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Feminismus im Zeitalter von Postmoderne und Post-Kolonialismus
postfeministische Positionen in Debatten um "Gender und Islamismus"
Johanna Edthofer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Birgit Sauer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.17410
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30099.63266.772254-3
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, vor denen Feministische Theorie im Zeitalter von Postmoderne und Post-Kolonialismus steht. Dabei wird einerseits auf das Spannungsverhältnis eingegangen, in dem diese drei theoretischen Strömungen zueinander stehen. Spätestens ab den 1980er Jahren begannen v.a. post-koloniale FeministInnen, die hegemoniale Position des „westlichen, weißen Mittelstandsfeminismus“ und seinen Universalitätsanspruch zu kritisieren. Sie machten auf seine rassistischen Exklusionen, seine unzulässigen Verallgemeinerungen und seine Vereinnahmung „anderer Frauen“ aufmerksam. Aufgrund der Tatsache, dass „Frauen“ keine homogene Gruppe sind, sollte die Kategorie gender auch um andere Formen sozialer Ungleichheit und kultureller Differenz – wie etwa Unterschiede der Hautfarbe, der ethnischen Herkunft, der sozialen Herkunft oder der sexuellen Orientierung – erweitert werden. Gleichzeitig stellten die zunehmend populärer werdenden postmodernen bzw. poststrukturalistischen Strömungen alle Identitäten, einschließlich der Geschlechtsidentität, in Frage. Sie betonten, dass Identitäten immer sozial konstruiert sind, über keine immanente und unabänderliche Essenz verfügen und auf Ausschließungen und der Durchsetzung dominanter Erfahrungen und Problemlagen beruhen. In diesem Spannungsfeld geht es für Feministische Theorie und Praxis also darum, zwischen notwendigen Lernprozessen (Begriffserweiterungen) und einer Absage an den Feminismus und die Kategorie gender (postfeministischen Begriffsumdeutungen) zu unterscheiden. Ausgehend von der Annahme, dass insbesondere in post-kolonialen (feministischen) Debatten um „gender und Islamismus“ bzw. „gender und Islam“ postfeministische Positionen vertreten werden, wurden in der vorliegenden Diplomarbeit andererseits drei wissenschaftliche Texte zu dieser Thematik auf postfeministische Begriffsumdeutungen hin untersucht. Für die Analyse der Texte wurde anhand der Gegenüberstellung unterschiedlicher wissenschaftlicher Positionen und Einschätzungen zum Verhältnis von Feministischer Theorie, Postmoderne und Post-Kolonialismus ein Forschungsansatz entwickelt, der sich am Konzept der „transversal politics (rooting und shifting)“ orientiert. Gleichzeitig wurde der Versuch einer Selbstpositionierung im Rahmen des „anti-rassistischen/feministischen Ambivalenzkonfliktes“ unternommen. Im Zentrum dieses Forschungsansatzes steht die Definition von Feminismus bzw. Feministischer Theorie als normativ-politisch, kritischer Theorie, welche auf die Kritik und die Veränderung von patriarchalischen Geschlechter- und Herrschaftsverhältnissen abzielt. Der Begriff „posfeministisch“ wird demenstprechend im negativen Sinne als „Überwindung des Feminismus“ und als Hinwendung zu deskriptiv-apolitischen, unkritischen theoretischen Perspektiven verstanden. Die Textanalyse selbst erfolgte dann in Anlehnung an die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse, wobei eine Kombination von strukturierender und explizierender Inhaltsanalyse zum Einsatz kam. Im Hinblick auf die drei analysierten wissenschaftlichen Texte konnte festgestellt werden, dass es in Debatten um „gender und Islamismus“ bzw. „gender und Islam“ im Zusammenhang mit postmodernen analytischen Perspektiven zur postfeministisch-konservativen Umdeutung politisch-kritischer feministischer Konzepte kommen kann. Diese Begriffsumdeutungen werden durch anti-rassistische/ anti-imperialistische Einseitigkeiten noch zusätzlich unterstützt. Vor diesem Hintergrund wurde schließlich ein anti-feministischer Text in einem akademischen feministischen Umfeld kritiklos aufgenommen. Durch den Versuch der „Inklusion von Differenz“ im Rahmen von Debatten über „gender und Islamismus“/“gender und Islam“, kann es im Zeitalter von Postmoderne und Post-Kolonialismus in der feministischen Theoriebildung also zur Abwendung von einer normativ, politisch-kritischen Feministischen Theorie und zur Orientierung Feministischer Theorie an der Empirie (sprich am status quo von Frauen) kommen. Vor allem für Frauen in islamischen Ländern – aber auch grundsätzlich für Frauen in den meisten Gesellschaften – kann eine an der Empirie orientierte, rein deskriptive Feministische Theorie jedoch auch problematische Auswirkungen haben, da dieser status quo überall verbesserungswürdig ist. Die vorliegende Diplomarbeit möchte also dazu auffordern, dass FeministInnen und feministische WissenschaftlerInnen im Zeitalter von Postmoderne und Post-kolonialismus den normativ-kritischen, politischen Impetus Feministischer Theorie, welcher auf eine Veränderung und Bekämpfung patriarchalischer Normen und Strukturen abzielt, nicht aus den Augen verlieren. Ohne zum status quo ante zurückzukehren, sollte in einer Periode der starken Betonung von Differenzen zwischen Frauen und der Dekonstruktion von (Geschlechts-) Identitäten auch wieder stärker auf die durch patriarchalische Normen und Herrschaftsstrukturen bestimmten Ähnlichkeiten in den Situationen von Frauen hingewiesen werden, welche eine gender spezifische Analyse und Feministische Theorie und Praxis im Grunde erst rechtfertigen.
Abstract
(Englisch)
This thesis deals with the challenges faced by feminist theory in connection with postmodern and post-colonial approaches. Therefore, the tension-filled relationship between these three theoretical positions was elaborated. At the latest in the 1980s, especially post-colonial feminists started criticising the hegemonic position and the claim to universal validity of “western, white middle-class feminism”. They called attention to its racist exclusions, its illegitimate generalisations and its monopolisation of “other women”. Given the fact that “women” are no homogenous group, the category gender should be expanded in order to include other forms of social inequalities and cultural differences – like e.g. differences concerning skin colour, ethnic origin, social origin and sexual orientation. At the same time, the increasingly popular postmodern respectively poststructuralist approaches called into question all kinds of identity, including gender identities. They emphasised that identities are always socially consrtucted, that they do not have a fixed essence and that they are constituted through exclusions and the enforcement of dominant experiences and problems. Against this background, feminist theory and practice has to differentiate between necessary learning processes (conceptual expansions) and a rejection of feminism and the category gender (postfeminist conceptual reinterpretations). Based on the assumption, that postfeminist conceptual reinterpretations can occur particularly in post-colonial (feminist) debates about “gender and Islamism” respectively “gender and Islam”, three academic texts, which deal with the topic, were analysed in this thesis. In order to analyse the texts, a research approach was developed by means of confronting different theoretical positions and evaluations with regard to the relationship between feminist theory, postmodernism and post-colonialism and with the help of the concept of transversal politics/rooting and shifting. At the same time, a self-positioning in the context of the “anti-racist/ feminist ambivalence conflict” was undertaken. At the centre of this research approach is the definition of “feminism” respectively “feminist theory” as a normative, political and critical theory, which aims at criticising and changing patriarchal gender- and power relations. Therefore, the term “postfeminism” is understood in negative terms as an overcoming of feminism and a turn to descriptive, apolitical and uncritical theoretical perspectives. In order to examine the three texts, a combination of structuring and explaining qualitative content analysis was deployed. With regard to the three academic texts, this thesis comes to the conclusion that in connection with postmodern analytical perspectives, postfeminist-conservative conceptual reinterpretations of former political and critical feminist concepts can occur in debates about “gender and Islamism” respectively “gender in Islam”. Those reformulations are furthermore backed up by onesided anti-racist/ anti-imperialist attitudes and perspectives. Against this background, an anti-feminist text was accepted in an academic feminist context without being criticised at all. By trying to include “differences” in the framework of debates about “gender and Islamism” respectively “gender and Islam”, feminist theory can be reformulated in a negative sense. In connection with postmodern and post-colonial approaches, a former normative-political feminist theory can be transformed into a theory, which is merely descriptive and oriented towards the status quo of women. Especially for women living in Islamic countries – but also for women in other societies – a descriptive feminist theory can have problematic consequences, since this status quo is in need of improvement. Therefore, this thesis wants to invite feminists and feminist scholars not to lose sight of the normative-critical and political impetus of feminist theory, which aims at transforming and combating patriarchal norms and structures. Without returning to the status quo ante, in a period were differences between women are highly emphasised and (gender) identities are deconstructed there seems to be a need to point again to the similarities between women that result from patriarchal structures and norms of domination. These similarities basically legitimate a gender specific analysis and feminist theory and practice.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
feminist theory postmodernism post-colonialism gender and Islamism postfeminist positions
Schlagwörter
(Deutsch)
Feministische Theorie Postmoderne Post-Kolonialismus Gender und Islamismus postfeministische Positionen
Autor*innen
Johanna Edthofer
Haupttitel (Deutsch)
Feminismus im Zeitalter von Postmoderne und Post-Kolonialismus
Hauptuntertitel (Deutsch)
postfeministische Positionen in Debatten um "Gender und Islamismus"
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
182 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Birgit Sauer
Klassifikationen
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein: Sonstiges ,
89 Politologie > 89.05 Politische Theorie ,
89 Politologie > 89.99 Politologie: Sonstiges
AC Nummer
AC08894564
Utheses ID
15607
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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