt die Frage, ob objektive Wissenschaft das ganze Spektrum der Wirklichkeit einfangen kann und ob sie ein Leitmotiv für Wirklichkeit darstellen kann. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der von Edmund Husserl proklamierten „Krisis“ der neuzeitlichen Wissenschaften.
Der Ausgangspunkt für diese Arbeit ist, dass es historisch gesehen verschiedene Zugänge zu Wirklichkeit und auch zur wissenschaftlichen Methode gibt. Das neuzeitliche Projekt der Welterklärung konzentriert sich auf die naturwissenschaftlich-empirische. Diese fußt auf Hypothesen und nimmt eine mathematische Seinsweise der Welt an, die Husserl das „Ideenkleid“ nannte. Objektivität hat einen hohen Stellenwert und Wissenschaft orientiert sich an ihr um zu Aussagen über die Welt zu gelangen, die von jedem Menschen nachzuvollziehen sind.
Die zentralen Fragen sind nun: Wie weit kann diese Objektivität gehen in einer Wirklichkeitskonstruktion, wenn nur empirische Daten herangezogen werden können? Welche Rolle hat die Subjektivität? Und gehen tatsächlich Wirklichkeiten verloren, wie Gerhard Fasching in seinem Aufsatz „Verlorene Wirklichkeiten“ schrieb?
Um diese Fragen aufzuarbeiten wurde die Wissenschaftsgeschichte der Neuzeit rekonstruiert und nachempfunden, welches Bild von Wirklichkeit dadurch kommuniziert wird und welches Spannungsfeld dieses aufbaut. Zwei Seiten wurden beleuchtet: 1) die Lebenswelt, im Sinne des vorwissenschaftlichen Wissens 2) das Konzept dieser neuzeitlichen Wissenschaft, die stark von einer platonischen Prämisse geprägt ist. Wie Lorraine Daston in ihrem Buch „Objektivität“ herausgearbeitet hat, stellt diese Prämisse Objektivität mit Wahrheit gleich und hat dadurch, in der Wissenschaft selbst, eine metaphysische Instanz wiedereingeführt, die sie eigentlich in totum verwerfen wollte. Ihre Argumentation wurde nachgezeichnet, die Objektivität selbst in ihren historischen Kontext gestellt und hinterfragt. Denn mit einer metaphysischen Erhöhung von Objektivität kann Wissenschaft als Religion gelebt werden und dies wurde zum Beispiel mit Hilfe von Friedrich Nietzsche kritisiert, der schon seinerzeit erkannte, dass für viele Menschen Wissenschaft als Religionsersatz fungiert.
Die Diskrepanz, die sich nämlich aus der, als Religion gelebten Wissenschaft ergibt, ist, dass sie reduktionistisch agiert und „nicht Messbares“ nicht anerkennt, beziehungsweise in ihrer harten Version sogar negiert.
Dies führt im Weiteren zu Edmund Husserl, der in seinem Letztwerk „Krisis der europäischen Wissenschaft und die transzendentale Phänomenologie“ eine Krise der Wissenschaften erkannte. Diese Krise betrifft die großen Fragen der Menschheit, die in der Wissenschaft keinen Platz finden und per definitionem aus der Wissenschaft ausgeschlossen wurden. Denn dadurch kommt die Frage auf, warum Wissenschaft betrieben wird, wenn nicht aus dem Antrieb Antworten auf die großen Fragen zu finden. Das ist der Grund, warum Husserl in der Geschichte zurückgeht und nach der „Urstiftung“ der Wissenschaften fragt. Denn nur wenn die Urstiftung klar herausgestellt wird, kann auch über eine Endstiftung spekuliert werden. Es wurde versucht hier Husserl in einen modernen Kontext zu setzen und die Frage gestellt, ob Husserl immer noch aktuell ist.
Abstract
(Englisch)
This diploma thesis “Wirklichkeit zwischen Lebenswelt und objektiver Wissenschaft” (Reality between living world and objective science) deals with the concept of reality and alludes to what Edmund Husserl describes as a crisis of the modern sciences.
The origin for this thesis was, that reality can be approached in different ways. The modern project of explaining the world concentrates on an empiric approximation. This approach bases on a number of hypothesis and assumes a mathematical world, which Husserl called the “dress of ideas”. Objectivity is a high value in science. This is to come to assumptions about the world, which can be retraced by everyone.
The central questions are: Till what extend can objectivity be accepted in a construction of reality, if only empirical data can be used? What is the new role of subjectivity? Do alternative Realities disappear, like Gerhard Fasching wrote in his article “Verlorene Wirklichkeiten”?
In order to deal with this problem modern science history has been reconstructed and from a phenomenological perspective discussed, what concept of reality results out of this development. Two aspects have been analysed: 1) The concept of living world, in the sense of knowledge we have before we use scientific methods 2) the concept of modern science, which is strongly affected by a platonic assumption. As Lorraine Daston elaborates in her book “Objectivity”, this premiss identifies “objectivity” as “truth”. This leads to the reintroduction of a metaphysical claim into science, one that it originally wanted to nullify. The structure of her argument has been retraced and the historical context of the concept of objectivity has been critically scrutinised.
This issue leads to Edmund Husserl, who recognized a crisis of science. This crisis is that science does not attempt to answer the major questions of mankind, that the big questions (the meaning of life, metaphysical questions about truth, ethics, and so on) are being excluded from science per definitionem. As a result, we are forced to ask why science is being pursued, if not out of a drive to find answers to our biggest questions.
This is why Husserl goes back in history and asks about the origin of science. Because only once the origin has been thoroughly examined, can one speculate about a final aim. This thesis is an attempt to place Husserl in a modern context and point out the question whether Husserl is still relevant in this setting.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Wirklichkeit Lebenswelt Wissenschaft Edmund Husserl
Autor*innen
Ina Seiser
Haupttitel (Deutsch)
Wirklichkeit zwischen Lebenswelt und objektiver Wissenschaft
Paralleltitel (Englisch)
Reality between living world and objective science
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
86 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Klaus Puhl
Klassifikation
08 Philosophie > 08.32 Erkenntnistheorie
AC Nummer
AC08912307
Utheses ID
15068
Studienkennzahl
UA | 296 | | |
