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Nein, du darfst nicht mitspielen!
eine experimentelle Studie über moralische Kognitionen und Emotionen bei sozialem Ausschluss unter Jugendlichen
Stephanie Handstanger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Dagmar Strohmeier
DOI
10.25365/thesis.18777
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29543.69612.794666-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Auf Basis des bereichsspezifischen Ansatzes (Turiel, 1983) galt es zu untersuchen, wie Jugendliche sozialen Ausschluss unter MitschülerInnen, eine Form relationaler Aggression, bewerten, ob sie moralische Normen als subjektiv verbindlich erachten, welche Motive sie für diese Handlung annehmen, welche differenzierten Gefühle sie den TäterInnen zuschreiben und welchen Einfluss unterschiedliche Reaktionen der Peers auf das Urteil haben. Neu an dieser Untersuchung war die Erhebung der moralischen Motivation in Zusammenhang mit sozialem Ausschluss, welche mittels Emotionsattributionen zur Gruppe, die ausschließt, erhoben wurde. Die Begründungen für die Emotionsattributionen sollen Aufschluss über die Beweggründe, die für Normkonformität bzw. Normübertretung angenommen werden, geben (Nunner-Winkler, 2007). Die beiden wichtigsten Forschungsfragen zielten darauf ab, herauszufinden, ob Jugendliche sozialen Ausschluss als moralisch falsch bewerten und welche Motive sie für das Verhalten der Gruppe annehmen. Die Erhebung erfolgte an 80 Hauptschulkindern der 2. und 3. Schulklassen (11 – 14 J.), wobei die zu bewertenden sozialen Ausschlusssituationen in Form von drei Videovignetten, welche sich durch die Anwesenheit bzw. Abwesenheit von Bystandern unterschieden, vorgelegt wurden.
Die Ergebnisse zeigten, dass die überwiegende Mehrheit (ca. 92 %) der Jugendlichen das Verhalten der ausschließenden Gruppe in allen drei Ausschlusssituationen als falsch bzw. sehr falsch beurteilte und ihr Urteil vorwiegend mit moralischen Gründen rechtfertigte, wobei jedoch in Abwesenheit von Bystandern das Verhalten der Gruppe in einem signifikant höheren Ausmaß als falsch bewertet wurde. Das unterschiedliche Verhalten der Bystander hatte keinen Einfluss auf das Urteil, was bedeutet, dass das gezeigte Verhalten der Gruppe für die Jugendlichen eine rein moralische Dimension besitzt und ihr Urteil auf Prinzipien wie Gerechtigkeit und Fairness basiert und sozial-konventionelle Aspekte wie der Peereinfluss im Bewertungsprozess nicht berücksichtigt werden. Die Erkenntnis ist, dass Jugendliche über ein ausgeprägtes moralisches Verständnis verfügen, um die Geltung der Norm wissen, diese kategorische Gültigkeit für sie besitzt und nicht an den sozialen Konsens gebunden ist.
Bezüglich der moralischen Motivation zeigte sich, dass jene 30 % der Jugendlichen, die der Meinung waren, dass sich die Gruppe, nachdem sie das Kind ausgeschlossen hat, „eher schlecht“ bis „sehr schlecht“ fühle, in ihren Begründungen dafür, einerseits auf die resultierenden Konsequenzen des Ausschlusses für das Opfer („sie haben das Mädchen verletzt“; „weil es dem Jungen schlecht geht“) und andererseits auf moralische Aspekte („weil es falsch war“, „weil es unfair ist“), bezogen. Was bedeutet, dass bei einem Drittel die moralische Motivation sehr hoch ist und sie Normen als subjektive verbindlich erachten. Die restlichen 70 % der Jugendlichen, die den emotionalen Zustand der Gruppe nach dem Ausschluss als positiv bewerteten, also der Meinung waren, dass sich diese „sehr gut“ bis „eher gute“ fühle, begründeten ihr Urteil mehrheitlich mit hedonistischen Begründungen, was auf deren geringere moralische Motivation schließen lässt. Diese zwei Drittel der Jugendlichen zeigen eine Diskrepanz zwischen dem moralischen Wissen und der moralischen Motivation. Die Einsicht und Akzeptanz der Gültigkeit moralischer Normen ist bei der Mehrheit noch nicht vollständig vorhanden.
Hinsichtlich der differenzierten Emotionsattributionen zeigte sich, dass das Gefühle „stolz“, gefolgt von dem Gefühl „froh“ und dem Gefühl „schuldig“ der Gruppe am häufigsten zugeschrieben wurde. In Übereinstimmung mit dem Ergebnis hinsichtlich des emotionalen Urteils zeigte sich, dass die Jugendlichen der Gruppe mehrheitlich positive Gefühle zuschrieben und im Zusammenhang mit der Bewertung der Handlung vorwiegend unmoralische Gefühle nannten.
Die zentrale Bedeutung ist, dass Jugendliche dem Alter entsprechend über ein ausgeprägtes moralisches Verständnis verfügen und um die Geltung der Normen wissen. Ein Drittel der Jugendlichen hat moralische Motivation verlässlich aufgebaut und erachten diese Normen als subjektiv verbindlich. Bei zwei Dritteln ist eine Diskrepanz zwischen dem moralischen Wissen und der moralischen Motivation vorhanden. Das heißt, dass bei der Mehrheit die Einsicht und Akzeptanz der Gültigkeit moralischer Normen noch nicht vollständig vorhanden ist. Diese Erkenntnisse weisen auf die Notwendigkeit der Förderung sozio-moralischer Kompetenzen hin.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
sozialer Ausschluss Bullying moralisches Urteil moralische Motivation moralische Emotionen
Autor*innen
Stephanie Handstanger
Haupttitel (Deutsch)
Nein, du darfst nicht mitspielen!
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine experimentelle Studie über moralische Kognitionen und Emotionen bei sozialem Ausschluss unter Jugendlichen
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
VI, II, 158 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Dagmar Strohmeier
Klassifikation
77 Psychologie > 77.00 Psychologie: Allgemeines
AC Nummer
AC08960296
Utheses ID
16824
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
