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Das mexikanische Kaiserreich Maximilians von Habsburg (1864 - 1867)
ein französisches Kolonialabenteuer
David Pruonto
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Wolfgang Schmale
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.18078
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29159.23595.504460-0
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die französische Intervention in Mexiko und das daraus hervorgehende Zweite Mexikanische Kaiserreich hatte ein vielfach miteinander verwobenes kompliziertes Bündel von Interessen zur Grundlage. Diese sich in der Zeit zwischen 1861 und 1867 immer wieder neu verbindenden oder auch bekämpfenden Interessen und Motivationen stehen im Zentrum dieser Arbeit. Als wesentliche ideologische Grundlage der französischen Intervention verdient Napoleons III. grande idée eine besondere Aufmerksamkeit. Sie beinhaltete eine Neugliederung des amerikanischen Kontinents durch ein Lateinisches Kaiserreich in Mexiko, das nach französischen Maximen organisiert werden sollte. Diese strategischen Pläne verbanden sich in Frankreich aber auch mit bedeutenden wirtschaftlichen und politischen Interessen. So sollte auch der französische Handel auf dem amerikanischen Kontinent eine unangreifbare Position erhalten. Immer wieder aufkommende Kanalbaupläne zwischen Atlantik und Pazifik, oder der Versuch, die Silberminen in Sonora unter französische Kontrolle zu stellen, zeigen in die gleiche Richtung. Gleichzeitig arbeiteten mexikanische Konservative, innerhalb und außerhalb des Landes, auf die Errichtung einer Monarchie hin, die die herrschende politische Instabilität überwinden sollte. Mit Maximilian von Habsburg konnte die herbeigesehnte Monarchie schließlich in die Tat umgesetzt werden. Als er im Juni 1864 in Mexiko ankam, zeigte sich bald, dass sich dessen Interessen und Politikverständnis zum Großteil nicht mit denen deckten, die ihn nach Mexiko gerufen hatten. Doch waren auch die Widerstände gegen die Intervention groß: sowohl die mexikanischen Liberale, als auch die Vereinigten Staaten stellten sich vehement gegen diesen Angriff auf die staatliche Souveränität Mexikos. Die Liberalen sahen ihr umfassendes Modernisierungsprogramm, das sie in den Jahren 1855-1860 begonnen hatten, in Gefahr. Aber auch die Kirche opponierte bald gegen die ihr zu liberale Politik der französischen Intervention und ab 1864 auch Maximilians. So torpedierte sie erfolgreich den Abschluss eines mexikanischen Konkordats. Nach dem Rückzug der französischen Truppen (nicht zuletzt wegen der 1866 sich verschärfenden Kriegsgefahr in Europa) konnte Maximilian das Ende seines Kaiserreichs nicht mehr lange verhindern. Seine Gefangennahme im Mai 1867 und seine nach einem Prozess am 19. Juni 1867 erfolgte Erschießung markierten das Ende eines europäischen Abenteuers auf dem amerikanischen Kontinent. Davon ausgehend wird eine Einbettung dieser Zeit in den größeren Zusammenhang der französischen Expansion in Übersee unternommen. Die Frage nach einer strukturellen Andersartigkeit oder Ähnlichkeit der Intervention in Mexiko verglichen mit kolonialen Expeditionen stellte sich dabei vor allem im Hinblick auf das zeitgleiche französische Eingreifen in Indochina. Dabei ließen sich Parallelen zwischen beiden Fällen aufzeigen. Vor allem waren die Argumente für ein Eingreifen – wirtschaftlicher, strategischer oder politischer Art – in beiden Fällen nur in Details verschieden. Auch die langsame und schrittweise Implementierung dominanter Strukturen zeigten sich sowohl in Mexiko als auch in Indochina. Somit kann Mexiko in den 1860er Jahren als Ziel eines abgebrochenen Kolonialisierungsversuchs durch Frankreich verstanden werden. Dieser war jedoch unter den speziellen Bedingungen Lateinamerikas von vornherein zum Scheitern verurteilt, wodurch sich die Situation Mexikos in einem Graubereich zwischen europäischem Kolonisierungsversuch, postkolonialem mexikanischem Abwehrkampf und (amerikanischem) Souveränitätsbestreben eines abhängigen europäischen Monarchen verorten lässt.
Abstract
(Englisch)
The French intervention in Mexico and the resulting Second Mexican Empire were a result of a complex bunch of interests. These related or opposing interests and motivations in the period 1861-1867 are the main focus of this thesis. As the main ideological factor of the French intervention, Napoleon III's grande idée needs special attention. It meant the reorganization of the American continent under French hegemony with a Latin Empire as its core. These strategic plans were soon allied with considerable French economic and political interests. French trade should gain an unassailable position in the Americas. The plans to construct a canal between the Atlantic and the Pacific oceans, or the attempts to seize control over the silver mines in Sonora, point into the same direction. In the same time, Mexican conservatives, both inside and outside the country, pursued their idea of a monarchy in Mexico that should put an end to the prevailing political instability. This plan could be realized with Maximilian of Habsburg's accession to the throne. But when he finally arrived in Mexico in June 1864, it soon became evident that his political ideals and his strategy were not always compatible with the interests of those who had called him to come to Mexico. The opposition against this process was however strong: Mexican liberals and the United States were determined not to tolerate this attack on Mexican sovereignty. The liberals feared that their modernization program initiated in the period 1855-1860 was in danger. The Catholic church, for her part, considered the policy followed by the intervention and later by Maximilian too liberal and renounced to support it. So, prominent church leaders were successful in preventing a concordat between Imperial Mexico and the Holy See. After the retreat of the French troops catalysed by impending war in Europe in 1866, Maximilian was unable to prevent the end of his empire. His imprisonment, a process against him and his assassination on 19 June 1867 marked the end of a European adventure on the American continent. After this analysis, the period – which remained an episode both in French and Mexican history – is embedded in the context of contemporary French overseas expansion. The question whether the intervention in Mexico was structurally different or similar to colonial expeditions arises when compared to the French colonization of Indochina. Parallels between both evolutions were obvious, especially the arguments for an intervention – economic, strategic, or political – differentiated only in few details. The long and gradual implementation of dominant structures can be remarked in Mexico and in Indochina. So, Mexico in the 1860s can be described as the target of an interrupted French colonization attempt. As it had – under the special Latin American circumstances – no real chances of success, the Mexican situation must be located between European colonization, post-colonial Mexican resistance to it and (American) sovereignty aspirations of a dependent European monarch.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Mexican Empire French intervention Mexico Maximilian of Habsburg Charlotte Napoleon III Benito Júárez
Schlagwörter
(Deutsch)
Mexikanisches Kaiserreich Französische Intervention intervencion francesa expédition du Mexique Mexiko Maximilian von Mexiko Charlotte Napoleon III. Benito Juárez
Autor*innen
David Pruonto
Haupttitel (Deutsch)
Das mexikanische Kaiserreich Maximilians von Habsburg (1864 - 1867)
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein französisches Kolonialabenteuer
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
311 S. : Ill., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Wolfgang Schmale ,
Thomas Fröschl
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.65 Frankreich ,
15 Geschichte > 15.78 Südostasien ,
15 Geschichte > 15.88 Mittelamerika, Südamerika
AC Nummer
AC08914881
Utheses ID
16187
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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