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Über die Wesensmöglichkeit der Willensfreiheit im Lichte des neurobiologischen Determinismus
Sally Chung Kot
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Helmuth Vetter
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29967.18822.213069-3
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In der vorliegenden Arbeit geht es primär darum, die Voraussetzungen des wissenschaftlichen Erkennens zu reflektieren, um so auf das Problem der Willensfreiheit zu antworten. Jede menschliche Erkenntnis ist eine sprachlich formulierte. Die Sprache ist wiederum ein Kulturphänomen, das wir den Leistungen unseres Geistes verdanken. Die Naturalisierung des Geistes impliziert, dass der Mensch als Naturobjekt nicht fähig sein kann, als Subjekt eben diese Wissenschaft hervorzubringen. Denn die Natur weißt nicht um sich im Sinne des wissenden Selbstbezugs. Lediglich der Mensch ist im Besitz dieses Bewusstseins von sich selbst, so muss auch das Selbstbewusstsein notwendigerweise anders bestimmt sein als die Natur. Die menschliche Freiheit zeugt gerade von diesem Wissen um sich. Denn das Freiheitsempfinden ist wesentlich ein kognitives Gefühl, welches einem Vernunfturteil entspringt, wenn ein Wille als gewollt erkannt wird. Die Beurteilung dieser Identität vom Wollenden und Gewollten erfordert ein Wissen über das Subjekt dieses Wollens. Die These der Arbeit lautet folglich, dass die zunehmende Selbsterkenntnis auch den Freiheitsgrad des Willensentschlusses steigert. Im Lichte dieser Überlegungen wird deutlich, dass sich die Frage nach der Existenz von Willensfreiheit gar nicht stellt, weil ihr Bestehen von einem urteilsfähigen Geist abhängt, der etwas wollen kann. So liegt das Missverständnis wesentlich in der Deutung des Freiheitsbegriffs, weil in den Neurowissenschaften reißerisch mit dem Wort Willensfreiheit geworben wird, ohne dessen semantischen Gehalt zuvor reflektiert zu haben. Angesichts der kausalen Abgeschlossenheit unserer physischen Welt erscheint es nachvollziehbar, dass Neuroforscher die Freiheit als indeterministische Hirnprozesse definieren. Doch das Gehirn als Naturobjekt unterliegt uneingeschränkt den Naturgesetzen, wohingegen die Willensfreiheit einen bewusstseinsfähigen Geist bedingt.
Abstract
(Englisch)
The present study intends to critically reflect the postulates of scientific knowledge in order to respond to the problem of free will. All human knowledge is linguistically formulated. The language, however, is a cultural phenomenon that owes to our intellectual achievements. Hence, the naturalization of the mind implies that a person as a natural object may not be able to generate this very science as a subject, as nature does not know about itself in the sense of a knowing self-reference. Only a person possessing a conscience can know about herself. Therefore, self-consciousness is necessarily to be determined differently than nature. In this very knowledge of oneself lies also the human freedom. The sense of freedom is essentially a cognitive emotion, which arises from a rational decision, when a will is recognized as intended. The assessment of this identity of the willing self and its volition requires the knowledge of the subject of that will. The assumption of this analysis says that rising self-awareness simultaneously increases the degree of freedom of volition. In light of these considerations it may be clear that the question of the existence of free will is pointless, because its being depends on a judicious mind that is able to will. Thus, the mis understanding lies essentially in defining the concept of freedom, since the neurosciences advertise heavily with the word free will, without having previously thoroughly reflected its meaning. Given the causal seclusion of our physical world, it seems understandable that researchers define freedom as indeterministic brain processes. The brain, however, as a natural object shall fully comply with the laws of nature, whereas free will requires a mind that is capable of consciousness.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
freedom free will determinism causality mind-body problem brain research neurobiology neuroscience natural science language criticism methods criticism self-awareness
Schlagwörter
(Deutsch)
Freiheit Willensfreiheit Determinismus Kausalität Leib-Seele-Problem Hirnforschung Neurobiologie Neurowissenschaft Naturwissenschaft Sprachkritik Methodenkritik Selbsterkenntnis
Autor*innen
Sally Chung Kot
Haupttitel (Deutsch)
Über die Wesensmöglichkeit der Willensfreiheit im Lichte des neurobiologischen Determinismus
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
158 S.
Sprache
Deutsch
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.32 Erkenntnistheorie ,
08 Philosophie > 08.36 Philosophische Anthropologie
AC Nummer
AC09451444
Utheses ID
17467
Studienkennzahl
UA | 296 | | |
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