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Faszination Fußball
im Kontext der Nachkriegszeit in Italien zwischen 1945 und 1954
Jens Reiserer
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Robert Tanzmeister
DOI
10.25365/thesis.2007
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30478.34096.851553-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In dieser Dissertation wird untersucht, welche Rolle der Fußballsport in Italien im ersten Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, unter besonderer Berücksichtigung des soziokulturellen und politischen Umfelds der damaligen Zeit, gespielt hat
Der Grund warum als Beobachtungsfeld gerade die Zeit wischen 1945 und 1954 durchleuchtet wird ist, dass besonders die Nachkriegszeit eine eigene Dynamik entwickelte, deren Eckpfeiler mit 1945 als Ende eines Albtraums und 1954 mit dem Aufkommen des Fernsehens sowie des Wirtschaftswunders gegeben sind. Da der Verfasser dieser Arbeit jene Zeit in Italien selbst erlebte, kann er außerdem eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen einbringen sowie die meisten von ihm geschilderten Ereignisse aus dem Gedächtnis abrufen. Das Gleiche gilt auch für seine Interviewpartner, die als Zeitzeugen jener Jahre, durchaus glaubhaft sind und interessante Beiträge beisteuern.
Tatsächlich war gerade in jenen schweren Zeiten der Fußballsport ein willkommenes Ventil, um Emotionen freien Lauf zu lassen und trug ferner ganz wesentlich dazu bei, eine kollektive Identität zu schaffen, die bis heute die italienische Gesellschaft trägt und prägt. In einem Land, in dem das Nord-Südgefälle besonders ausgeprägt ist, gelang es beispielsweise der italienischen Fußballmannschaft bereits damals mühelos diese Barriere zu überwinden.
Natürlich konzentriert sich diese Arbeit nicht nur auf die Ereignisse inner- und außerhalb des Fußballfeldes. So wird ein eigenes Kapitel den damaligen Lebensgewohnheiten der Italiener gewidmet. Ferner wird auch auf das weit gefächerte Spektrum der Filmlandschaft jener Jahre eingegangen, weil dieses Medium, neben dem Fußball, ein fundamentaler Bestandteil der damaligen Freizeitgestaltung war und so – von einem soziokulturellen Gesichtspunkt aus – schwer auszuklammern ist. Schließlich befriedigt dieses Medium ein elementares Bedürfnis der Menschen, sich aus der Realität auszuklinken und in eine Scheinwelt einzutauchen, in der Wunschträume erfüllt werden. Der Dualismus Neorealismus vs. Traumfabrik Hollywood steht dabei im Mittelpunkt dieser Betrachtungen.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Arbeit fußt aber auch auf der Erkenntnis, dass Sport eine Brutstätte von Mythen, Legenden und Traditionen ist. Stoff für eine gründliche Untersuchung bietet ebenso die oft ausufernde Fußballbegeisterung der Italiener, der bedingungslose Tifo. Die Tatsache, dass Werbung und Mäzenatentum damals schon eine bedeutende Rolle gespielt haben wird genauer betrachtet, ebenso wird die Presse, die sich mit Sport beschäftigt, vorgestellt. Immerhin werden in Italien drei Tageszeitungen herausgegeben, die sich ausschließlich mit Sport, hauptsächlich mit Fußball, beschäftigen.
Chroniken über das Geschehen am politischen, soziokulturellen und sportlichen Sektor der Jahre 1945 bis 1955 folgen im Anhang dieser Arbeit, um einen gründlicheren Einblick in die damalige Zeit zu gewähren. Anschließend folgen Statistiken und die bereits erwähnten Interviews, die allesamt in italienischer Sprache geführt und in den Fußnoten deutsch paraphrasiert wurden. Das Gleiche trifft auch auf die zahlreichen italienischen Originaltexte zu, die vom Verfasser dieser Arbeit frei ins Deutsche übertragen wurden.
Die Quintessenz dieser Arbeit findet sich in der Erkenntnis, dass die Menschen Brot, aber auch Spiele brauchen: Panem et circenses, wobei dem Fußballsport eine ganz besondere Rolle zukommt, da sich gerade dieser Sport ganz hervorragend dazu eignet, Emotionen zu erwecken, aber auch Identität zu schaffen.
Abstract
(Englisch)
In this dissertation the role of football in Italy in the first decade after the Second World War is examined, putting a special emphasis on the socio-cultural and political circumstances of that period.
The reason why the research is focused on the period from 1945 to 1954 is that the immediate post-war period developed a special momentum with 1945 as the end of a nightmare and 1954 as the beginning of the economic boom and the introduction of TV to the mass market. As the author of this dissertation lived in Italy at that time he is able to draw on his own experiences and reflections. The same is true for the people he spoke to who as eyewitnesses of this period provided credible and important contributions to his work.
In those difficult times football served as a welcomed valve to express emotions freely and at the same time contributed massively to the formation of a collective identity which to-date shapes and sustains Italy’s society. In a land with a very distinct north-south divide the national football team succeeded easily in overcoming this barrier.
This dissertation, however, is not only focused on events on and off the pitch. A whole chapter is dedicated to the Italian habits at that time. Furthermore, special attention is being paid to the prospering movie industry of that period because – together with football – film was a cornerstone of entertainment after working hours and therefore merits detailed examination. After all, movies are meeting men’s basic need to blank out reality and escape into a dream world. The confrontation neo-realism vs. Hollywood forms the centre of these observations.
Another major part of this dissertation is based on the realisation that sport is a breeding ground for myths, legends and traditions. In this context the author has also thoroughly examined Italians’ often-overflowing enthusiasm for football which is symbolised in the tifo, the radical fanship. The role of advertising and sponsorship is also looked at, as this was considerable already in this period, this refers also to the sporting press. After all, Italy still has three dailies exclusively dedicated to sports, with football dominating.
Rounding off the exposition the author has added a description of the political, socio-cultural and sporting events and developments between 1945 and 1954 to provide deeper and more comprehensive insight into this period. This followed by extensive statistical data and the above-mentioned interviews with eyewitnesses in Italian. These conversations as well as all other sources in Italian have been translated into German by the author of this dissertation.
The major conclusion of this work is the realisation that man needs bread as well as games: panem et circenses. Football plays a very special role in this context because like maybe no other sport it can evoke emotions but also create identity.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Italy football
Schlagwörter
(Deutsch)
Italien Fußball
Autor*innen
Jens Reiserer
Haupttitel (Deutsch)
Faszination Fußball
Hauptuntertitel (Deutsch)
im Kontext der Nachkriegszeit in Italien zwischen 1945 und 1954
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
252 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Robert Tanzmeister ,
Georg Kremnitz
Klassifikation
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC05038829
Utheses ID
1667
Studienkennzahl
UA | 092 | 236 | 349 |
