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Ökotourismus und Indigene Rechte am Beispiel des Nationalparks „Parc Amazonien de la Guyane“, Französisch-Guyana
Astrid Elisabeth Österreicher
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
René Kuppe
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.18260
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30000.46899.334470-3
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Ökotouristische Angebote sind das am schnellsten wachsende Segment innerhalb der boomenden Tourismusbranche. Entsprechend starkes Interesse herrscht an Expansionsmöglichkeiten in Regionen, die reich an intakten Ökosystemen sind. Durch die Errichtung von Naturschutzgebieten soll die touristische Nachfrage zusätzlich stimuliert werden. In vielen Fällen sind die betroffenen Landstriche von indigenen Völkern bewohnt; denn 80% der verbleibenden weltweiten Biodiversität befindet sich in ihren Lebensräumen. In der internationalen Naturschutzszene wird mittlerweile eingestanden, dass lokale und indigene Gesellschaften bei der Planung und Verwaltung von Naturschutzgebieten jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt wurden. Als mögliche Lösung werden verschiedene Formen partizipativer Managementoptionen propagiert (Community Conserved Areas, Co-managed Protected Areas,…). Im südlichen Französisch-Guyana wie auch anderswo besteht jedoch die Gefahr, dass ein schwammiger Partizipationsbegriff als Ersatz für die Anerkennung von indigenen Rechten herhalten muss. Ein Zugang zu Entwicklungsfragen, der sich am internationalen Recht orientiert, ist hier sehr vielversprechend, da er dem Risiko, dass die betroffenen indigenen Völker übergangen werden, klare Normen entgegensetzt. Es stellt sich die Frage, ob die Partizipationsmöglichkeiten, die die Gründung des „Parc Amazonien de la Guyane“ begleiteten, dem Selbstbestimmungsrecht der betroffenen autochthonen Bewohner_innen Genüge leisten – eine Voraussetzung für respektvollen und verantwortungsvollen Tourismus. Als ersten Schritt untersucht die vorliegende Arbeit den internationalen Nachhaltigkeitsdiskurs, durch den Tourismus als Entwicklungsmodell wieder salonfähig gemacht wurde. In Französisch-Guyanas war das südlichste Drittel des Landes 1970 für Tourismus gesperrt worden, um die dort ansässigen indigenen Völker Wayana, Wayapi und Teko zu schützen. Im Rahmen der Schaffung des Nationalparks wird er heute unter dem Banner des „Ökotourismus“ wieder neu diskutiert. Die lokale Situation spiegelt also in bemerkenswerter Weise das Auf und Ab im internationalen entwicklungspolitischen Diskurs wieder. Es wird ein Überblick über die Rechte indigener Völker gegeben, gefolgt von einer genauen Untersuchung des französischen Rechtsrahmens. Das historische Erbe der französischen Revolution schlägt sich bis zum heutigen Tag in einem problematischen Verhältnis zu den Rechten von indigenen Völkern und Minderheiten nieder. Nichtsdestotrotz wurden durch eine pragmatische Herangehensweise an indigene Anliegen einige Ausnahmeregelungen möglich. Der letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der schwierigen Geburt des Nationalparks, die sogar einen Kaiserschnitt in Form einer Überarbeitung der französischen Nationalparkgesetzgebung notwendig machte. Der Park wurde 2007 eingerichtet, nach fünfzehn Jahren Verhandlung. Noch immer sind mehrere wichtige Fragen bezüglich der Rechte der lokalen Gemeinschaften unbeantwortet und müssen erst im Rahmen der Nationalparkcharta gelöst werden. Die Charta bildet das Herzstück der Gesetzesreform und muss von der Nationalparkkommission innerhalb von fünf Jahren nach Schaffung des Parks verhandelt werden. Die tribalen und indigenen Autoritäten erhielten jedoch nur 5 von 44 Sitzen in dieser Kommission, wodurch das Recht auf Selbstbestimmung weiterhin in Frage gestellt wird.
Abstract
(Englisch)
Today, tourism as the world’s biggest industry is looking for opportunities to expand into regions with intact eco-systems in order to develop “ecotouristic” activities. This expansion goes hand in hand with the creation of protected areas, which help to stimulate ecotouristic demand. Often, the lands in question are lands occupied by indigenous peoples, where 80% of global biodiversity remain. The international conservationist scene admits to have neglected local and indigenous communities in the planning of protected areas for decades. As a possible answer, different forms of participative planning and management are put forward (Community Conserved Areas, Co-managed Protected Areas,…). However, in French-Guyana and in other places, there remains a risk that a vague notion of participation replaces the recognition of indigenous rights. An approach to development that is firmly anchored in international law establishes clear norms to counter this risk. The question is if the possibilities for participation accompanying the creation of the Amazonian National Parc of French-Guyana accommodate the right to self-determination of the residant indigenous peoples, preliminary condition for respectful and responsible tourism. As a first step, the paper examines the international sustainability discourse which has acted to green-wash tourism from its criticisms. In the case of French-Guyana, tourism in the Southern indigenous territories had been banned in 1970 as a protective measure, but is now again discussed under the banner of “ecotourism” as a development scheme in the Amazonian National Park. The situation in French-Guyana thus closely mirrors the fall and rise of tourism in the international development discourse. An overview of the contents of indigenous rights is given, followed by a close look at the French legal framework. The historic heritage of the French revolution’s ideals still translate to a problematic relationship with indigenous and minorities rights. However, a pragmatic handling of indigenous demands has allowed for some exceptional legislation. The final chapters deal with the difficult birth of the Amazonian National Park, which even made necessary a kind of Caesarean section, a reform of the French national parks legislation. The park was created in 2007, after fifteen years of negotiating. Still several important questions concerning the rights of local communities have been left unanswered and need to be solved by the charta of the national park. The charta, an important innovation of the legislative reform, is to be negotiated by the park’s steering committee in the five years after creation of the park. However, tribal and indigenous authorities hold only 5 out of 44 seats in this committee, putting the right of self-determination at stake.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
indigenous peoples indigenous rights tourism ecotourism protected area national park conservation Amazon Amazonia France Wayana Wayapi Teko
Schlagwörter
(Deutsch)
Indigene Völker Tourismus Naturschutz Naturschutzgebiet Amazonas Amazonien Frankreich Wayana Wayapi Teko
Autor*innen
Astrid Elisabeth Österreicher
Haupttitel (Deutsch)
Ökotourismus und Indigene Rechte am Beispiel des Nationalparks „Parc Amazonien de la Guyane“, Französisch-Guyana
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
133 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
René Kuppe
Klassifikationen
43 Umweltforschung, Umweltschutz > 43.30 Umweltpolitik ,
43 Umweltforschung, Umweltschutz > 43.31 Naturschutz ,
73 Ethnologie > 73.71 Recht, Normen ,
86 Recht > 86.62 Naturschutzrecht, Landschaftsschutzrecht, Umweltrecht ,
86 Recht > 86.85 Menschenrechte ,
89 Politologie > 89.93 Nord-Süd-Verhältnis
AC Nummer
AC09373732
Utheses ID
16358
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
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