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Hegemonie und Diskurs
Stephan Strasser
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Ulrich Brand
DOI
10.25365/thesis.18494
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30270.32431.552565-8
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In dieser Arbeit wird eine theoretische Basis zur Erfassung hegemonialer Kämpfe in der aktuellen globalisierten Gesellschaft entwickelt. Hegemoniale Kämpfe sind immer Kämpfe um Bedeutungshoheit, bzw. um die Universalisierung einer Weltsicht. Hegemonie steht – anders als etwa in realistischen Ansätzen - für ein universales und sämtliche gesellschaftliche Bereiche und Gruppen einbindendes Deutungssystem. Die Frage, mit der sich diese Arbeit theoretisch befasst, lautet, wie sich eine hegemoniale Deutungslogik –trotz Krisen und Widersprüchen – immer wieder reproduzieren und (zumindest zeitweise) stabilisieren kann. Zu hinterfragen ist vor allem, wie die relativ kohärente Zielrichtung hegemonialer Argumentations- und Deutungsmuster zu begründen ist und wie das strategische Handeln politischer Akteure dazu beiträgt. Dabei ist folgende Überlegung von besonderer Bedeutung: Interessen und Forderungen haben unterschiedlich hohe Chancen, gesamtgesellschaftlich bedeutsame Veränderungen zu erwirken, je nachdem von wem sie lanciert werden und in welchem Verhältnis sie zur bestehenden hegemonialen Deutungslogik stehen: Anliegen, die mit etablierten Argumentations- und Deutungsstrukturen kompatibler sind, erscheinen in der Öffentlichkeit plausibler und haben daher eine größere Durchsetzungskraft in politischen Kämpfen. Das bedeutet, dass sie sich auch in Zukunft eher in ein sich über politische Auseinandersetzungen reartikulierendes Gesellschaftssystem einnisten, als diejenigen Anliegen, die etwa eine bestehende hegemoniale Ordnung in einem tiefgreifenderen Sinn in Frage stellen. Akteuren, die eine zum hegemonialen Deutungssystem besser passende Positionen vertreten, gelingt es also eher, ihre Sichtweisen und Anliegen zu universalisieren und strukturell zu verstetigen, als anderen. Das hegemoniale System trägt Selektivitäten in sich, die es stabilisieren und seine eigene Weiterentwicklung bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, aber nicht vollständig determinieren:
Die Arbeit beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung eines Rahmens zur theoretischen Erfassung hegemonialer Kämpfe um Deutungen und um die Universalisierung eines Deutungssystems, sowie um die hegemoniale Verankerung und Stabilisierung dieses Systems: Dazu werden Einsichten aus unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Ansätzen herangezogen und aufeinander bezogen:
Die Arbeit beginnt mit einer Diskussion des von Antonio Gramsci geprägten Hegemoniebegriffs und einer Auseinandersetzung mit (neo-)gramscianischen Arbeiten, in denen versucht wird, die Hegemoniekonzeption Gramscis transnational zu reformulieren. Ein Defizit dieser Ansätze besteht in einem zu statisch gedachten Hegemoniebegriff und in der mangelnden theoretischen Vermittlung zwischen gesellschaftlichen Strukturen und Akteurshandeln: Zwar wird in den hier diskutierten Ansätzen eine Sichtweise abgelehnt, die ein essentialistisches Strukturierungsprinzip der Gesellschaft annimmt, es gelingt aber nicht, die Existenz und das Wesen gesellschaftlicher Strukturen überzeugend aus einer handlungstheoretischen Perspektive heraus zu erklären: Unter Zuhilfenahme eines von Bob Jessop entwickelten Konzeptes werden gesellschaftliche Strukturen als verstetigte (über politische Formen abgesicherte) Manifestationen vergangener Strategien erfasst: Die relativ kohärente Zielrichtung kapitalistischer Vergesellschaftung mit ihren strukturellen Verstetigungen wird mit der Annahme von Selektivitäten begründet: Das bestehende hegemoniale System privilegiert bestimmte, mit dem hegemonialen Projekt eher kompatible Anliegen und begünstigt ihre Universalisierung, während es andere tendenziell marginalisiert.
Ein weiteres Problem neogramscianischer Ansätze besteht darin, dass sie über ein unzureichendes Instrumentarium zur Erfassung des Zwangscharakters globaler Herrschaft verfügen: Die traditionellen gramscianischen Kategorien „Konsens und Zwang“ liefern keine ausreichende Begründung für die globale Durchsetzungskraft hegemonialer Deutungsmuster. Der Zwangscharakter globaler Herrschaft drückt sich vor allem auch in der Fähigkeit hegemonialer Kräfte aus, auf Sichtweisen anderer politischer Akteure Einfluss zu nehmen, konkurrierende politischer Projekte zu desorganisieren und alternative Argumentations- und Deutungsmuster zu desartikulieren. Zur theoretischen Erfassung politischer Kämpfe um hegemoniale Sichtweisen und Deutungen, werden Einsichten aus den sozialwissenschaftlichen Diskurstheorien genutzt. Diskurse werden in Anschluss an Michel Foucault, als eigene Materialitäten konzipiert: Sie sind keine passiven sprachlichen Abbildung der einen realen Welt, sondern artikulatorische Praxen, welche die soziale Welt aktiv konstituieren und organisieren (vgl. Jäger 2001: 23). Einen wichtigen Beitrag zum Verständnis diskursiver Kämpfe um hegemoniale Deutungen liefern - trotz Einwände gegen den Theorieentwurf (die in der Arbeit ebenso diskutiert werden) - die TheoretikerInnen Ernesto Laclau und Chantal Mouffe. Sie erklären theoretisch, wie sich in politischen Kämpfen Identitäten formieren, wie um die gewünschte Einbindung diskursiver Elemente in eine hegemoniale Ordnung gerungen wird, wie alternative Deutungsvarianten desartikuliert werden und wie sich der innere Zusammenhang einer hegemonialen Deutungslogik über eine Abgrenzung zu einem diskursiven „Außen“ herstellt.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Hegemonietheorie Diskurstheorie Gramsci Foucault
Autor*innen
Stephan Strasser
Haupttitel (Deutsch)
Hegemonie und Diskurs
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
104
Sprache
Deutsch
AC Nummer
AC08958879
Utheses ID
16570
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
