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Perspektiven der Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei
Enes Göksel
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Gernot Stimmer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.18051
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30337.06452.430770-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen großen Veränderungen im „Weltsystem“ waren parallel ursächlich für zahlreiche Veränderungen in der inneren Dynamik der Türkei. Diese ernsthaften Veränderungen, mindestens so stark wie das Ergebnis des Drucks der politischen Kräfte in Form von Bürgerkriegen, sind das Ergebnis eines Weltkrieges, welcher das Auftreten neuer Akteure im international-wirtschaftlichen Rahmen innerhalb neuer Systemstrukturen in ebenso neuem Format mit sich brachte. Am Ende des Krieges schien es sicherlich der beste Weg für die Türkei zu sein, ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen an der westlichen Seite der Welt zu orientieren und sich dem Westen somit auch gleichzeitig zu nähern. Diese „Außen-Innen-Interaktion“ beschleunigte den Entwicklungsgang der Mehrparteien-Demokratie in der Türkei auf der einen Seite, auf der anderen Seite öffnete die Türkei einer westlichen Art der wirtschaftlichen Entwicklung nahezu alle Türen. Dazu gehören auch die Bemühungen der Türkei, engeren Kontakt zur westlichen politischen Allianz zu suchen, sowie die westlichen Programme und Organisationen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit verstärkt zu begrüßen. Diese Vielseitigkeit im Bereich der wirtschaftlichen und politischen Ebene wies viele Parallelen zur extern stattfindenden Politik auf.161 Griechenland beantragte am 15.7.1959 formal die Aufnahme zur EWG. Die Türkei hingegen, um ihre nationalen Interessen zu schützen, beobachtete Griechenland und seine soeben offiziell aufgenommenen Beziehungen zu den westlichen Institutionen sehr, sehr genau. Obwohl Griechenland zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht alle wichtigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Beitritt erreicht hatte, schien eine Aufnahme durch die westliche Institution ganz und gar nicht abwegig, was die politische Situation in der Türkei selbst auf den Kopf stellte. Auf der anderen Seite lag es auf der Hand, dass die gleichwertigen Exportprodukte aus der Türkei genauso einen wichtigen Bestandteil für die EWG-Mitgliedsstaaten darstellten, wie jene aus Griechenland kommenden Erzeugnisse. Die Vorrechtstellung Griechenlands in Zusammenhang mit dem Eintritt in die Gemeinschaft riskierte die Entstehung einer wirtschaftlich schwierigen Situation zwischen den Ländern der Gemeinschaft und der Türkei in Bezug auf Import-Export-Geschäfte. Diese Situation könnte zu den großen wirtschaftlichen Verlusten in der Türkei zu dieser Zeit geführt haben. Aus diesem Grund ist wohl ein Hauptmotiv der Türkei, einen Antrag zur Aufnahme in die EWG zu stellen, gewesen, Griechenland nicht allein in die Gemeinschaft ziehen zu lassen.162 Die damalige Haltung der Türkei gegenüber der Griechenland-EWG-Beziehungen lassen sich auch aus den folgenden Worten des Außenministers Zorlu entnehmen: „Selbst wenn Griechenland in einen leeren Pool springen würde, dürfen wir die Griechen nicht unbeobachtet (allein) lassen; zögern Sie nicht, nachzuspringen!“ (türkisches Original: „Yunanistan kendisini boş bir havuza atsa bile onu yalnız bırakmaya gelmez, tereddüt etmeden siz de atlayacaksınız.“163). Als Folge dieser Entwicklungen, stellte die Türkei sich, nur zwei Wochen nach dem Antrag von Griechenland und 19 Monate nach dem Inkrafttreten des Vertrages von Rom, Westeuropa in Bezugnahme auf Artikel 238 am 31.7.1959 als Kandidat für eine wirtschaftliche Partnerschaft mit der EWG vor.164 Der ex-Artikel 238 beinhaltet Folgendes: „Die Gemeinschaft kann mit einem oder mehreren Staaten oder einer oder mehreren internationalen Organisationen Abkommen schließen, die eine Assoziierung mit gegenseitigen Rechten und Pflichten, gemeinsamem Vorgehen und besonderen Verfahren herstellen.“165 Am 11.9.1959 fand die Sitzung des EWG-Ministerrats statt, und man kam insofern zum Ergebnis, die Anfrage der Türkei nach einer Partnerschaft positiv aufgenommen wurde; die Kommission sollte sich von nun an mit der Türkei zu Verhandlungen zusammensetzen, um die Anforderungen für eine Partnerschaft respektive einen Beitritt herauszuarbeiten.166 Die Gemeinschaft sah zusammenfassend in der Türkei auf der einen Seite einen wirtschaftlich eher schwachen, auf der anderen Seite jedoch, einen strategisch signifikanten Verbündeten.167 Seither – bis zum heutigen Tage – wird zwischen der Europäischen Union und der Türkei ewig „Ping Pong“ gespielt.
Abstract
(Englisch)
Turkey´s adventure of entering respectively joining the European Union began approximately half a century ago, but until now there are no clear results. Formed after the Second World War, major changes in the “world system” were parallel to the cause of numerous changes in the internal dynamics of Turkey. These serious changes, at least as strong as the result of the pressure from political forces in form of civil wars, are the results of a world war, which brought the emergence of new players in the international-economic framework within new structures in the system as a new format with it. At the end of the war, it certainly seemed the best way for Turkey to orient their political and economic interests on the western side of the world, and thus approaching the “West” at the same time. This “outside-inside-interaction” accelerated the process of the development of a multi-party democracy in Turkey, on the one hand; on the other hand, Turkey opened almost all the doors for a western type of economic development. This includes the efforts of Turkey of seeking closer contact to the western political alliance and of strengthening the economic cooperation with western organizations and programs. This versatility in the field of economic and political level had many parallels to the externally held policy.168 Greece formally requested on 15.07.1959 for the admission into the EEC. Turkey, however, with the aim to protect its national interests, watched Greece and its new, official relations with the western institutions very, very carefully. Although Greece had not yet reached all the important prerequisites for being a successful candidate at that time, an admission by the western institution (EEC) seemed not far-fetched at all; this endangered the political situation in Turkey at the same time. On the other hand, it was obvious that the equivalent export products from Turkey represented an equally important part for the EEC Member States, such as those products coming from Greece. The privileged position of Greece in connection with an entry into the Community risked the creation of an economically difficult situation between the countries of the Community and Turkey in terms of import-export operations. This situation could have led to great economic losses in Turkey at that time. For this reason, probably a main subject of Turkey to ask for an accession to the EEC was not to let Greece alone in the Community.169 The former attitude of Turkey towards the Greek-EEC relations can also be inferred from the following words of Foreign Minister Zorlu: “Even if Greece jumped into an empty pool, we must not leave the Greeks unnoticed (alone), do not hesitate to jump, too.” (Turkish original: „Yunanistan kendisini boş bir havuza atsa bile onu yalnız bırakmaya gelmez, tereddüt etmeden siz de atlayacaksınız.“170). As a result of these developments, Turkey presented itself on 31.07.1959, only two weeks after the request of Greece and 19 months after the entry into force of the Treaty of Rome, as a candidate for an economic partnership with the EEC in reference to Article 238.171 The ex-Article 238 includes the following: “The Community may conclude with a third State, a union of States or an international organization agreements establishing an association involving reciprocal rights and obligations, common action and special procedures.”172 On 11.09.1959 the meeting of the EEC Council of Ministers was held, and one came so far to the conclusion that the request of Turkey was a positive step forward; and from now on, the Commission should be composed on Turkey´s negotiations respectively on working out the requirements for joining a partnership.173 On the one hand, Turkey was an economically weak nation for the Community, on the other hand, however, a significant strategic ally.174 Since then – until today – the European Union and Turkey are playing „Ping Pong”.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
EU Turkey
Schlagwörter
(Deutsch)
EU Türkei
Autor*innen
Enes Göksel
Haupttitel (Deutsch)
Perspektiven der Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
98 S. : Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Gernot Stimmer
Klassifikationen
89 Politologie > 89.90 Außenpolitik, Internationale Politik ,
89 Politologie > 89.94 Internationale Beziehungen: Sonstiges
AC Nummer
AC09029503
Utheses ID
16164
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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