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Nihilismus
eine europäische Erzählung von Nietzsche und Dostoevskij
Daniel Cinkl
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Konrad Liessmann
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.19586
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29500.22461.306264-0
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Nihilismus – eine europäische Erzählung von Nietzsche und Dostoevskij ist mein Versuch, die Geschichte der christlich-metaphysischen Philosophie als nihilistisches Ereignis neu zu begreifen. Protagonisten dieser Arbeit sind der christliche Schriftsteller Fëdor Michajlovič Dostoevskij und der „letzte Metaphysiker“ Friedrich Nietzsche. Als Erzähler der nihilistischen Katastrophe fungieren die beiden als Kritiker der sich im 19. Jahrhundert verbreitenden Kunde von der Sinnlosigkeit des Daseins. Meine Forschungsfrage untersucht eine mögliche geistige Brüderschaft der beiden Denker vor dem Hintergrund der Nihilismusproblematik. Dazu ist zunächst der Abriss einer Genealogie des Nihilismus, die Einsicht in das Verständnis dieser dringlichsten Frage bringt, notwendig. Die zu hinterfragende Verwandtschaft der beiden beleuchte ich anhand folgender Aspekte: In Dostoevskijs Antihelden sind viele Momente des Denkens Nietzsches angelegt. Raskol’nikov stellt die bestehende Ethik in Frage und erhebt sich im Zuge dessen über die moralischen Grenzen der sittlichen Handlungen. Er ist der unreife Übermensch, der an der Unausgeglichenheit von Idee und eigener Persönlichkeit scheitert. Kirillov tötet sich selbst, um die Idee von Gott auszulöschen und den Menschen das Tor zu einem neuen, freien und selbstbestimmten Leben zu öffnen. Er ist eine eigenartige Synthese von genuin russischem Atheisten, modernem Christus und nietzscheschem Zarathustra. Ivan Karamazov stellt die Frage nach Sein oder Nicht-Sein auf russische Art, möchte sich für das Letztere entscheiden – kann es aber nicht. Diese unhintergehbare existenzielle Spannung treibt ihn in den Wahnsinn. Demgegenüber sieht Nietzsche in Dostoevskij einen Schriftsteller, der ihm wertvolles Material zu seiner Kritik des Christentums liefert. Er erkennt das ihm Fremde an Dostoevskijs Gedanken, kann sich aber dessen psychologischer Tiefe nicht entziehen. Beide postulieren ein neues Mensch-Sein, einen neuen Stand des Menschen zu sich selbst, der die Überwindung des Nihilismus erst möglich macht. Hier gehen der Philosoph und der Schriftsteller unterschiedliche Wege. Bei Nietzsche ist es der Übermensch, der gelöst von der Disharmonie von leiblicher Unmoral und geistiger Moralauffassung, das Leben dionysisch bejaht und so den Nihilismus als Dekadentes, als Niedergehendes überwindet. Für einen solchen Menschen ist die extremste Form des Nihilismus, die ewige Wiederkehr des Gleichen, Chance für ein jasagendes, schaffendes Leben. Amor fati, Liebe zum Schicksal ist das Nietzsche-Wort zu einer solchen Existenz des neuen Menschen. Dostoevskij hingegen kehrt zurück zu der christlichen Wahrheit der brüderlichen Liebe und Überwindung des Ichs, von der ausgehend es den Menschen möglich wird die europäischen Widersprüche zu überwinden und sich in einer universalen Harmonie zu vereinigen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Nietzsche Dostoevskij Nihilismus Überwindung Christentum Gott Europäische Russland
Autor*innen
Daniel Cinkl
Haupttitel (Deutsch)
Nihilismus
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine europäische Erzählung von Nietzsche und Dostoevskij
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
138 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Konrad Liessmann
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.20 Geschichte der westlichen Philosophie: Allgemeines ,
08 Philosophie > 08.31 Metaphysik, Ontologie ,
08 Philosophie > 08.37 Religionsphilosophie ,
08 Philosophie > 08.38 Ethik ,
11 Theologie > 11.08 Religionskritik, Atheismus
AC Nummer
AC09039927
Utheses ID
17468
Studienkennzahl
UA | 296 | | |
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