Detailansicht
Gebärdensprachdolmetschen
wenn hörende Menschen Augen machen
Andrea Hahnl
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Betreuer*in
Miroslavka Kadric-Scheiber
DOI
10.25365/thesis.17639
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30001.25270.968070-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Masterarbeit stand ganz im Zeichen der Gebärdensprache in Österreich und beschäftigte sich ganz besonders mit dem Gebärdensprachdolmetschen. Dazu wurden die theoretischen Grundlagen im ersten Teil genau recherchiert und präsentiert, um im Anschluss auf einen praktischen, empirischen Teil überzuleiten:
Nach einer begrifflichen Definition des Dolmetschens, wozu auch die spezielle Form des Gebärdensprachdolmetschens gehört, wurde ein Überblick darüber gegeben, wie das GS-dolmetschen aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen wird. So wurden wissenschaftliche Beschreibungen gesammelt und vorgestellt. Ausgehend von den Begriffen Dolmetschen und Gebärdensprachdolmetschen wurden verschiedene Sichtweisen dazu aufgelistet und kommentiert. Es wurde festgestellt, wieviele GS-DolmetscherInnen es in Österreich gibt und wieviele Gehörlose Personen ihre Dienste in Anspruch nehmen.
Auch die Gehörlosengemeinschaft in Österreich wurde genauer betrachtet. Die medizinischen Grenzwerte für die Attestierung von Gehörlosigkeit wurden vorgestellt. Danach wurde klargestellt, dass der Begriff taubstumm seine Gültigkeit verloren hat, da heute klar ist, dass das Nicht-Hören nicht bedeutet, dass keine Sprache beherrscht wird. Es wurde festgestellt, dass die Gebärdensprache als eigenständige Sprache gilt, da sie über all jene Merkmale verfügt, die eine solche ausmachen. Dazu wurden ebenfalls in der bestehenden Literatur viele Anhaltspunkte gefunden, die in der vorliegenden Arbeit ihren Platz gefunden haben.
Die Tatsache, dass gehörlose ÖsterreicherInnen die Möglichkeit haben, verschiedenen regionalen Vereinen beizutreten, die besonders auf die Interessen und Anliegen derselben zugeschnitten sind, wurde ebenfalls in der vorliegenden Arbeit behandelt. Die entsprechenden Vereine und die ihnen übergeordnete Struktur in Österreich und der ganzen Welt wurde in einem eigenen Unterpunkt beschrieben (vgl. Kapitel 2.3.).
Das darauffolgende Kapitel wurde der offiziellen Anerkennung der Gebärdensprache, die im Jahr 2005 vom österreichischen Parlament durchgesetzt wurde, gewidmet. Der Prozess bis zur tatsächlichen Anerkennung wurde von Beginn an bis zur tatsächlichen Gesetzesänderung beschrieben. Dieser lange und aufwendige Kampf in der österreichischen Politik konnte nicht zuletzt durch die Unermüdlichkeit von engagierten PolitikerInnen gewonnen werden. Auch die Sicht dieser Personen soll hier zum Ausdruck gebracht werden. Daher wurde stellvertretend für alle, die sich politisch für die Gebärdensprache stark gemacht haben die Abgeordnete Helene Jarmer zum Interview gebeten. Dieses Interview ist im Anhang einsehbar und wurde im Zuge der Masterarbeit genau vorgestellt. Im Rahmen dieser Befragung macht Frau Jarmer, die selbst gehörlos ist, Angaben zu ihrer Person, zu ihrem Bezug zu Gebärden- und Lautsprache, sowie zu ihrem Umgang mit GS-DolmetscherInnen. Etwaige Probleme, die sie in Dolmetschsituationen bereits erlebt hatte, wurden ebenfalls im Rahmen dieses Interviews ans Tageslicht gebracht. Der größte Teil der Interviewfragen beschäftigte sich aber mit ihrer politischen Tätigkeit. Auch über noch offene Versprechen von Seiten der Politik sprach sie, genauso wie über die zukünftigen Vorhaben bezüglich Gebärdensprache.
Einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung der österreichischen Gebärdensprache in Österreich lieferte die Gebärdensprachdolmetschforschung, die mit ihren Ansichten zum Thema GS-Dolmetschen in dieser Arbeit vorgestellt wurde. Auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Gebärden- und Lautsprachen wurden erarbeitet. Die eventuell noch bestehenden Vorurteile gegenüber gebärdensprachigen Menschen können nur abgebaut werden, wenn die Öffentlichkeit darüber besser informiert wird. Da es bereits einige Informationskampagnen zu dieser Thematik gab, wurde auch darüber berichtet. Die GS-Dolmetschforschung und die Politik haben bereits viele Schritte gesetzt, um gegen Halbwissen anzukämpfen und so gehörlosen Personen eine möglichst gleichberechtigte Position in der Gesellschaft zu verschaffen.
Den GebärdensprachdolmetscherInnen in Österreich wurde ebenfalls in der vorliegenden Arbeit Beachtung geschenkt, da sie das Bindeglied zwischen dem hörenden und dem gehörlosen Teil der Gesellschaft sind. Die drei derzeit in Österreich möglichen Ausbildungsvarianten wurden kurz vorgestellt, genauso wie die aktuellen Zahlen und Fakten bezüglich gehörloser ÖsterreicherInnen und GS-DolmetscherInnen.
Im letzten Abschnitt der vorliegenden Arbeit wurde die empirische Studie vorgestellt, im Rahmen derer gehörlose Menschen in Österreich dazu befragt wurden, wie zufrieden sie mit der aktuellen Lage am GS-dolmetschmarkt sind. Mittels Fragebogen sollten sie Angaben zu verschiedene Themenkreisen machen. Ihre persönlichen Erfahrungen mit GS-DolmetscherInnen, sowie ihre Meinung zum Thema wurden darin besonders berücksichtigt. Die BefragungsteilnehmerInnen machten Angaben dazu, wie häufig sie eine Dolmetschung benötigen und woher sie wie gut ausgebildete GS-DolmetscherInnen beziehen. Der Frage, ob sie mit dem derzeitigen Angebot an GS-DolmetscherInnen zufrieden sind, wurde besondere Beachtung gewidmet. Auch die Veränderungen, die sich seit der offiziellen Anerkennung der Gebärdensprache bemerkbar gemacht haben, wurden genau untersucht und erfragt. Die ProbandInnen wurden weiters gebeten, Wünsche und Zukunftsvorstellungen bezüglich der österreichischen Gebärdensprache anzugeben.
Das methodische Vorgehen bei Erstellung und Auswertung der Studie wurde in der vorliegenden Arbeit beschrieben. Auch die erhaltenen Ergebnisse wurden mit Grafiken anschaulich gemacht, angeführt und im Anschluss diskutiert. Der Fragebogen ist im Anhang dieser Masterarbeit verfügbar.
Abstract
(Englisch)
Austrian Sign language and its interpreting in Austria are the main topics of this Master theses.
As a first part of the theses theoretical knowledge about Austrian Sign Language Interpreting was collected and presented. The second half of the present paper is devoted to empirical research around this topic. Therefore an interview and a survey were carried out and are included in chapters four and five of the present theses. In the first chapter definitions of the terms interpreting and sign language interpreting are presented there. Sign language is being seen as a completely autonomous language for it contains all necessary characteristics, as for example grammar ecc.
Afterwards one can read, who and how many people in Austria are hearing impaired or completely deaf. Therefore the definition of deafness is provided as well as the definition of impairments published by the WHO (World Health Organisation). These deaf or hearing impaired Austrians have got the possibility to become a member of diverse Unions of the Deaf. These federations are also included and presented in this paper.
One chapter is devoted to the political dimension of this topic. In this part there are descriptions of the contemporary situation of Austrian Sign Language. One can read, how hard and tedious it was for Austrian politicians to acknowledge the Austrian Sign Language in the Austrian Constitution. Since 2005, when this fight was won, there have been many changes going on. To get more information about these changes and the personal view of a politician there was an interview carried out with Jarmer. She is a politician, who was highly involved in promoting the acknowledgement of Sign Language in Austria.
The primary transcript of this interview can be read in the annex of the present paper. During the interview Ms. Jarmer was asked about personal and political things. She was very willing to answer the questions and talked about how long and why she has been deaf as well as about her political career and the changes she felt had been made since 2005. She was also asked, what should be done in addition to the amendment of 2005.
The Austrian Sign Language Interpreters are also part of the theses. That is why the different types of interpreter education in Austria are presented as well as the facts and figures related to this profession.
The last part of the Master theses consists of an empirical research aiming to find out, how satisfied hearing impaired Austrians are with the current situation of Sign Language and its interpreting. This was a survey carried out among 34 Austrians who are partially or completely deaf. They were asked personal questions as for example how long they had been hearing impaired. Afterwards they were asked to tell if they were a member of any Union of the Deaf and when and where they needed Sign Language Interpreting. The answers were varying. The participants of this study also stated that they were merely satisfied with the Austrian Sign Language Interpreters although there had been some problems during past interpreting settings. When asked about the political dimension of Austrian SL most of the respondents answered that they were informed of the latest amendments and that they felt the according changes. At the end of this survey the hearing impaired stated that they wished to have a broader range of certificated SL-Interpreters in Austria. The survey is also part of the annex and can be read there.
What was found out by this survey was that nearly 25 percent of the respondents are satisfied with the current situation in Austria, whereas only some five percent are not. This means that a lot has been done already to create equality between hearing and deaf Austrians, but there are still many things to be changed.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
sign language interpreting interpreting
Schlagwörter
(Deutsch)
Gebärdensprachdolmetschen Gebärdensprache offizielle Anerkennung RezipientInnenbefragung Gehörlosenbefragung
Autor*innen
Andrea Hahnl
Haupttitel (Deutsch)
Gebärdensprachdolmetschen
Hauptuntertitel (Deutsch)
wenn hörende Menschen Augen machen
Paralleltitel (Englisch)
Sign language interpreting
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
112 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Miroslavka Kadric-Scheiber
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.45 Übersetzungswissenschaft ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen > 18.99 Sonstige Sprachen und Literaturen
AC Nummer
AC09428655
Utheses ID
15806
Studienkennzahl
UA | 065 | 342 | 348 |
